Die Arbeitswelt aus der Sicht eines RAD-Arztes

Ob man wohl als RAD-Arzt beim Einstellungsverfahren einen Patienten vorgeführt bekommt (in diesem Fall einen Mechaniker mit schwerem Asthma, Rückenproblemen und psychiatrischer Symptomatik) und dann als Arbeitsprobe eine Beurteilung über dessen Arbeitsfähigkeit schreiben muss? Oder gibt es dazu interne Fortbildungskurse?

Hier mal wieder eine gutachterliche Meisterleistung:

(…) sei aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 50% für eine körperlich adaptierte Tätigkeit ohne übermässigen Stress und Zeitdruck, ohne Publikumsverkehr, ohne erhöhtes Konfliktaufkommen, ohne Schichtarbeit und mit der Möglichkeit zu unüblichen Pausen anzunehmen. Aus pneumologischer Sicht sei die Ausübung jedweder Mechanikertätigkeit (insbesondere unter Ausschöpfung aller in Frage kommenden Arbeitsschutzmassnahmen) nicht ausgeschlossen. Eine körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit ohne regelmässige Exposition gegenüber höheren Konzentrationen von atemwegs-reizenden Stäuben, Dämpfen und Rauch sowie gegenüber Kälte, Nässe und Zugluft sei zu 80% zumutbar. Ungeeignet seien körperliche Schwerarbeiten mit Heben und Tragen von Gewichten über 30 kg sowie solche mit monotonen Zwangshaltungen der Lendenwirbelsäule. Insgesamt resultiere eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. (IV 2008/430)

Und wie schon früher festgestellt: Falls der Betroffene keine solche Stelle findet, hängt das natürlich nicht mit seiner Behinderung zusammen; er ist dann einfach arbeitslos. Es wichtig und richtig, dass auch Menschen mit eingeschränkter Arbeitsfähigkeit nicht einfach zu 100% berentet werden, sondern wenn irgend-möglich ihre Restarbeitsfähigkeit noch verwerten können. Aber da klafft leider immer häufiger eine grosse Lücke zwischen der von RAD-Ärzten rein theoretisch beschriebenen Stelle und der Wirklichkeit. Mag ja sein, dass die Tätigkeit als ärztlicher Beamter «ohne übermässigen Stress und Zeitdruck, ohne Publikums-verkehr, ohne erhöhtes Konfliktaufkommen, ohne Schichtarbeit und mit der Möglichkeit zu unüblichen Pausen» einhergeht – Draussen in der richtigen Welt, liebe RAD-Ärzte ist das aber leider nicht so. Oder warum war die Stelle als RAD-Arzt eigentlich so erstrebenswert?

Wenn ich mal kurz aus dem Stelleninserat zitieren darf, mit dem die SVA-Zürich nach RAD-Ärzten sucht: «Wir bieten Ihnen einen modernen Arbeitsplatz im Stadtzentrum, grosszügige versicherungsmedizinische Weiterbildungs-möglichkeiten, flexible Arbeitszeiten (keine Pikett- und Wochenenddienste) sowie vorzügliche Sozialleistungen.»

Hach schön. Ganz ohne Staub, Dampf oder Rauchemissionen und garantiert mit Klimaanlage.

49 Gedanken zu „Die Arbeitswelt aus der Sicht eines RAD-Arztes

  1. Wiedermal ein Meisterstück, Mia! ;-)

    Schade, dass die IV mehr oder weniger die selbe rassistische Einstellungspolitik verfolgt, wie die freie Wirtschaft. Sonst könnten wir ja alle diese IV-Beamten einfach durch behinderte Menschen ersetzen. Dann wären deren Renten ja schonmal eingespart.

  2. Nehmen wir einmal an dieser Arzt wäre fähig folgende Stelle zu besetzen:

    –unter Stress und Zeitdruck,
    – mit Publikumsverkehr,
    – im Konflikt mit Krankenschwestern, Patienten und Angehörigen
    – lange Schichten
    – keine Pausen

    Dann würde der Herr im Spital arbeiten oder in einer Hausarztpraxis auf dem Land.

    Was lernen wir daraus? Die IV ist der grösste Anbieter von geschützten Werkstätten in der Schweiz. Wann immer Sie mit einem IV-Angestellten zu tun haben, dann denken Sie bitte daran: Die Person ist geistig und psychisch mehrfach behindert und hat die Stelle wegen dem Lohn und nicht wegen der Aufgabe, die sie dort erfüllt.

    Wenn Sie also mit der IV-Stelle in Ihrer Nähe telefonieren, dann seien Sie bereit, alles fünfmal zu erklären, sämtliche Akten achtmal zu erwähnen. Wappnen Sie sich mit stählernen Nerven und wiederholen Sie dasselbe Gespräch im Verlauf von dire Monaten mindestens sechsmal.

  3. @Jürg: Im grossen Ganzen kann ich Ihnen zustimmen, aber in einem Punkt muss ich widersprechen: Sie verwechseln hier Ignoranz, Desinteresse, Respektlosigkeit und Denkfaulheit der IV-Beamten mit einer psychischen und geistigen Behinderung.

    Dagegen wehre ich mich entschieden! Wir behinderten Menschen mögen körperlich, psychisch oder auch geistig eingeschränkt sein, doch die Mehrheit von uns hat auf menschlicher Ebene bedeutend mehr auf dem Kasten, als dieses Beamten-Pack!

  4. @David Siems

    Ehemm, „Dummheit“ ist das Kurzwort für Ihre Charakterisierung.

    In jedem Fall bleibe ich dabei, dass ignorante, desinteressierte, respektlose, denkfaule Menschen in der Privatwirtschaft unbrauchbar sind und dass unser IV-Beamtenapparat eine grosse geschützte Werkstatt für unbrauchbare, unfähige ist.

    Ich frage diese Leute jeweilen, ob sie eigentlich ihr Hirn nach Feierabend wieder einschalten. Eine andere beliebte Frage am Telefon benutze ich vormittags: Trinkt man in Eurem Betrieb um 9.00 noch Orangensaft oder seid Ihr schon beim Whisky angekommen?

  5. Sie können es nennen, wie Sie es wollen. Jedenfalls finde ich es uns gegenüber beleidigend, wenn „behindert“ als Schimpfwort verwendet wird.

    Letztendlich ist Behinderung nämlich das genaue Gegenteil von der beschriebenen Verhaltensweise: Wir müssen oft über unsere Grenzen hinauswachsen, um bestimmte Dinge bewältigen zu können. Wir leisten also mehr, als ein „normaler“ Mensch, um ein Ziel zu erreichen. Die Beamten dagegen hätten die Voraussetzungen, ihren Job gut zu machen, haben aber schlicht keine Lust dazu.

  6. Nein, die Beamten sind weder dumm noch «behindert», die machen einfach ihren Job. Und was ihr Job ist, das definiert die IV und was die Aufgabe der IV ist, das definiert die Politik. Um es noch etwas genauer zu sagen: die bürgerlichen Politiker. Die machen aufgrund ihrer Mehrheit im Parlament die Ansagen, was bei der IV zu laufen hat. Die IV-Beamten sind einfach nur die Ausführenden.

    @ Jürg, Wenn Sie sich hier weiterhin abschätzig über andere Behinderungsarten (psychisch behindert = dumm) oder Ausländer äussern, dann sperre/lösche ich Ihre Kommentare. Wer mit seiner Einschränkung/Behinderung respektiert werden möchte, soll diesen Respekt bitte auch anderen Menschen entgegenbringen. Ich dulde es in meinem Blog nicht, dass hier die eine gegen die andere Behinderungsart ausgespielt wird oder Ausländer pauschal verunglimpft werden.

