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Das Gegenteil von gut…

ist oft: «Gut gemeint» Über Mitmenschen, die es doch nur «gut meinen» mit den armen Behinderten:

Es war auf meinem Weg zur Arbeit, als mich auf dem U-Bahnsteig eine ältere Dame ansprach: „Kann ich Ihnen beim Einsteigen helfen?“

Diese Frage wird mir häufig gestellt, und ich finde sie absolut okay. Ich sage dann in der Regel, so auch zu der älteren Dame: „Nein danke, das geht schon.“

Nach einer kurzen Pause fragt sie: „Und geht das wieder weg?“

Sie meint meine Blindheit. Da bin ich mir sicher. „Nein, das geht nicht mehr weg“, sage ich denn auch.

„Wie schrecklich“, platzt es aus ihr heraus, „so ein junger Mann.“

Ich brauche wohl nicht zu sagen, dass sie mir doch sagt, wo sich die Wagontür befindet, obwohl ich längst gehört habe, wo sie aufgegangen ist. In der Bahn will sie mir zeigen, wo ein freier Platz ist, obwohl ich vor einem Tag am Schreibtisch auch gern mal in der Bahn stehe. Es ist dieses Nicht-ernst-nehmen, das mich so wütend macht. Wenn ich sage, dass ich keine Hilfe möchte, dann ist das so. Wenn man mich dann nicht in Ruhe lässt, dann spricht man mir ab, selbst zu wissen, was gut für mich ist.

Es kam aber in diesem Fall noch schlimmer. Kurz vor dem Bahnhof, in dem ich umsteigen muss, kam die mitleidende Dame zu mir: „Wo möchten Sie denn gleich hin? Ich helfe Ihnen.“

„Bitte lassen Sie mich doch jetzt in Ruhe“, bat ich. Ich fühlte mich schlecht, irgendwie bedrängt.

„Ich möchte ja nur helfen“, rechtfertigte sie sich, um dann noch ein paarmal „wie schrecklich, so ein junger Mann“ vor sich hinzumurmeln.

Ganzer Artikel von Heiko unter: Euer Mitleid kotzt mich an! (Auch die zugehörige Diskussion in der Kommentaren birgt interessante Aspekte).

Vielen Dank an Alice für den Tipp.

Von Menschen und Tieren

Praktisch unverändert wurde heute der erste Teil der 6. IV-Revision vom Ständerat gutgeheissen. Bundesrat Burkhalter war fest entschlossen, seine Vorlage «als Ganzes» durchzubringen, «sonst mache die ganze Vorlage keinen Sinn» wie er immer wieder betonte – er duldete keine Abweichungen von der Vorlage – der Ständerat hatte deshalb kaum etwas anderes zu tun, als die ganze Sache abzunicken. Simonetta Sommaruga versuchte zumindest in zwei Punkten auf die zuweilen doch seltsam anmutenden Relationen aufmerksam zu machen:

«Wir haben in der Kommission über zwei Stunden über Hörgeräte und über die Hörgerätebranche gesprochen; zum Thema, bei dem es um Menschen geht, um 4500 Rentnerinnen und Rentner, haben wir etwa zwanzig Minuten “verloren”. Heute sind die zeitlichen Dimensionen in unserem Rat wahrscheinlich etwa analog. Ich bitte Sie wirklich, diesen Punkt im Rahmen einer guten Revision, einer guten Vorlage nochmals zu klären. Wenn Ihnen die Streichung von Ziffer II Buchstabe a als Ganzem zu weit geht, stimmen Sie bitte wenigstens der Änderung von Absatz 4 zu. Hier hat man versucht, wenigstens ein bisschen einzuschränken. Leute, die über zehn Jahre eine Rente erhalten haben und ohnehin zu den sozial Schwächeren gehören, mit harten Massnahmen wiedereinzugliedern halte ich für nicht gerechtfertigt. Ich bitte Sie, wenigstens in diesem Punkt der Minderheit zu folgen»

Sommarugas Antrag wurde abgelehnt, wie auch alle anderen Minderheiten-anträge. Da mag BR Burkhalter noch so entschieden behaupten, die Menschen würden im Mittelpunkt stehen und man würde die Rentenkürzungen selbst-verständlich mit Augenmass vornehmen – einmal im Gesetz verabschiedet, zählt für die ausführenden Stellen (IV-Stellen sowie Gerichte) weder Augemass noch Menschlichkeit, sondern einzig die Gesetzesgrundlage.

