Während gestern Nachmittag die SGK-S bereits über die IV-Revision 6b informierte, diskutierte man am Abend bei Radio DRS 1 noch über die vorraussichtlichen Auswirkungen der IV-Revision 6a, welche am 1.1.2012 in Kraft treten wird. Das zumindest war der Anspruch der Sendung Doppelpunkt unter dem Motto «Keine IV-Rente mehr: Was nun?».
Auf der Webseite von DRS 1 heisst es dazu:
Wer will einen ehemaligen IV-Rentenbezüger einstellen, wenn die Wirtschaftslage angespannt ist und der Druck auf die Mitarbeitenden ständig wächst?
Vier IV-Rentenbezügerinnen und -bezüger diskutieren mit
Toni Bortoluzzi, Schreinermeister und SVP-Nationalrat
Dieter Widmer, Direktor IV Kanton Bern
Niklas Baer, psychiatrische Dienste Basel-Land
Ich weiss nicht ob, es der Wunsch der IV-BezügerInnen war, nicht mit Namen auf der Webseite zu erscheinen, oder ob man bei Radio DRS befand, IV-Bezüger bräuchten keine Namen und auch keine (ehemalige) Berufsbezeichnung. Unter den vier IV-Bezügerinnen jedenfalls war auch Elsbeth Isler, die ich als einzige namentlich erwähne, weil ihre im Tagesanzeiger erschienene Geschichte auch auf der Seite von Radio DRS verlinkt ist. Bei den anderen weiss ich wie gesagt nicht, ob es Ihnen nicht lieber ist, in diesem Zusammenhang nicht ergoogelt werden zu können.
Die «Versuchsanordung» im Radiostudio sah dann offenbar dergestalt aus, dass die IV-BezügerInnen am einen Tisch und die drei Herren an einem zweiten Tisch plaziert wurden. Diese Art der Plazierung wurde während der Diskussion mehrfach erwähnt, beispielsweise indem sich Elsbeth Isler mit einer Frage einmal explizit «an die drei Herren am anderen Tisch» wandte.
Ich könnte jetzt noch viele andere Details aufzählen, die mir aufgefallen sind, aber ich überlasse das jetzt mal jedem selbst, sich eine Meinung über diese «Diskussion» zu bilden. (Sendung anhören)
Nur soviel: 7 Gäste + diverse Zuhörer, die ins Studio geschaltet werden + zuviele angesprochene Themen + fehlende klare Linie in der Gesprächsführung, das ergibt ein ziemliches Durcheinander, aber keine wirklich überzeugende Diskussion. Und für ein Gespräch auf gleicher Augenhöhe zwischen den «Experten» und den Betroffenen (die ja an sich in der Sache auch Experten sind) hätten alle wohl nicht nur real sondern auch im übertragenen Sinn «am selben Tisch» sitzen müssen. Dass dies besonders Herrn Bortoluzzi nicht sonderlich geheuer gewesen wäre, war seiner Reaktion auf die Geschichte von Elsbeth Isler zu entnehmen: «Ja das ist natürlich schon so, dass einem Einzelschicksale immer berühren… aber (…)» Und dann gings weiter in gewohnter SVP-Manier. Vielleicht sollte Herrn Bortoluzzi mal jemand erklären, dass es bei der IV-Revision 6a um 17’000 Einzelschicksale geht? Die Zahl will er sich dann wohl lieber nicht vorstellen.