Ob man wohl als RAD-Arzt beim Einstellungsverfahren einen Patienten vorgeführt bekommt (in diesem Fall einen Mechaniker mit schwerem Asthma, Rückenproblemen und psychiatrischer Symptomatik) und dann als Arbeitsprobe eine Beurteilung über dessen Arbeitsfähigkeit schreiben muss? Oder gibt es dazu interne Fortbildungskurse?
Hier mal wieder eine gutachterliche Meisterleistung:
(…) sei aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 50% für eine körperlich adaptierte Tätigkeit ohne übermässigen Stress und Zeitdruck, ohne Publikumsverkehr, ohne erhöhtes Konfliktaufkommen, ohne Schichtarbeit und mit der Möglichkeit zu unüblichen Pausen anzunehmen. Aus pneumologischer Sicht sei die Ausübung jedweder Mechanikertätigkeit (insbesondere unter Ausschöpfung aller in Frage kommenden Arbeitsschutzmassnahmen) nicht ausgeschlossen. Eine körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit ohne regelmässige Exposition gegenüber höheren Konzentrationen von atemwegs-reizenden Stäuben, Dämpfen und Rauch sowie gegenüber Kälte, Nässe und Zugluft sei zu 80% zumutbar. Ungeeignet seien körperliche Schwerarbeiten mit Heben und Tragen von Gewichten über 30 kg sowie solche mit monotonen Zwangshaltungen der Lendenwirbelsäule. Insgesamt resultiere eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. (IV 2008/430)
Und wie schon früher festgestellt: Falls der Betroffene keine solche Stelle findet, hängt das natürlich nicht mit seiner Behinderung zusammen; er ist dann einfach arbeitslos. Es wichtig und richtig, dass auch Menschen mit eingeschränkter Arbeitsfähigkeit nicht einfach zu 100% berentet werden, sondern wenn irgend-möglich ihre Restarbeitsfähigkeit noch verwerten können. Aber da klafft leider immer häufiger eine grosse Lücke zwischen der von RAD-Ärzten rein theoretisch beschriebenen Stelle und der Wirklichkeit. Mag ja sein, dass die Tätigkeit als ärztlicher Beamter «ohne übermässigen Stress und Zeitdruck, ohne Publikums-verkehr, ohne erhöhtes Konfliktaufkommen, ohne Schichtarbeit und mit der Möglichkeit zu unüblichen Pausen» einhergeht – Draussen in der richtigen Welt, liebe RAD-Ärzte ist das aber leider nicht so. Oder warum war die Stelle als RAD-Arzt eigentlich so erstrebenswert?
Wenn ich mal kurz aus dem Stelleninserat zitieren darf, mit dem die SVA-Zürich nach RAD-Ärzten sucht: «Wir bieten Ihnen einen modernen Arbeitsplatz im Stadtzentrum, grosszügige versicherungsmedizinische Weiterbildungs-möglichkeiten, flexible Arbeitszeiten (keine Pikett- und Wochenenddienste) sowie vorzügliche Sozialleistungen.»
Hach schön. Ganz ohne Staub, Dampf oder Rauchemissionen und garantiert mit Klimaanlage.