Psychisch Behinderte büssen für jahrelange Fehler der IV

Wer die Studie über die «Invalidisierungen aus psychischen Gründen» selbst gelesen hatte, konnte die dazugehörige Pressemitteilung der IV nur als Hohn bzw. als PR-Glanzleistung des BSV interpretieren, denn darin hiess es unter anderem salbungsvoll, die Stossrichtung der 5. IV-Revision werde durch die Studie bestätigt und die vielen gravierenden Fehler der IV, welche die Studie ebenfalls zu Tage gebracht hatte, liess man elegant unter den Tisch fallen.

Der Beobachter stellt endlich einmal die beachtenswerten Resultate dieser Studie einem breiten Publikum vor und geht dabei mit der IV hart ins Gericht. Unter anderem wird aufgezeigt, dass die IV das übermässige Wachstum bei den IV-Rentern aus psychischen Gründen auch selbst zu verantworten hat: «Bei 40 Prozent der Betroffenen haben die Ärzte zwar berufliche Massnahmen empfohlen, aber nur bei 13 Prozent hat die IV diese auch bewilligt; bei Ausländern sogar nur in drei Prozent der Fälle. Fazit: Die IV selbst hat die hohe Zahl der Rentner mit psychischen Erkrankungen mitverursacht.»

Und weiter:

«Im Klartext heisst das: Früher liess die Invalidenversicherung die psychisch Kranken im Regen stehen, und heute, wo eine Integration fast unmöglich ist, will man ihnen die Rente nehmen.»

Leider stolpert auch der Beobachter über die Komplexität des Themas und illustriert den Artikel mit einer komplett falsch übertitelten Grafik. Aus den in der Studie erhobenen «Vorbelastungen» der IV-RentnerInnen (wie beispielsweise familär psychiatrisch vorbelastete) werden auf einmal Gründe, wieso psychisch Kranke IV bekommen. Dabei stellt die Studie doch gerade fest, dass Renten aus psychischen Gründen aufgrund von Medizinischen bzw. Psychiatrischen Diagnosen verfügt werden. Und eine «familäre Belastung» ist nun mal keine Diagnose – sondern «nur» ein Riskofaktor für eine spätere psychische Erkrankung. Wie ein Kommentar unter dem Beobachterartikel völlig richtig bemerkt: IV-Rente wegen schwerer Kindheit – ein gefundenes Fressen für jeden SVP-Wahlkampfstrategen.

Die Originalgrafik aus der Studie gibt Aufschluss über die wirklichen Gründe für die Berentungen aus psychischen Gründen:

Diagramm - IV aus psychischen Gründen