Wenn Populismus über die fachliche Kompetenz siegt

Im Tagi erschien heute ein Interview mit dem Schmerzspezialisten Ralf Pfeiffer, der über seine Erfahrungen mit der IV berichtet.

folgende Aussagen sind interessant:

Werden Ihre Empfehlungen meistens befolgt?
Nein. Das liegt daran, dass die Schmerztherapie in der Schweiz einen sehr geringen Stellenwert besitzt. Das sieht man immer wieder. Es gibt in der Schweiz, im Unterschied zu anderen Ländern, keine entsprechende Fach- arztausbildung. Eine Angestellte der IV hat mir mal geschrieben, ich hätte von psychischen Erkrankungen keine Ahnung, deshalb würde sie auf meinen Bericht gar nicht eingehen.

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Umgekehrt lässt die IV gerne mal Neurologische Problematiken von Internisten (RAD) «beurteilen»…

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Was passiert mit diesen Leuten? Werden sie in den Arbeitsprozess eingegliedert?
In der Regel landen sie in der Sozialhilfe. Ich kann mich an wenige erinnern, die regelmässig einer Arbeit nachgehen konnten. Eine Patientin, die mir gerade einfällt, ist jetzt wieder krankgeschrieben. Sie hatte seit dem negativen Bescheid der IV schon zweimal den Job auf Grund ihrer schmerzbedingten Fehlzeiten verloren.

Wie ist es eigentlich in Deutschland, wo Sie ja auch Schmerzzentren geleitet haben?
In Deutschland werden Schmerzstörungen bei der Beurteilung der Anspruchs-berechtigung einer Invalidenrente stärker berücksichtigt als in der Schweiz.

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Es ist davon auszugehen, dass in Deutschland wahrscheinlich auch haupt-sächlich kompetente Fachleute darüber entscheiden, welche Leiden einen Menschen soweit einschränken, dass er nicht arbeitsfähig ist – und diese Beurteilungen nicht einer populistischen Rechtsaussenpartei überlassen werden wie dies in der Schweiz der Fall ist.