Zitate aus dem Wolkenkuckucksheim

Gestern hatte ich mich noch gewundert, weshalb das konservative St. Galler Tagblatt unkommentiert Sätze veröffentlicht wie «Die berühmten Schein-invaliden gibt es nicht (…)» Heute bin ich klüger – der Artikel über das St. Galler Versicherungsgericht war Teil einer Gegenüberstellung. Im zweiten Artikel legt Linus Dermont, seines Zeichens (noch*) Direktor der Sozialversicherungsanstalt St. Gallen seine Meinung dar.

Während das Versicherungsgericht eine Verdoppelung der zu behandelnden IV-Beschwerde-Fälle seit 2000 beobachtet, widerspricht Dermont: «Die Zahl der Beschwerden ist über die letzten Jahre stabil» Dermonts Affinität, gewisse Dinge gerne mal zu seinen eigenen Gunsten zu «interpretieren», ist ja bekannt.* Warum sollte das Versicherungsgericht falsche Zahlen verbreiten? Und weshalb sind in der (gesamtschweizerischen) IV-Statistik die Gerichts-kosten seit 2000 um das sechsfache angestiegen?

Weiter im Text: «Eine Verschärfung der IV-Praxis aufgrund der politischen Diskussion gibt es bei den Durchführungsstellen nicht» Zur Erinnerung: es werden pro Jahr 40% weniger Neurenten gesprochen als noch 2003.

Zum Thema Menschen mit psychischen Erkrankungen und Schmerzstörungen «Ob solche Fälle dann auf dem Arbeitsmarkt bestehen können, hängt primär vom Willen der Betroffenen ab» Klar, und Rollstuhlfahrer benutzen nur Rollstühle, weil sie zu faul zum Laufen sind.

Noch mehr Nonsense im St. Galler Tagblatt

* Gegen Linus Dermont wurde letztes Jahr ein Disziplinarverfahren eröffnet wegen Verdacht auf Vetternwirtschaft (u.a.Wahl seiner Lebenspartnerin in die Geschäftsleitung – mittlerweile rückgängig gemacht), und anderen – auch finanziellen – Unregelmässigkeiten. Dermont enzog sich dem Disziplinar-verfahren durch seine vorzeitige Kündigung.