Behinderung als Disneyland

In Rathausen LU ist ein Invaliden-Erlebnispark geplant: das Paradrom. Das 22-Millionen-Projekt wird aber von Behindertenorganisationen kritisiert. Zu Recht. Laut Vereinspräsident Pius Segmüller* geht es nämlich nicht darum, «mit dem Paradrom in erster Linie sozialpolitische Veränderungen zu bewirken.»

Dazu kann man nur Ruedi Prerost, Gleichstellungsbeauftragter von Pro Infirmis zitieren: «Statt eine künstliche Welt mit Behinderungen aufzubauen, würden besser die realen Behinderungen im Alltag behoben»Der 62-jährige Jurist, selber Paraplegiker, findet es verfehlt, dass Behinderung auf eine Funktions-störung reduziert wird. Jede Behinderung habe auch soziale und psychische Auswirkungen und betreffe alle Lebensbereiche. Wer nur im Rollstuhl fährt, weiss nicht, was Behinderung bedeutet.»

Die 22 Millionen könnte man anderweitig tatsächlich wesentlich sinnvoller für die Aufhebung von Barrieren einsetzen, denen Menschen mt Behinderungen tagtäglich begegnen. Und wer wissen will, wie sich diese Einschränkungen anfühlen, kann versuchen sich einfach mal einen Tag lang in einem Rollstuhl in der ganz realen Welt fortzubewegen. Da gibt’s nach wie vor genügend Hinder-nisse, dazu braucht man keine extra «Erlebniswelt» aufzubauen. So ein «Erleb-nistag» in der realen Welt würde auch den Mitgliedern des Vereins «Paradrom» vielleicht ganz interessante Einblicke gewähren – dem Vorstand gehört nämlich kein/e RollstuhlfahrerIn an.

*Pius Segmüller (CVP-Nationalrat und ehemaliger Kommandant der Schweizer-garde) weiss auch ganz genau, was «gute» und «richtige» Behinderte sind:

Es freut mich, wenn ich sehe, wie Behinderte ihr Leben meistern, sich ins Berufsleben integrieren und es schaffen auf die IV zu verzichten. Andere wiederum schlängeln sich durch und versuchen mit fadenscheinigen Besch-werden eine IV zu ergattern. Das darf es nicht sein. Solche Leute müssen zur Eigenverantwortung gezwungen werden. Meiner Meinung nach gibt es keine entwürdigende Arbeit. Wenn man arbeiten kann, soll man es auch tun. Aus dem christlichen Gedanken heraus, muss man am richtigen Ort sozial sein.

Die CVP sollte wieder verstärkt Themen ansprechen, die sie über Jahrzehnte geprägt und dann etwas vernachlässigt hat, weil diese nicht mehr als modern empfunden wurden. Wir dachten, dass wir uns in gesellschaftlichen Angelegen-heiten nach links öffnen müssen. Dabei muss man aber beachten: die CVP ist aus dem christlichen Gedanken heraus sozial! Wir sollten den Menschen Wertvorstellungen, die durchaus als konservativ bezeichnet werden können, zurückgeben. (Quelle: Pro Luzern)

Lassen wir das mal so stehen…

Ein Gedanke zu „Behinderung als Disneyland

  1. Die Idee ist zwar auf Blick 1 ein Furz. Aber erstmal sind die 22 Millionen offenbar zweckgebunden für Standortförderung, nicht für Behindertenlobbying – also wieso das Geschrei, ist eh nicht denen ihre Kohle – dass es um Eintrittspreise und nicht um Behindertenförderung geht, dürfte ja wohl hoffentlich klar sein. Dann finde ich ein Paradrom zwar aus ähnlichen wie oben genannten Gründen doof – aber immer noch besser als ein Dinosaurier-, Spielzeugeisenbahn- oder Indianermuseum. Dass dann die CVP gerade in diesem Zusammenhang “christliche Werte, die konservativ sind”, hochleben lassen wollen, – wie war das früher mit dem vorehelichen Sex, Homosexualität oder der Vermutung, dass Behinderte von Gott gestraft würden / seien? wie war es mit Hexen oder Gotteslästerern? – ist an sich ohnehin schräg, wo der Segmüller doch ein Behinderten-Kesseltreiben anzettelt. Sehr alter christlicher Wert: jemand muss schuld sein, und die/den führen wir erst öffentlich vor (Paradrom?), dann verbrennen wir sie (Kesseltreiben) oder haben perversen Sex (v.a. katholische Kirche). Vergesst niemals, dass wir Barbaren waren und sind. Für diese uns Alpenbarbaren ist ein Paradrom Ausdruck der Selbstfindung, der Offenheit, und wir sind gespannt der weiteren Dinge, die noch kommen. Es sind die Politiker, die sich mit fadenscheinigen Ideen durchschlängeln, sie sind es, die uns Geld und Nerven kosten. Macht Euch da nichts vor. Also ich denke, das Paradrom ist Teil der Schweizer Kulturlandschaft: “lass mich einen Tag mit Deinem Rollstuhl herumfahren und dann hau ab”.

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