Behinderung sieht man auf den ersten Blick

Dieses neue Inserat von MyHandicap für das Programm «Jobs für Behinderte – Behinderte für Jobs» wurde von EURO RSCG gestaltet und erscheint in den Ringiermedien:


Text: Eine Behinderung sehen wir auf den ersten Blick.

Er arbeitet an einem Tisch als UhrmacherText: Den Menschen und seine Talente erst auf den zweiten.

Ich bin hin und hergerissen – das Engagement von Ringier und MyHandicap ist ja an sich wirklich lobenswert, aber dass «Behinderung auf den ersten Blick sichtbar ist» ist einfach Quatsch. Es gibt mindestens ebensoviele unsichtbare wie sichtbare Behinderungen; beispielsweise Gehörlosigkeit, Hirnverletzungen, diverse chronische Erkrankungen, Lernbehinderungen, Psychische Erkrankungen ect.

Das Inserat bestätigt einfach nur mal wieder die dumpfe Sicht von Herr und Frau 0815 Schweizer, dass nur das was sie selbst sehen können, tatsächlich als Behinderung gelten darf und alles andere, das existiert nicht. (Ich erwähne jetzt das grosse böse S-Wort nicht).

Und mich bestätigt es einmal mehr in meiner Meinung zur Aktion «Jobs für Behinderte – Behinderte für Jobs». Leider. Ich hätte sie gerne revidiert.

2 Gedanken zu „Behinderung sieht man auf den ersten Blick

  1. MyHandicap verkauft altbackene und ueberholte Behindertenklischees an Sponsoren. Dabei wird die Community weitgehend ge”faket”. Eine Nachhaltigkeit wie in echten Selbsthilfegruppen ist nicht einfach zu erreichen, findet dort aber auch gar nicht statt. Alles, was man dort finden wird, sind wohlklingende strategische Zusammenschluesse, was sicher in Ordnung ist, aber nirgendwo abhebt, neu oder besonders gut ist. Die dort gezeigten Werte im Umgang sind ausserdem lang veraltete deutsche Werte im Umgang mit Behinderung – und die sind durchaus sonderbar. Fuer die “Botschafter” in der Schweiz wurden vor allem Amputierte gesucht, was angesichts der relativen Seltenheit gegenueber viel haeufigeren anderen Behinderungen an sich eigentuemlich anmutet. Ich selbst waere dort beim Investieren oder Zeit daran geben extrem zurueckhaltend. Da hat wohl jeder beliebige Sportverein mehr Authentizitaet und Pepp als diese Leute bei MyHandicap. Dass so ein Poster von MyHandicap mitgetragen wird, wundert keineswegs.

  2. Ja, genau: Was Hörbehinderungen betrifft, so sieht man diese nicht nur nicht. Die meisten Hörenden sind Hörbehinderten gegenüber sogar ausserordentlich vergesslich. Man muss sein Hörgerät schon rot anmalen, damit sie dran denken, dass sie laut und deutlich mit einem reden sollten. Und auf dem Trottoir wird man immer wieder mal von Velos angefahren, die einfach nicht auf die Idee kommen, dass man sie nicht hören könnte. Bei der Arbeit kann die Unsichtbarkeit einer Behinderung auch Vorteile haben (sofern man denn Arbeit hat). Aber diese Werbung blendet solche Situationen natürlich a priori aus.

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