    • Oh je, Mia

      Wenn die Welt doch so einfach wäre und ein paar Parteibonzen befehlen würden, was in der Schweiz zu passieren hätte, dann würde man das den real existierenden Sozialismus nennen.

      Die Frage ist, wollen Sie einfach schimpfen in diesem Blog? Oder wollen Sie schimpfen und auch noch etwas ändern an den Zuständen?

      Für den Schriftsatz eines IV-Arztes ist zuallererst der schreibende IV-Arzt zuständig. Wenn ein IV-Arzt also lügt und wenn eine IV-Stelle getürkte Gutachten besorgt, dann ist der lügende IV-Arzt für seine Lügen verantwortlich.

      Faule und dumme IV-Angestellte müssen a) entweder ausgewechselt oder b) fachlich brauchbar ausgebildet werden. Das ist eine realistische Forderung, die man an die IV-Stelle richten kann. An die IV-Stelle können Sie nicht die Forderung stellen, vom Volk gewählte Politiker auszuwechseln.

      In meinem eigenen Blog geht es um das Schimpfen und darum, wie die Regeln geändert werden. Sehen Sie sich um. Mein persönlicher Erfolg gibt mir bei aller Unbescheidenheit recht.

  7. Ich habe mir diesen Gerichtsentscheid durchgelesen. Ist so ein kleiner verkappter Morphinist, dieser Mann, und mit dem schweren Asthma rauchen wie ein Bürstenbinder, dann Panikattacken schieben und dann das Ventolin übertreiben, bis einem der Rest umsteht – hört mal, so ganz sauber ist das also nicht. Mit Behinderung hat das eh nicht viel zu tun. Wer sich mit Asthma solche Opiatpflaster montiert, hat sie auch einfach nicht alle, das kommt vor allem mal als Aggravation daher. Ich weiss, wie das ist, Rauchen, Asthma und chronische Bronchitis, da wird man bei einem akuten Anfall blau im Gesicht und erstickt fast, völlig klar ist das nicht so lustig. Da wacht dann die Nachbarschaft nachts auf, der Kollege im Büro bekommt selber fast eine Herzkirsche. Klar, da geht was. Aber ich wäre NIE auf die Idee gekommen, da was für die IV draus zu kochen. Rauchen aufhören, und die Lungengesundheit mit dem richtigen Lifestyle aufpeppen, so einfach geht das. Diese Instanzen haben sich jetzt da seitenweise, schaut Euch das Zeug doch mal durch, die Finger wund getippt zu einer Sache, die in einem Satz gesagt ist. FERTIG MIT SCHLOTEN, RAUS UND ARBEIT SUCHEN. So ein IV-Antrag ist doch eine absolute Frechheit. Schon dass sie ihm da bei Eingliederung helfen wollen ist viel zu nett. Aber das ist ja hier nicht der richtige Ort für sowas… also komme ich zum Schluss, dass wenn Ihr alle der einstimmigen Meinung seid, diese RAD-Ärzte machen ohnehin nichts sinnvolles und haben auch keine „Lust“, dass man diese Fragen ganz pragmatisch lösen sollte. Diese Beamtenstellen zusammenstreichen, das Geld einsparen, und alle, die rauchen, bekommen eh und sowieso keine Rente, Punkt. Das sollte differenziert genug sein :)

    • @turander
      Danke für diese interessante Zusammenfassung.
      Ich bin einverstanden. Von einem Raucher mit Asthmaproblemen kann man erwarten, dass er mit dem Rauche aufhört. Meinetwegen kann ihm die Krankenkasse die Entwöhnung zahlen.

  8. Hallo? Sein Problem ist nicht in erster Linie das Asthma (was auch keiner behauptet) sondern die Angsterkrankung, die er aufgrund der Asthmaanfälle entwickelt hat.

    Wenn die RAD-Ärztin schreibt: «Dem Beschwerdeführer könne zugemutet werden, auf den schädlichen Substanzgebrauch zu verzichten. Er habe offensichtlich eine gute Intelligenz und sollte in der Lage sein, eine Hyperventilation von einem Asthma-Anfall zu unterscheiden und adäquat darauf zu reagieren.»

    Dannn zeigt sie vor allem eins: dass sie null Ahnung hat, von einer psychischen Erkrankung. Wenn intelligente Leute keine psychischen Erkrankungen bekommen würden, weil sie ja so „intelligent“ sind, könnten die meisten Psychiater ihre Praxen zu machen. Eine Psychische Erkrankung hat mit Intellgenz einfach überhaupt gar nichts zu tun.

    Und noch was @ Turander, was ich oben schon zu Jörg gesagt habe: ich versteh nicht, wie man, wenn man selbst eine Behinderung hat, anderen Behinderungsarten gegenüber so unfassbar ignorant und abwertend sein kann.
    Wenn ihr wollt, dass man euch respektiert, dann respektiert auch die andern, deren Problematiken anderswo liegen als eure eigenen. Ansonsten seid ihr keinen Deut besser als all die „Nichtbehinderten“, über die ihr euch immer beklagt, und die sich gegenüber Behinderten ja sooo verständnislos und ignorant zeigten.

    • @Mia
      Pardon, aber solche Angstattacken kann man behandeln.

      Offensichtlich bedingt das eine das andere. Einer in dieser Situation, müsste mit dem Rauchen aufzuhören, um das Asthma behandeln zu können, damit die Angstattacken behandelt werden können. Wenn er sich weigert, dann excusez-moi!

      Ich kenne den Patienten nicht und seinen Alltag auch nicht. Wenn ich an einen Menschen heranlaufe, der offensichtlich leidet, dann helfe ich ihm so gut ich kann. Verständnislos bin ich nicht. Aber dann will ich auch als Privatperson genauso wissen, was der für sich selber unternimmt.

  9. Wer sagt denn, dass ich in den Augen von Leuten, die derartige Dinge schreiben, „einen Deut besser“ sein soll? Da adelt mich doch die Abwertung, so siehts doch da aus! Wo kommt denn dieses Vorurteil auf einmal her? Bezahlt mir denn die IV die Hilfsmittel denn aus purem Spass, oder damit ich damit arbeiten gehe? Was denkst Du denn!? Das ist hier doch keine Wohlfühlgesellschaft! Wird mir hier nicht zugestanden, dass ich diese im Gerichtsurteil klar nachlesbare Verquickung von Fehlverhalten und Folgen davon auf meine Weise interpretiere? Seit wann macht aus mir eine Behinderung, die mich notabene durchaus fordert und auch überfordert, zu einer augen- und hirnlosen Person, die auf einmal alles toll findet, was man gerade noch berenten könnte? Was ist denn hier los? Eine echte Frechheit ist das doch, wirklich. Fehlt einem ein Körperteil, wird einem auch der Verstand abgesprochen, sowas ist das Hinterletzte. Da reisst man sich wirklich alles auf, was geht, steht seinen Mann, fordert das auch von anderen und dann sowas!? Ja, wie gesagt, auf diesem Level der Differenzierung bekommen alle, die rauchen, eh keine Rente und der RAD wird abgeschafft ;)

  10. @ Jürg,
    Ich schreibe in meinem Blog, was und wie ich will und Sie schreiben, was sie wollen in Ihrem Blog. Ich bin gerne bereit, über Sachthemen zu diskutieren – aber wie und zu welchem Zweck ich meinen Blog zu schreiben habe, dürfen Sie ruhig meine Sorge sein lassen.

