Geschäftsmodell à la Köppel

Interview mit Roger Köppel in der Limmattaler Zeitung:

LiZ: Also könnte man zwischendurch ja auch mal aufhören, immer in die Kerbe vom Sozialschmarotzer zu hauen und stattdessen zeigen, dass jemand – dank Sozialprogrammen – aus der Unmündigkeit findet? Köppel: Wir sind ganz dezidierte Kritiker des real existierenden Sozialstaats und seiner Missbräuche. Und da würde ich nie, um diesem Argument die Kraft zu nehmen, eine ganz andere Geschichte hineinflechten.

Alles ausblenden, was möglicherweise nicht ins Welt(woche)bild hineinpasst und der eigenen Publikation dann trotzdem im weiteren Verlauf des Interviews «grösste geistige Bandbreite» attestieren. Das ist irgendwie… lustig geschäftstüchtig. Die meisten Weltwocheleser würden ja glatt ihr Abo kündigen, wenn die nicht ihre wöchentliche Dosis Klientel der Sozialwerke-/Ausländer-/Frauenbashing bekämen und sich dabei auch noch der Überzeugung Illusion hingeben dürfen, ein Blatt mit «grösster geistige Bandbreite» zu lesen.

Geld verdienen auf Kosten der Schwächsten einer Gesellschaft. Nach wie vor ein hervorragendes Geschäftsmodell, Gälled Sie, Herr Köppel?

Und um den «Argumenten» (welche Argumente?) nicht «die Kraft zu nehmen» versuchte sich neulich auch Weltwoche-Redakteur Philipp Gut in einem Videokommentar etwas verkrampft über Miriam Meckels Burnout lustig zu machen. Höhepunkt des niedlichen an einen Primarschulvortrag erinnernden Auftrittes: Und sie schreibt sogar ein Buch darüber, schlägt also Kapital aus einer Lebenskrise. Ungeheuerlich.

Womit verdienen Köppel und Co. nochmal gleich Ihre Brötchen? Mit «intelligenter Provokation» behauptet die Weltwochewerbung.  Ahja. Warum wirkt das Blatt dann wie die schriftgewordene kollektive Midlife Crisis einer ewig gestrigen Männerselbsthilfegruppe?

Ein Gedanke zu „Geschäftsmodell à la Köppel

  1. Ich kann ihren Eindruck nicht teilen. Sie machen der WW den Vorwurf, sich an den Schwächsten zu bereichern. Gleichzeitig ist die WW unter CH-Printmedien die am meisten diffamierte – Ihr Vorwurf fällt auf sie selber zurück. Wer blindlings auf alles einhackt, was aus dem linkslastigen Einheitsbrei ausschert hätte einen wackeren Nazi abgegeben. Tja, Pech für sie: Zur falschen Zeit im falschen Land.

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