«Richtige» Arbeit für die Sozialhilfeempfänger, Beschäftigungsprogramme für die Behinderten

Leseprobe aus dem Buch «Sozialfirmen – Plädoyer für eine unternehmerische Arbeitsintegration» von Lynn Blattmann und Daniela Merz (Zürich, 2009)

«Langzeitarbeitslosigkeit verlangt nach anderen Modellen in der Arbeitsintegration als der Bereich der Invaliden oder Schwerbehinderten, wie diese Zielgruppe in Deutschland genannt wird. Während bei den meisten Behinderten die Beschäftigung im Vordergrund steht, ist im Zusammenhang mit Langzeitarbeitslosen die Reintegration in die freie Wirtschaft immer oberstes soziales Ziel. Arbeitsintegrationsmaßnahmen müssen also eine optimale Vorbereitung und ein Training im Hinblick auf eine reguläre Stelle in der freien Wirtschaft bieten.»

Dieses Buch ist nicht etwa 20 Jahre alt, nein, es ist im Dezember 2009 frisch erschienen. Aber offensichtlich hat die Invalidenversicherung (gute) Werbung tatsächlich dringend nötig, wenn es noch nicht einmal bei Fachleuten aus dem Bereich der ja durchaus «artverwandten» Sozialhilfe angekommen ist, dass die IV jetzt eine «Eingliederungsversicherung» sein will. Und dass «die Behinderten» durchaus auch in die freie Wirtschaft integriert werden sollen. Auch die sogenanten «Schwerbehinderten» – denn dieser Begriff bezeichnet in Deutschland mitnichten behinderte Menschen, die nur in einer geschützten Werkstätte einem «Beschäftigungsprogramm» nachgehen können, vielmehr handelt es sich dabei um einen rechtlichen Begriff, der Menschen mit einer erheblichen Behinderung beispielsweise besonderen Schutz und Förderung im Arbeitsleben zusichert. Deutschland kennt sogar eine Quote für Schwerbehinderte.

Zustände also, von denen wir in der Schweiz (noch) meilenweit entfernt sind. Was besonders das obige Zitat aufs Traurigste belegt: für Behinderte reicht ja ein bisschen Beschäftigungsprogramm… Wo leben wir hier eigentlich? Und in welcher Zeit?