    Im Übrigen ist Medikamenten- sowie Nikotinmissbrauch eine typische Bewältigungstrategie von Menschen mit psychischen Problemen. Wenn der Mann aufhört zu Rauchen und seine Medikamente zu nehmen, wird er massive Enzugserscheinungen haben und deshalb noch stärkere Ängste. Deshalb tut er es nicht. Auch wenn es selbstverständlich vernünftiger wäre. Gibt man ihm zur Unterstützung des Entzugs Beruhigungstabletten hat er nachher bei seiner Veranlagung ebenfalls ein Suchtproblem. Einfach ein anderes. Die Sache ist nicht unlösbar, aber so einfach wie Sie das darstellen ist es nicht.
    Und der entscheidende Punkt in diesem Fall ist im übrigen nicht die Rentenfrage, sondern dass die IV die Integrationsmassnahmen abgebrochen hat, weil man offensichtlich bei der IV nach wie vor nicht fähig ist, Menschen mit psychischen Problemen adäquat zu begleiten. Darum gehts in dem ganzen Prozess; Zitat: «Sowohl der behandelnde Psychiater als auch der Hausarzt haben jedoch mehrfach darauf hingewiesen, dass nach ihrer Einschätzung wieder eine volle Arbeitsfähigkeit erreicht werden könnte, wenn der Beschwerdeführer bei der Wiedereingliederung tatsächlich in geeigneter Weise unterstützt und begleitet werde. Werde jedoch darauf verzichtet, drohe eine weitere Verschlechterung des Gesundheitszustandes»

    Die IV stellt sich jedoch bei psychischen Problemen oftmals auf den Standpunkt, dass der Betroffene zuerst vollkommen «gesund» werden müsse – dann könnte man ihn auch eingliedern. So funktioniert das aber nicht. Wäre er vollkommen gesund, wäre er ja gar nicht bei der IV gelandet. Genesung bzw. Verbesserung des Gesundheitszustandes ist ein Prozess mit Vor- und Rückschritten – und eine angemessene berufliche Eingliederung unterstützt diesen Prozess.
    Genau so wie der psychisch Kranke nicht beim ersten Problem aufgeben kann, kann das auch die IV nicht. Es gehört zur Arbeit mit psychisch Kranken dazu, anzuerkennen, dass sie anders reagieren als «normale» deshalb sind sie ja krank.

    Die IV (und dieses Beispiel hier ist ein Paradebeispiel) hat bisher einfach keine funktionierenden Konzepte für psychisch Kranke.

  11. @Mia

    Selbstverständlich schreiben Sie was Sie wollen.

    Nachdem Sie das korrekt bemerken haben, bestätigen Sie mit Ihren übrigen Ausführungen meine eigenen Feststellungen:

    Es fehlt der IV am notwendigen geschulten Personal um den gesetzlichen Auftrag zu erfüllen. Der Auftrag lautet auf Wiedereingliederung. Die IV weigert sich, diesen Auftrag zu erfüllen und dann kommen die Richter daher und decken diesen Schindluder.

    Ist jetzt die SVP schuld, weil bei der IV-Stelle unfähige Trottel arbieten?

    Die andere Frage ist, wer die von Ihnen angeregte Begleitung zuständig ist: Die IV? Die Krankenkasse? Die Kumpels des Kranken?

  12. Ich bin einverstanden, Mia, die IV hat kein allzu ausgereift aussehendes Konzept über den Umgang mit gewissen psychischen Krankheiten. Und das ist erstmal ein Problem. Damit steht die IV aber keineswegs alleine da, überhaupt fehlt ein Konzept im Umgang mit psychischen Krankheiten in unserer Gesellschaft, weswegen ja auch gewisse Betroffene zu Stellen oder aus Freundschaften herausfallen. Und besonders fehlen Konzepte im Umgang gerade im IV-relevanten Bereich ausgeprägter Persönlichkeitsstörungen nicht nur bei Versicherungen sondern auch in der Medizin, die dazu teils kaum taugliche Diagnostik und noch weniger taugliche Therapien hat. Die Betroffenen sitzen also erst mal tief in der Patsche. Weswegen sich aber schon auch fragt, ob derlei denn überhaupt in den Bereich von IV und Medizin gehört. Denn gerade bei Persönlichkeitsstörungen ist es letztlich wurst, was jemand (im Sinne einer „genauen Bezeichnung“) an Diagnose oder Titel, an ICD-Code oder an Untergruppe genau hat, solange sie/er pünktlich zur Arbeit kommt, dort das tut was sie/er tun soll. Und dass die meisten der Betroffenen dazu eben doch bestens in der Lage sind, wenn sie nur wollen, sieht man dann, wenn man sie zu Gerichtsterminen usw. aufbietet – da stehen sie frisch poliert pünktlich da. Es ist dann ein mühsames Hinschleifen, bis die/der Betroffene sich selbst genügend kneift, aber ohne das gehts nicht. Den IV-Beamten kommt es dann zu, diese Arbeit bei zumeist erwachsenen Betroffenen 1:1 durchzuziehen, und das stelle ich mir nicht lustig vor. Man kennt so diese oder jenen Bekannten in solchen Situationen, und, oh je. Mit denen will keiner wirklich zusammenarbeiten, gar keine Frage. Und dennoch weiss man, es ginge eben doch. Disziplin und hartes Durchgreifen bei sich selbst sind eben einfach eine ganz wichtige Sache – dass das aber keiner mehr gerne sagt, und sich noch weniger durchzusetzen traut, ist mir absolut klar – man wird nicht nur hier deswegen angepflaumt, auch sonst wird lieber schöngeredet und dann abgeschoben. Bei der Mutmassung, dass die IV sich aber um Persönlichkeitsgestörte nicht richtig kümmere, handelt es sich meiner Ansicht nach keinesfalls um eine Realität. Sondern um eine Begehrlichkeit. Und so etwas sollte man Tür und Tor nie und nimmer öffnen. Vielmehr sind das ganz haarige widerliche schwierige und mühsame Situationen, die da entstehen, für die sich die Lösungen ebenfalls haarig, widerlich, schwierig und mühsam anfühlen.

  13. Turander meint wohl Persönlichkeitsstörungen. Ich zitiere mal aus der Studie zu den Invalidisierungen aus psychischen Gründen (Baer et al, 2009):
    «Persönlichkeitsstörungen sind unflexible und andauernde unangepasste Verhaltensmuster, die mit einer sehr hohen funktionellen Belastung und diversen Beeinträchtigungen verbunden sind. Dass sie von Laien oft nicht als Störungen erkannt werden, bedeutet nicht, dass sie schwer objektivierbar oder in Bezug auf die Arbeitsbeeinträchtigungen vernachlässigbar wären.»
    Zum Rest später.

  14. @Mia

    Vielleicht zäumen Sie auch einfach das Pferd vom Schwanz her auf: Die IV ist nicht der Abfallkübel für die Fürsorgebehörden und für die Arbeitslosenkasse. Zu lange wurden Ausgesteuerte in die IV abgeschoben und für krank erklärt.