Ja, es ist verständlich, dass gespart werden muss, ja, das bringt einschränkende Kürzungen mit sich. Aber zuweilen ist dem Bundes- und Ständerat da dann doch etwas der Realitätssinn abhanden gekommen. Allerdings nicht nur denen. Just gestern wurde den Bundesbehörden in Bern eine Petition mit 9000 Unter-schriften überreicht, worin dagegen protestiert wird, dass die finanziellen Beiträge der Invalidenversicherung für Blindenführhunde gesenkt wurden. Diese Kürzungen bezeichnet der Schweizerische Zentralvereins für das Blindenwesen (SZB) als «kleinlich und willkürlich». Wohl wahr.

Erschreckend ist aber, dass gegen eine Kürzung des Futtergeldes für Hunde innert kürzester Zeit 9000 empörte Unterschriften zusammenkommen, während die Streichung von 16’000 IV-Renten – also der Lebensgrundlage von Menschen unter anderem mit somatoformen Schmerzstörungen (dazu wird auch CFS gezählt) einfach schulterzuckend als nun ja – Kollateralschaden hingenommen wird. Und wo man noch nichtmal bereit ist, zumindest jene, die seit über 10 Jahren berentet sind, von der «Wiedereingliederung» auszunehmen.

Na, Hauptsache, den Hunden geht’s gut.

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Diese «schiefen» Relationen hat auch schon die Werbeagentur Ruf Lanz für das Blindenwohnheim Mühlehalde treffend ins Bild gesetzt:

Mensch mit Sehbehinderung ein einem Pandakostüm - Text: Nicht nur bedrohte Tiere sind auf Spenden angewiesen

Blind Date

Blind Dating – aber wirklich! Die visuellen Reize ausschalten und sich ganz auf die anderen Sinne konzentrieren. Das ist die Idee von Blind Date. Zehn Paare im stockdunklen Restaurant blindekuh in Basel, das heisst: Zehn Menschen jeweils fünf Minuten kennen lernen und nicht wissen, wie sie aussehen. Es wäre kein wirkliches Blind Date, wenn sich die Paare schon vor dem Anlass sehen würden. Männer und Frauen werden deshalb an einen anderen Eingang der «blindekuh» bestellt.

Das nächste Blind Date findet am 3. Juni statt, weitere am 1. Juli 2010 und am 2. September 2010. (-> Anmeldung nötig )

Auf jeden Fall eine wesentlich sympatischere Idee als das 22 Mio-Projekt Paradrom – nicht zu vergessen: die Restaurants blindekuh in Basel und Zürich bieten sehbehinderten und blinden Menschen Arbeitsplätze in der freien Wirtschaft – und das doppelt Gute daran: In einem Umfeld, in dem sie den Sehenden einiges vorraus haben. Das Konzept der «Blinden Kuh» wurde von blinden und sehbehinderten Menschen entwickelt und mittlerweile in Städten wie Berlin, London, Moskau und weiteren Orten erfolgreich kopiert. Auch im Vorstand des Stiftungsrates «Blind-Liecht» sitzen grossmehrheitlich sehbehinderte und blinde Menschen.

Sehende Hände

WOZ-Redakteur Patrik Maillard berichtet über seinen Besuch in der Massagepraxis «sehende Hände» in Winterthur, in der ausschliesslich Sehbehinderte und Blinde therapieren. -> «Jetzt einfach nichts tun»

Die Praxis ist ein Erfolgsmodell, die Auftragsbücher sind gut gefüllt: bei der Eröffnung 2007 teilten sich fünf TherapeutInnen ein Stellenpensum von 160 Prozent, heute teilen sich acht TherapeutInnen 350 Stellenprozent. Die diplomierten medizinischen Masseur­Innen erhalten branchenübliche Löhne und sind am Umsatz beteiligt. Die Praxis Sehende Hände ist keine Sozialfirma, die TherapeutInnen erwirtschaften ihre Löhne ohne staatliche Subventionen.

Der behindertenbedingte Mehraufwand wird vorwiegend aus Spenden von privaten Stiftungen finanziert. Mehraufwand entsteht beispielsweise durch Investitionen in Computerprogramme, die Schriften extra gross darstellen können.

IV kürzt Futtergeld für Blindenführhunde

Wiedermal ganz grosses Kino von der Beamtenfront. Diese Massnahme wird mit Sicherheit entscheidend dazu beitragen, die IV aus den roten Zahlen bringen. Mehr dazu beim Blick am Sonntag.