Archiv der Kategorie: kleine Alltäglichkeiten

Das Gegenteil von gut…

ist oft: «Gut gemeint» Über Mitmenschen, die es doch nur «gut meinen» mit den armen Behinderten:

Es war auf meinem Weg zur Arbeit, als mich auf dem U-Bahnsteig eine ältere Dame ansprach: „Kann ich Ihnen beim Einsteigen helfen?“

Diese Frage wird mir häufig gestellt, und ich finde sie absolut okay. Ich sage dann in der Regel, so auch zu der älteren Dame: „Nein danke, das geht schon.“

Nach einer kurzen Pause fragt sie: „Und geht das wieder weg?“

Sie meint meine Blindheit. Da bin ich mir sicher. „Nein, das geht nicht mehr weg“, sage ich denn auch.

„Wie schrecklich“, platzt es aus ihr heraus, „so ein junger Mann.“

Ich brauche wohl nicht zu sagen, dass sie mir doch sagt, wo sich die Wagontür befindet, obwohl ich längst gehört habe, wo sie aufgegangen ist. In der Bahn will sie mir zeigen, wo ein freier Platz ist, obwohl ich vor einem Tag am Schreibtisch auch gern mal in der Bahn stehe. Es ist dieses Nicht-ernst-nehmen, das mich so wütend macht. Wenn ich sage, dass ich keine Hilfe möchte, dann ist das so. Wenn man mich dann nicht in Ruhe lässt, dann spricht man mir ab, selbst zu wissen, was gut für mich ist.

Es kam aber in diesem Fall noch schlimmer. Kurz vor dem Bahnhof, in dem ich umsteigen muss, kam die mitleidende Dame zu mir: „Wo möchten Sie denn gleich hin? Ich helfe Ihnen.“

„Bitte lassen Sie mich doch jetzt in Ruhe“, bat ich. Ich fühlte mich schlecht, irgendwie bedrängt.

„Ich möchte ja nur helfen“, rechtfertigte sie sich, um dann noch ein paarmal „wie schrecklich, so ein junger Mann“ vor sich hinzumurmeln.

Ganzer Artikel von Heiko unter: Euer Mitleid kotzt mich an! (Auch die zugehörige Diskussion in der Kommentaren birgt interessante Aspekte).

Vielen Dank an Alice für den Tipp.

Über das Gehen

Betrachtungen eines Rollstuhlfahres – mit eleganter Leichtigkeit geschrieben von Walter, und ebenso elegant vertont von Ohrenschützer.

Geräuschloses Wecken

«Also, ich werde ja am liebsten am Bein geweckt. Da Schwerhörigkeit und Ertaubung es mit sich bringen, dass man aus der Entfernung nur mit grellem Licht geweckt werden kann, ist auch kein sanftes Rufen in die morgendliche Realität mehr möglich — es ist Anfassen angesagt. Und Rucken. Oder Schütteln. Ob nun durch Wecker oder Personen. Wurfgeschosse lassen wir mal außen vor.(…)» notquitelikebeethoven berichtet launig über Selbstversuche mit unterschiedlichen Weckmethoden für Schwerhörige und Gehörlose.

«Und was machst du so?»

Aufgabe für nicht Berentete: sich mal vorzustellen, auf der nächsten Party, dem nächsten Klassentreffen, bei der Vorstellung im Kirchenchor oder dem Chüngelizüchterverein, beim zufälligen Zusammentreffen mit einem früheren Arbeitskollegen auf einem Konzert, oder der grossen Liebe aus Teenagertagen in der Migros auf die Frage «Und was machst du so?» antworten zu müssen: Ich bin IV-Rentner. Und dabei keinen Rollstuhl oder sonstiges äusserliches Merkmal vorweisen zu können.

Da bleibt man doch lieber gleich zu Hause.