    Psychiatrische Diagnosen kommen halt auffällig oft bei den immer gleichen Einwandererpopulationen vor, bei den zufällig auch eine grosse Zahl anderer Probleme hervorstechen: Integrationsverweigerung im Alltag, gewalttätiger Nachwuchs in der Schule und im Ausgang und halt eben die gezielte Einwanderung mit der zum vorneherein geplanten Absicht, unsere Sozialwerke zu plündern.

    Die unnötigen Kosten werden nicht einfach von irgendwelchen Menschen verursacht, die in dieser modernen Arbeitswelt den Anschluss nicht finden.

    Ausländer, die sich hier nicht einpassen können und nicht einpassen wollen sollten ganz einfach nicht in die Schweiz einwandern dürfen. Dann hätten wir uns diese leidige Diskussion von anfang an erspart.

  15. @ Jürg
    Die Quote der psychischen IV-Fälle ist bei den Schweizern höher als bei den Leuten aus Ex-Jugoslawien.

    Abfallkübel ist genau der richtige Ausdruck. Man sucht jetzt einfach nach dem günstigsten Abfallkübel für diese Menschen, die zwar nicht komplett arbeitsunfähig sind (das wird ihnen ja auch immer zum Vorwurf gemacht) aber eben zu wenig fit für die freie Wirtschaft.
    Und das trifft auch viele Schweizer, die trotz schwerwiegender Erkrankung um ihre IV, Pensionskasse die Lebensversicherung und ihr Erspartes betrogen werden.

  16. @ Jürg
    Ich habe es schon gestern im anderen Kommentar geschrieben, wo ich auf die Statistik von Baer verweise, wonach Unternehmen gegenüber potentiellen Mitarbeitern mit psychischen Erkrankungen grosse Vorbehalte haben: Die SVP hat mit ihrer Scheininvalidenkampagne Menschen mit unsichtbaren Behinderungen über Jahre hinweg pauschal als Sozialschmarotzer stigmatisiert.

    Die SVP hat NICHT gesagt: wir haben hier ein Eingliederungsproblem, wir brauchen bessere Unterstützung und Aufklärung insbesondere bei den psychischen Problematiken. Die SVP hat gesagt: Menschen mit unsichtbaren Behinderungen sind Scheininvalide, die nicht arbeiten wollen.

    Niemals hat die SVP thematisiert, dass es für Arbeitgeber eben auch sehr anspruchsvoll ist, solche Menschen anzustellen. Denn für ein für beide Seiten befriedigendes Arbeitsverhältnis braucht es nicht nur einen arbeitswilligen Arbeitnehmer, sondern ebenso einen willigen Arbeitgeber. Und es ist nun mal eine Tatsache, dass sich die Anforderungen in der Arbeitswelt in den letzten Jahrzehnten sehr stark verändert haben. Früher war es zum Beispiel auch für Menschen mit leichten geistigen Behinderungen noch teilweise möglich, einen Arbeitsplatz in der freien Wirtschaft zu finden. Sowas ist heute praktisch undenkbar.

    Und genau so sieht es aus, für Menschen die aus anderen Gründen, etwas «speziell» sind. Es gibt heute nicht mehr psychisch Kranke als früher, sie wollen auch nicht grundsätzlich weniger arbeiten. Die Arbeitswelt hat schlichtweg keinen Platz für Menschen, die in ihrer Arbeitsleistung nicht konstant und im Umgang sicher nicht immer ganz einfach sind.
    Diese Schwierigkeiten hängen aber auch – und deshalb kritisiere ich in diesem Punkt die SVP so vehement – entscheidend mit dem durch diese Partei vermittelten Bild zusammen; dass Psychisch Kranke eben einfach nicht arbeiten wollen würden – das psychische Krankheit nicht existent sondern einfach ein Charakterfehler/Faulheit/Bequemlichkeit sei.
    Dabei ist gerade das was nach Aussen hin oftmals als fehlende Motivation erscheint, eben gerade ein typisches Symptom vieler psychischer Erkrankungen. Durch die von der SVP propagierte – und mittlerweile auch durch die IV-Stellen verschärfte Anwendung von Zwang lässt sich diese Problem nicht lösen. Das ist, wie wenn man versuchen würde, einem Blinden mittels Zwang das Sehen beizubringen. Komplett unsinnig.

    Eine erfolgversprechende Eingliederung sollte in enger partnerschaftlicher Zusammenarbeit zwischen betreuendem Arzt (oder der Psychiatrischen Klinik), dem Betroffenen, der IV-Stelle und dem Arbeitgeber stattfinden. Die Aufklärung des (potentiellen) Arbeitgebers und der Arbeitskollegen über die Erkrankung des Einzugliedernden ist dabei von enormer Wichtigkeit.

    Ansonsten endet die ganze Übung für beide Seiten (Arbeitnehmer wie Arbeitgeber) schnell und höchst unbefriedigend.

    Und dass in diesem Bereich noch eine Menge falscher Vorurteile zu beseitigen sind, zeigt Turander in seinem Kommentar auf eindrückliche Weise.

  17. Reality Check; gibt es denn das überhaupt, dieses „funktionierende Konzept“, hat das denn nur die IV nicht, aber der Rest der Gesellschaft steigt da schon durch? Wie sieht es denn exakt aus, dieses Konzept? Wenn es doch so gut ist, warum weiss die Öffentlichkeit von diesem Konzept denn nicht? Da existieren tatsächlich einige Vorurteile, und eins davon ist, dass jeder, der die Hand wegen einer Rente aufmacht, das auch tun darf. Ich bin der Ansicht, dass die IV in der oben genannten Geschichte völlig zu recht sagt, dass da erstmal die Eingliederungsmassnahmen auszuschöpfen sind. Abgesehen davon sollte man Grundproblem und Kollateralschaden nicht verwechseln. Gerade bei gewissen psychischen Störungen ginge das sehr oft noch so einigermassen, wenn da die lieben Kolleginnen und Kollegen bei der Arbeit sachlich und korrekt blieben. Tun sie aber nicht. Dann stellt sich sekundär und als Kollateralschaden ein Unwille, Unwirschheit, eine Enttäuschung, Demotivierung, irgendwann eine Depression (wenn die betroffene Person nicht eh schon eine hat) ein, dann stellt sich die oder der selber auch mal unnötigerweise quer, und dann gehts los, Mobbingvorwürfe, dann wird die/der Kranke bei der Arbeit auch mal aggressiv oder ausfällig, und dann kommt es zu einer Verbackung von Diagnose und sozialer Problematik, die eben mühsam und schwierig ist. Nach meiner Ansicht ist das Patentrezept nicht auf dem Tisch, aber wir lassen uns gerne aufklären, was das „funktionierende Konzept“ denn jetzt nun ist.

  18. Es gibt übrigens eine ganze Reihe von Gesundheitsstörungen, die schlicht zu schlimm sein können, sie unbehandelt zu ertragen, aber keinesfalls stets gleich immer nur sofort auch den Rentenanspruch begründen. Es gibt also eine ganze Reihe von Dingen, bei denen ist es das primäre Interesse der/s Betroffenen, das auf die Reihe zu kriegen. Eine ganze Menge davon gibt es. Neurodermitis, Asthma, wenn einem ein Körperteil fehlt, Migräne, Nikotinabhängigkeit, Alkoholabhängigkeit, Hüftprobleme wegen Arthrose, … die Liste ist lang. Wieso ist des denn nun so, dass es anerkannt ist, dass sich die/der Betroffene um eine riesige Liste von Dingen selbst kümmert – aber wenns um die psychischen Starrheiten oder Inflexibilitäten geht, ist auf einmal der Gang zur IV (statt zum Psychiater) angesagt? Wieso ist es dann auf einmal akzeptiert, wenn einer nicht das tut, was ihm der Arzt empfiehlt? Immerhin unterscheiden wir noch übungshalber ganz plakativ mal zwischen Patient (der im Behandlungsplan mitmacht) und Sünder (der jeden guten Rat verwirft) – und kommen dann sicher einmal drauf, dass generell erstmal NICHT jeder es verdient, dass man ihm Unterhalt einfach so bezahlt.

