Schleudertrauma-Kultur

Schon die Einleitung in den Artikel der Berner Zeitung löst leichtes Stirnrunzeln aus: «Weil Schweizer Richter Schleudertrauma-Patienten regelmässig Invalidität attestieren, ist ein Therapeuten- und Juristenmarkt mit Milliardenumsatz entstanden. Jetzt entwirft Bundesrichter Ulrich Meyer eine härtere Praxis.»

Und dann wird zur Beweisführung eine Studie der Unfallversicherungen zitiert.  – Die sogenannte «Studie» des Comité européenne des assurances ist hier als pdf downloadbar – blöd nur, dass sie von 2004 ist und behauptet, dass in der Schweiz auch «nichtobjektivierbare Schäden» für die Versicherungen entschädigungspflichtig seinen. Vielleicht ist das mal so gewesen, trifft aber in der geltenden Rechtssprechung nicht mehr zu (siehe auch Schlussabschnitt des Artikels von gestern) ein Bundesrichter sollte sowas eigentlich wissen.

Und ausserdem würde ich eigentlich gerne in einem Land leben, wo ausschliesslich Ärzte über medizinische Belange entscheiden.

2 Gedanken zu „Schleudertrauma-Kultur

  1. Wenn ich solch ein Land kennen würde, würde ich dorthin gehen. Die Ärzte müssten dort natürlich auf die PatientInnen hören, damit ihre Leidensgeschichten nicht unnötig verschlimmert werden. Das ist wie die Quadratur des Kreises oder die Erfindung des Perpetuum mobile!

  2. Ich habe in der heutigen Sonntagszeitung einen Artikel zum Thema „Schleudertrauma“ gefunden.

    http://www.sonntagszeitung.ch/wissen/artikel-detailseite/?newsid=140359

    Meine Reaktion fällt gemischt aus: Einerseits finde ich es wichtig, dass die PatientInnen auf verschiedenen Ebenen ernst genommen und behandelt werden. – Hatten wir das nicht von letzt an anderer Stelle? Zuhören ist die halbe Medizin.

    Andererseits finde ich, werden gegen Schluss des Artikels Klischees gedroschen: Natürlich die Frauen, die Geschiedenen etc. haben vermehrt Prbleme und das Modewort „psychosozial“ darf auch nicht fehlen.

    Es fällt mir auch bei anderen Studien auf, dass wenn ein Raster geschickt genug angelegt wird, kommt man genau auf die Bevölkerungsgruppen, die man finden wollte, mit den Vor- oder Nachteilen, die man mit der Studie zu belegen sucht.

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