  19. Ich habe kein «garantiert funktionierendes Konzept» – eine gelungene berufliche Integration hängt immer von sovielen unterschiedlichen Faktoren ab, dazu gibt es keine allgemeingültige Lösung. Und ja, es gibt sicher auch viele Fälle, wo eine Integration aus verschiedensten Gründen nicht möglich ist. (Und die liegen nicht ausschliesslich auf Seiten der Betroffenen).

    Aber ich bin der Überzeugung, dass der Ansatz »jetzt schauen wir mal, was der Behinderte NOCH kann» komplett falsch ist, wenn das Ziel sein soll, jemanden in die freie Marktwirtschaft zu integrieren. Die freie Marktwirtschaft wartet nicht auf Menschen, die irgendetwas «noch so ein bisschen können». Oder die ihre ganze Kräfte darauf verwenden müssen, möglichst «normal» zu funktionieren. Das ist ökonomischer Unsinn. Resourcenverschwendung.

    Das Augenmerk sollte darauf liegen: was tut jemand GERNE und was kann jemand besonders GUT. Man kann das zwar leugnen, aber effektiv ist es so, dass jemand mit Behinderung diese Be-Hinderung anderswo wettmachen muss, will er gegen andere «Gesunde» im freien Markt bestehen. Er muss irgendetwas besonders gut können und meist ist man in dem gut, was man gerne tut. Oder man tut etwas gerne, weil man es gut kann.
    Und fähigen, motivierten und gutgelaunten Mitarbeitern sieht man viel eher auch mal etwas nach, das sie nicht so gut können – weil sie insgesamt einen Gewinn und eine Bereicherung für ein Team darstellen.

    Im Idealfall findet man selbst heraus, wo die eigenen Stärken liegen – aber möglicherweise gibt es auch Menschen die dabei Unterstützung brauchen. Ich denke aber, da müsste die IV noch ein ganzes Stück unkonventioneller und um die Ecken denken lernen. Ziel kann es nicht sein, die Leute «irgendwie» zu integrieren, sondern so, dass sie einen Platz finden, an dem sie nicht geduldet, sondern ihre Fähigkeiten gebraucht und geschätzt werden.

    Eigenverantwortung bedeutet aus meiner Sicht nicht nur finanzielle Unabhängigkeit, sondern auch, herauszufinden, wo man mit seinem Fähigkeiten am besten aufgehoben ist, um ein eingermassen zufriedenes Leben zu führen, damit man anderen Menschen nicht ständig verbittert die eigene Lebensunzufriedenheit vorhält. In ihrem Job & Leben zufriedene Menschen schauen auch nicht voller Hass auf jene, die nicht arbeiten (können/dürfen/wollen), sondern wären unglücklich, wenn sie nicht das tun dürften, was sie gerne tun.

    Denk mal drüber nach Turander.

  20. Ich finde die Geschichte zeigt klar, wie eine anfänglich noch einigermassen überschaubare medizinische Situation ausufert.

    Ich denke, wenn ich all die Kommentare die bisher geschrieben wurden lese, dass es schwierig ist der Frage zu entrinnen: „Wie würde ich es machen?“

    Es ist wichtig zu bedenken, dass jeder Mensch anders ist, einen anderen Antrieb hat, eine andere Möglichkeit „Dinge durchzuziehen“, an anderen Punkten scheitert, andere Ängste entwickelt.

    Medizinisch interessant finde ich, dass kein(e) MedizinerIn diesem Mechaniker seine Substanzen aus der Hand nimmt. – Ursprünglich hatte er nicht generalisierte Ängste. Aber offensichtlich hat während all der medizinischen Behandlung eine Verschlimmbesserung stattgefunden. Sicher hat da auch die Perspektivenlosigkeit das ihrige dazu beigetragen. – So wird heute Geld gespart: Von einem Ort zum andern wird ein Problem geschoben, bis es dann so gross ist, dass es endgültig bei der IV landet und sie in Pflicht genommen werden kann.

  21. Sicher, und damit redest Du über wundersame Leute, die Programme mitmachen können, die Stärken haben und mit denen eine IV etwas tun kann. Das gibts überall, das ist auch gut so. Das sind aber nicht die Leute, um die es hier geht. Hier geht es um diejenigen mühsamen Personen, die blockieren, die sich hinsetzen und ziehen lassen, die teils behindert sein mögen, aber teils einfach selbst behindern. Um die geht es. Und wenn wir alle in die IV einzahlen, dürfen wir da alle mitkommentieren :) Was auch immer Du da für Einteilungen für Dich selbst vornimmst, wo Du jetzt Hass unterschieben willst, und wem Du jetzt Kommentare zugestehen willst oder nicht, das ist da doch absolut sekundär, oder? Denk da einmal ein bisschen darüber nach, Mia.

  22. @Christophorus – Ja eben. Irgendjemand muss diesem Mann einmal die unbequeme Nachricht verklickern dass es SO NICHT WEITERGEHT. Wenn ein Asthmatiker, der stündlich Ventolin nimmt, Buprenorphin-Pflaster aufklebt und kettenraucht, also, das geht direkt in die Hose so. Dass da nachher Asthmaanfälle auftreten, dass es dem Teufel darob graust, wundert mich gar nicht. Ich hatte selbst teils schwere Asthmaanfälle zu Zeiten, als ich nicht auf genügende Trinkmengen usw. achtete, und das ist – selbst wenn man selbst nicht so zur Panik neigt – wenigstens für andere psychischer Stress pur. Und es ist körperlich unglaublich anstrengend. Offenbar steht aber dieses Thema im Zentrum und im Kern. – Da fällt uns ja der Nachrichtensprecher Leon Huber ein, der sich darüber beklagt haben soll, dass ihm bis zuletzt nie ein Arzt über die Folgen des Kettenrauchens informiert habe. Aber diese Situation steht und fällt damit, dass da jemand mit dem Betroffenen die Frage des Unbequemen, der Änderung, anspricht und zwar mit dem klaren Ziel, dass er dadurch wieder arbeiten gehen kann. Und dass das Ansprechen des Unbequemen auch hier nicht geht, zeigt der Dialog mit Mia ganz klar – sie will auch nichts sagen zur Frage, was die IV mit grundsätzlich starren Persönlichkeiten ohne Flexibilität, mit unwilligen blockierenden Individuen ohne Interesse an der Zusammenarbeit, tun soll. Klar, um diese Frage muss man sich drücken, denn es ist die Gretchenfrage! Stattdessen wird von sonnen beschienenen Blumengärten erzählt, von der Motivation und wie wir alle doch etwas finden sollen, das wir gerne tun. Exakt so wird auch auf diesen Amtsstellen und in diesen Arztpraxen, auf den Gerichten und in den Berufsberatungen stets haarscharf aneinander vorbei geredet.

  23. Ich finde es immer wichtig, Begriffe zu definieren. Ich habe mich mit Sucht und Invalidität rumgeschlagen und bin auf folgende Site und Definition gestossen, die in der Schweiz soweit ich weiss verbindlich ist.

    http://www.infoset.ch/f/textes/invalidite/19980630_rapport_syntheseAl.PDF

    Gemäss IVG gilt als Invalidität die durch einen körperlichen oder geistigen Gesundheitsschaden
    als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall verursachte, voraussichtlich
    bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit. Gemäss WHO und auch gemäss
    EVG hat Sucht Krankheitswert. Die geltende Rechtsprechung des EVG schliesst jedoch
    grundsätzlich aus, dass Sucht per se eine Invalidität begründen kann.
    Es geht nicht darum, jede drogenkonsumierende Person zu invalidisieren. Es gilt jedoch zu
    prüfen, ob nicht Menschen, die wegen ihrer Suchtmittelabhängigkeit eine längerdauerende
    Erwerbseinschränkung aufweisen, aufgrund theoretischer Überlegungen zu Unrecht von
    Leistungen der Invalidenversicherung ausgeschlossen werden. Dieser Ausschluss wiederum
    wirkt sich auf ganze Institutionen im Suchthilfebereich aus, da diese nur dann kollektive Leistungen
    von der IV erhalten, wenn mindestens 50% ihrer Bewohner und Bewohnerinnen die
    Kriterien des Art. 4 IVG erfüllen.

  24. Grenzen

    Wo sind die Grenzen? Wo muss eine Gesellschaft sagen, dass hier Schluss ist. Gerade im Zusammenhang mit Sucht frage ich mich das seit Jahren wieder und wieder: Weiche Drogen können bei Menschen zu Schizophrenie führen. Natürlich wird behauptet der Weg sei umgekehrt. Trotzdem: Eine Krankheit, die nicht mit voller Wucht ausbricht ist nicht das Gleiche: eine schlummernde Schizophrenie ist etwas anderes, als ein Mensch, der seine Schizophrenie ertragen muss und nicht mehr zurück kann. Es mag dann im vertrauten Kreis lustig klingen, wenn einer aufs Bundeshaus klettert, um die Schweiz zu retten und ins Gefängnis geworfen wird. Aber genau genommen, ist es traurig.
    Wenn Kinder schon trinken und man weiss, dass je jünger ein Mensch ist, desto grösser ist die Gefahr, dass er süchtig wird, stellt sich mir wieder die Frage.
    Wenn FreizeitsportlerInnen auf unmöglichste Art ihre Gesundheit riskirien: Da war doch dieser fliegende Mann, ein Könner seines Fachs, der Felswänden entlangsegelte und am Schluss beim Sprung von einem Hochhaus den Tod fand. – Die Allgemeinheit soll bitteschön bezahlen.
    Wenn Mediziner ein Frühchen über die Runden bringen, weil sie an die Wissenschaft denken und nicht an das behinderte Leben, dass dieses Geschöpf wird ertragen müssen. – Zum Glück gibt es hierfür wenigstens in der Schweiz eine Regelung, dass vor Schwangerschaftswoche X nichts getan wird.
    Da ist diese Frau, die ein Kind mit Trisonomie 21 bekommt und wider besseres Wissen ein zweites Kind will und die IV soll bitteschön bezahlen.
    Es gibt viele ethische Fragen im Zusammenhang mit Versicherungen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir denen nicht gewachsen sind und als Menschen zu Extremlösungen neigen: Wie war es doch in Paraguay bei den Indianern: Dort fand sich kein einziger, behinderter Mensch. Ich konnte mir eine solch gesunde Gesellschaft nicht vorstellen. Also habe ich gefragt, wie das komme. Die Antwort wurde mir gegeben. Hinterher war ich mir nicht mehr sicher, ob ich es so genau wissen wollte. – Mich gäbe es heute unter diesen Umständen zu 100% Sicherheit nicht mehr!

  25. @Christophorus

    Ich sehe zwei Fragen. Die eine ist nach dem Umgang mit Süchtigen. Die Kosten ja so oder so und auf alle denkbaren Arten. In dem Fall würde ich den Süchtigen einsperren und zwangsentwöhnen. Das müsste eher nicht die IV bezahlen sondern die Krankenkasse.

    Dann wäre die Frage nach der Prävention. Wir können kaum den Menschen befehlen, gesund zu leben. Sie leben halt wie sie leben.

    Bei der Trisomie 21 bin ich nicht sicher worauf sie hinauswollen. Da liegt vermutlich ein Irrtum vor.

    Es gibt ein bestimmtes statistisches Risiko, dass ein Kind mit dieser Behinderung zur Welt kommt. Es ist ungefähr ein Kind pro 400 Schwangerschaften betroffen. Bei älteren Müttern sind es etwas mehr als bei ganz jungen.

    Aber es ist nicht so, dass eine Mutter mit einem mongoloiden Kind ein höheres Risiko auf ein zweites gleichbehindertes hat. Ihr Risiko ist auch bei der nächsten Schwangerschaft gleich gross wie bei jeder Mutter im selben Alter.

  26. @ Jürg: Richtig, das habe ich vergessen auszuführen: Sie war über 40 und von daher im Risikoalter. Sie war religiös eingestellt und lehnte für die zweite Schwangerschaft Tests mit entsprechenden Konsequenzen ab. Das zweite Kind hatte wieder Trisonomie 21. – Wie weit soll, kann und darf ein Mensch das Schicksal herausfordern? Etwas literarisch höher ist das Thema bei Schiller abgefasst: „Der Taucher“

  27. @Christophorus

    Die Frau hat das Schicksal mit der zweiten Schwangerschaft nicht mehr herausgefordert als mit der ersten, ausser dass sie jetzt ein Jahr älter war.

    Die statistische Wahrscheinlichkeit für die Behinderung war beim zweiten Kind gleich gross wie beim ersten und sie war gleich gross wie bei jeder anderne 40-jährigen.

    Die Frage ist tatsächlich eine ethische:
    Die nötige Fruchtwasseruntersuchung kann ab der 13. Woche gemacht werden. Dann müssen die Zellen im Fruchtwasser fast 2 Wochen lang kultiviert werden. Wenn dann eine Trisomie-21 sicher diagnostiziert, wird über die Abtötung eines möglicherweise lebensfähigen Fötus entschieden.

    Dazu kommt, dass augenscheinlich eine von 20 Fruchtwasseruntersuchungen bei Frauen über 40 mit einer Fehlgeburt endet.

    Das heisst bei einer Gruppe von 40-jährigen Schwangeren:
    Um sicher zu sein, dass nicht 1 von 100 Kindern mongoloid zur Welt kommt, nimmt man in Kauf, dass 1 von 20 nichtbehinderten Föten dummerweise absterben als Folge der Untersuchung. (zahlen deutscher und englischer wikipedia)

  28. @turander

    Ihre Beiträge interessieren mich vor allem unter einem Gesichtspunkt: Die Mia von diesem Blog hier weist ja mit Vehemenz auf Menschen hin die nicht arbeiten wollen, weil sie nicht wollen können arbeiten.

    Jedenfalls verstehe ich etwas in der Art, wenn ich ihr Engagement für psychisch kranke mit unsichtbaren Behinderungen lese.

    Als Hirnverletzter habe ich mehr als 8 Monate in verschiedenen Rehakliniken verbracht. In dieser ganzen Zeit sind mir zwei Patienten begegnet, die möglicherweise nicht arbeiten können wollten. Jedenfalls waren sie in einem Zustand, wo etwas in der Art für mich nicht erkennbar war. Der eine hatte mit dem Töff den Schädel eingeschlagen und trieb die Ergotherapeutin zur Verzweiflung. Die andere hatte eine schwere Hirnhautentzündung überlebt und wusste möglicherweise nicht einmal mehr wer sie eigentlich war und wo sie sich befand.

    Bei ausnahmslos allen Patienten, auch bei den beiden oben genannten war das ganze Tier im Menschen wach geworden. Ihre Urinstinkte trieben sie zu einem totalen Kampf ums Überleben. Dazu gehört immer auch, dass sie ein „normales“ Leben mit Familie und Arbeit führen wollten.

    Es gibt Säufer und Drögeler bei denen sehe ich, dass sie immer noch arbeiten wollen, aber sie sind für viele Arbeitgeber unbrauchbar, weil sie notorisch unzuverlässig sind.

    Zwei liebe Freundinnen von mir haben etliche Monate in der Spinnwinde verbracht. Die eine hatte vorher schon aufgehört zu essen und man würde sie vermutlich für magersüchtig halten. Die andere ist ganz einfach durchgeknallt in einer Zeit extremer Überlastung. Beide wollen so gut wie nur möglich wieder in ihrem Beruf arbeiten. Bei der zweiteren werden zumindest die Nebenwirkungen der verabreichten Medikamente das verhindern.

    Aus meinem zugegben beschränkten Erfahrungshintergrund ist mir ausgesprochen suspekt, dass es eine so grosse Zahl von Menschen geben soll, die aus „psychischen“ Gründen nicht können wollen.

    Besuchen Sie bitte ab und zu meinen eigenen Blog. Ich bin dabei meine vielen Erinnerungen und Beobachtungen auszusortieren.

  29. Aus den Blogregeln, so richtig zum Schmunzeln:

    Zitat mia:
    „Blogregeln
    Formulieren Sie Ihre Kommentare in einem anständigen und respektvollen Tonfall
    Unterlassen Sie Beleidigungen, diskriminierende Äusserungen und Pauschalisierungen

    Kommentare, die diese Anforderungen nicht erfüllen, werden gelöscht.“

    Anstand und Respekt gilt selbstverständlich nicht den RAD-Ärzten gegenüber.

    Beleidigen darf man SVP Mitglieder, pauschalisieren über die bösen Politiker. Diskriminieren darf man diejenige Mehrheit, die für die 5. IV-Revision gestimmt hat.

    Kurz gesagt:
    Die Blogregel Nummer 1 ist:
    Alle sind gleich, aber Mia ist gleicher.

    Die Blogregel Nummer 2 lautet:
    Mia entscheidet was wahr ist und was nicht wahr ist.

    Blogregel Nummer 3 lautet:
    Wahrheit ist ein unanständiges Wort. Darum wird auch gelöscht, wer über Wahrheit redet.

  30. @ Jürg

    Nicht jeder Mensch denkt gleich. Nicht jeder Mensch formuliert gleich. Es ist eine Frage der Kommunikation.

    Seit ich ein Buch über Wahrnehmung und Sprachentwicklung gelesen habe, habe ich viel mehr Verständnis für mich und meine Art mich zu formulieren. Andere Menschen beschreiben mich als direkt und anderes mehr.

    Ich bin nicht direkt. Ich muss einfach klar wissen, was Sache ist. Für andere Menschen ist das zuviel. Sie lesen lieber zwischen den Zeilen.

    Was die politische Einstellung betrifft, bin ich für mich zum Schluss gelangt, dass letztlich keine der politischen Parteien behindertenfreundlich politisiert. Aber das muss jeder Mensch für sich selbst entscheiden.

    Jetzt lass Mia bitte leben und etwas verschnaufen. Sie hat Ferien eingegeben! – Ich jedenfalls bewundere ihren Mut, einen Blog zu schreiben. Diesen Mut habe ich für mich bisher noch nicht aufgebracht. Obwohl ein eigener Blog den Vorteil hätte, dass ich hinterher meine Beiträge korrigieren kann.
    Also: lass die mutigen Frauen leben und die Diskussion treib bitte nicht so auf die Spitze, dass sie abbricht.

  31. @ Jürg

    Wie denkst du, dass dein Begriff „Spinnwinde“ auf Menschen wirkt, die in einer psychiatrischen Klinik waren und um ihre psychische Gesundheit kämpfen müssen?

    • @Christophorus

      Genau gleich. Gesund oder krank. Was ist der Unterschied zwischen halbschlau und geistig behindert, zwischen Spinnwinde und psychiatrische Klinik? Ich halte nicht viel von Wortklaubereien.

  32. Aus den Blogregeln von Brechbühl, so richtig zum Schmunzeln:

    Zitat:

    „– Geplapper und Geschnatter muss auf andere Kommunikationskanäle weggewiesen werden.
    – Hingegen wird die Redaktion regelmässig alles ver-unöffentlichen, was nicht unmittelbar dem Zweck des Blogs dient.“

    Themenbezogenheit gilt selbstverständlich nicht für Jürg Brechbühl.

    Oder anders gesagt:
    Blogregel Nr. 1: Alle sind gleich, aber Brechbühl ist gleicher.

    Blogregel Nr. 2: Hat sich dein Blog einen Brechbühl zugezogen, wirst du ihn nur schwer wieder los. – Gibts da vielleicht was von Ratiopharm??

    • @David Siems

      Pech: Sie haben den Zweck meines Millionjagd-Blogs übersehen. Im Unterschied zu all den Besserwisser-die-Welt-ist-schlecht Blogs habe ich ein Ziel bezeichnet. Das werde ich erreichen. Meine Gegner kennen mich und haben nach 15 Jahren begriffen, dass sie mich ernst nehmen sollten.

      Richtig, Sie haben es erkannt: Meine Zensur funktioniert vollkommen nach eigenem Ermessen. Ich entferne auf meinem Millionenjagd-Blog jederzeit alles was nicht das Ziel des Blogs fördert.

      Ich stehe dazu und habe bisher nicht einen einzigen Kommentar löschen müssen.

      Übrigens führe ich einen zweiten Blog, wo das Plapper und Geschnatter vollkommen frei ist. Es wird dort von jeglicher Zensur abgesehen und die Leser haben geschumpfen, gestritten, geklagt und geklatscht, gejubelt und getratscht und sich gefreut. Dort hatte ich in 3 Monaten 15’000 Besuche 3500 Leserkommentare. Ich musste in dort einen allereinzigen Eintrag löschen.

  33. @ Jürg

    Schade, dass du dich nicht etwas liebevoller um die deutsche Sprache kümmerst. Womit natürlich die Diskussion lanciert ist, welche Spuren eine Hirnverletzung hinterlässt oder ob es eine Frage des Charakters ist oder der politischen Einstellung.
    Auf jeden Fall erübrigt sich so die Diskussion. Am Stammtisch mit Gleichgesinnten kann mann sich auf die Schenkel klopfen und fühlt sich in seiner Ansicht bestätigt.
    Wenn ich mit Andersdenkenden über ein Thema diskutieren will, wenn ich Menschen zu Wort kommen lassen will, die vielleicht schwere Erlebnisse gehabt haben, dann muss ich mit Achtung auf sie zugehen und nicht mit solchen Begriffen, die in unserer modernen Gesellschaft nichts mehr zu suchen haben. Oder hättest du deine Hirnverletzung mit mittelalterlichen Methoden behandeln lassen wollen? – Echt, ich finde diese Einstellung von dir schade. Provozieren mag lustig sein und zuweilen nötig. Provozieren um jeden Preis langweilt mich leider sehr rasch. Da überkommt mich das grosse Gähnen.

    • @Christophorus
      Stimmt, Sie haben recht.
      Solange so viele Leute so konsequent die Realtitäten verweigern und an den wirklichen Herausforderungen vorbeireden, solange habe ich schlicht keine Lust, meine Sprache den Vorlieben anderer anzupassen.

      Die Moden wechseln, alle drei oder vier Jahre soll ich mir wieder neue Wörter für wieder dieselbe nichtdurchdachte, nichtbeachtete, nichtgelöste Problemstellung angewöhnen. Da ist mein Leben wesentlich einfacher, wenn ich für den Rest meines Lebens bei den Wörtern bleibe, die ich kenne.

      Der Unterschied ist im wesentlichen folgender:
      Auch in drei, in fünf, in dreissig und in fünfzig Jahren noch wird jeder verstehen, was ich mit „Spinnwinde“ meine, was mit „durchknallen“, was mit „halbschlau“.
      Würde ich die aktuell politisch korrekten, von den jeweiligen Berufsverbänden akzeptierten und in den Verlautbarungen der Behindertenverbände benutzten Wörter gebrauchen, so hätte ich folgendes Problem:
      Zweidrittel meiner Zuhörer verstehen vom ersten Satz an nicht, wovon ich rede. Ein sechstel meiner Zuhörer verstrickt sich in Diskussionen, ob meine Wortwahl aktuell akzeptabel ist oder ich andere Wörter gebrauchen soll. Und ein sechstel miner Zuhörer nickt und tut so als hätte er verstanden und geht weiter, ohne eine Sekunde nachzudenken.

      Das letzte sechstel, das sind die Sozio-Psycho-Besserwisser, der Kreis von Leuten, die Kommitees gründen, Sitzungsgelder verbrauchen, Leitfäden herausgeben, Logos und Slogans kreieren, sich eine goldene Nase verdienen mit immer neuen, immer anderen Wörtern. Sie sorgen für die soziale Abgrenzung zwischen den Insidern und dem dummen Pöbel, der nicht drauskommt.

      Dummerweise ist es dieser so unglaublich verachtete dumme Pöbel, dem man in Volksabstimmungen ein Anliegen erklären muss. Diese Leute sind informiert, wissbegierig, gehen der Sache auf den Grund. Sie erreicht man nicht damit, dass man sich aufs hohe Ross setzt, sich mit politisch korrekten Worten ziert und so tut als sei man der einzige, der wirklich Bescheid weiss.

      Die Schlussfolgerung: Mir genügen als Publikum die Zweidrittel der Zuhörer, die meine Worte verstehen und die demselben Gespräch auch in drei, in fünf, in dreissig und in fünfzig Jahren zu folgen vermögen.

      Ob meine Wortwahl einzig meiner Faulheit entspringt, durch meine Behinderung eingeschränkt, durch schlechten Charakter verdorben, durch politische Gesinnung markiert ist, das ist mir vollkommen schnurz. Mir kommt es darauf an, dass die Leute wissen wovon ich rede.

      Gehen Sie ins Spital und hören sich um. Wieviele Patienten im Bett rufen: „Dir Frou Pflegefachfrau“, wenn sie schiissen müssen.

  34. Herr Brechbühl, suchen Sie sich einen anderen Ort, um ihre Profilneurose auszuleben. Sie haben hier ab sofort Blogverbot.

    • So funktionieren
      a) Diskussionskultur
      b) Sachlichkeit
      c) Weltoffenheit.

      Das ist der Zweck von einem öffentlichen Blog oder habe wir das falsch verstanden?

      Ah ja, „Profilneurose“, das ist „anständig“, „respektvoll“, es ist nicht „beleidigend“ und es ist auch nicht „pauschalisierend“.

      Schade, dass eine intelligente, geistig wache Frau wie die Mia es nötig hat, so mit fremden Mieinungen umzuspringen.

  35. Diesen Teil aus den Blogregeln hat Jürg Brechbühl wohlweislich nicht zitiert:

    «Und falls es Ihnen hier nicht gefällt: Tun Sie sich keinen Zwang an und gehen Sie doch einfach woanders hin.»

    Das gilt für jeden, der meint, er müsse hier jetzt nur noch sinnlos den Blog zuspammen.

    Im Übrigen ist «Profilneurose» kein psychiatrischer Fachterminus, sondern wird umgangsprachlich für «ausgeprägten Geltungsdrang» benutzt.

  36. RAD-Aerzte werden zusehends aus Deutschland rekrutiert. Es sind dies meist Kassenärzte, die nicht grundlos aus Deutschland abgewandert sind. Die Zustände in Deutschlands Kliniken und die Tätigkeit dortiger Kassenärzte werden im Buch von Frank König „Ein Chefarzt klagt an“, schön beschrieben. Das Buch wirft einen tieferen Einblick in die dekadente Auffassung des hypokratischen Eides deutscher Aerzte als Handlanger von Krankenkassen und Versicherungen. Ein Schweizer Arzt der etwas auf sich hält gibt sich nicht dazu hin, für die IV tätig zu sein. Dem hypokratischen Eid widerspricht es nämlich, Kranke aus politischen Gründen administrativ gesund zu schreiben und Arbeitsunfähige im vollen Bewusstsein arbeitsfähig zu schreiben von denen er zum vornherein weiss, dass diese letztendlich auf dem Fürsorgeamt landen, wo sie noch zusätzlich psychisch zugrunde gehen. Und letztendlich stellt sich auch die Frage, was das für Aerzte sind, die sich nach jahrelangem Studium einer Tätigkeit hingeben, wo sie tagtäglich nichts anderes als Kästchen in vom BSV vorgedruckten Fragebögen ankreuzen müssen. Wohl zu recht anzunehmen, dass dies Aerzte sind, die mit eigener Praxis kaum ihr Leben zu fristen vermöchten.

  37. In mir entsteht bei diesem Thema das folgende Bild: Da wird einem Zahnrad (einem Patienten), dem die hälfte der Zähne fehlt, attesttiert, dass es noch zu 50% gebraucht werden könne. Ich möchte jenen Maschinisten (Arbeitgeber) sehen, der ein solches Zahnrad in seine Maschine einbaut! Dieses Zahnrad kann nicht nur die Leistung der Maschine herabsetzen (Konkurrenzfähigkeit senken), sondern auch den anderen Zahnrädern Schaden zufügen!

    Zudem gebe ich zu bedenken, dass nicht jedes Zahnrad geflickt werden kann! Bei vielen psychischen Krankheitsbildern wird immer wieder von guter Therapierbarkeit gesprochen. Wenn man dann genauer hinsieht, heisst das: ca. 80%. Was ist mit den anderen 20%, bei denen die Therapien nicht funktionieren? Ich kannte liebe Menschen (Zahnräder), die beim Versuch der Reparatur dem Suizid den Vorzug gaben.

    Das wäre natürlich die preislich günstigste Lösung für alle! Ich hoffe, diese Gesellschaft ist noch der Meinung, dass Geld nicht der alleinige Massstab für Alles ist.

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