Hors-sol-Kinder

Verlinke ich nicht, weil der Artikel sooo überragend wäre (ist er nicht), aber der Titel, der ist wirklich toll: Hors-sol-Kinder bei der NZZ.

Und es lohnt sich dann dochmal drüber nachzudenken, was aus den Hors-sol-Kindern später mal wird (so von wegen Bewegungsmangel, massiv ansteigendes Körpergewicht, weniger Sozialkompetenz und fehlende Kenntnis der Umwelt…).

8 Gedanken zu „Hors-sol-Kinder

  1. Huh, eine etwas ganzheitlichere Sicht auf die Dinge täte dem Autor ganz gut.

    Vorab wird da ein Bild aufgebaut, wonach quasi sämtliche Kinder unter Bewegungsmangel leiden, was sicher nicht stimmt. Es gibt auch Stadtkinder, die nicht übergewichtig sind, also müsste man sich fragen, was die anders machen.

    Die These, der Verkehr sei schuld daran, dass es zu mehr Bewegungsmangel kommt und damit zu mehr Übergewicht finde ich ohnehin ziemlich abenteuerlich. Denn wie schon oben erwähnt gibt es erstens auch Stadtkinder ohne Übergewicht.

    Zweitens tritt Übergewicht nur dann auf, wenn ein Ungleichgewicht zwischen dem aufgenommenen Energiewert (die berühmten Kalorien) und der Bewegung besteht. Statt den Bewegungsmangel anzuprangern, könnte (oder müsste) man somit auch die Nahrungsaufnahme hinterfragen. In einer Zeit voller functional food und «Light»-Produkten kann das ja nicht so schwierig sein, obschon ich das nicht unbedingt als die ideale Ernährung für Kinder halte. Ich würde mal einen genaueren Blick auf den Gemüse-Konsum einerseits und den Süssigkeiten-Konsum andererseits werfen…

    Und drittens gibt es heute doch mehr Sport- und Freizeitangebote denn je, insbesondere in den Städten. Da fällt es mir schwer zu glauben, dass diese Kinder nicht zu ausreichend Bewegung kommen könnten. Vergessen geht dabei wohl auch, dass das Verweilen vor dem Bildschirm, ob Computer oder TV, schon längst nicht mehr nur Erwachsenen vorbehalten ist. Heute hat doch jedes Kind so eine Flimmerkiste in seinem Zimmer stehen – und dabei bewegen sich eben höchstens die Finger…

    Amüsant sind auch die Widersprüche im Artikel. So heisst es zum Beispiel zu den Pedibus: «Zwei- oder viermal 10 oder 15 Minuten gemächlich in die Schule trotten, trägt wohl kaum zur Bekämpfung von Übergewicht bei.»

    Und am Schluss des Artikels kann man dann lesen: «Weil wir zu bequem sind, auch nur 50 Meter bis zum nächsten Parkplatz zu Fuss zu gehen, bleiben die Kinder vor dem Fernseher sitzen, bis sie, versehen mit verschiedensten Defiziten, in die gesellschaftlichen «Flickbuden» Kindergarten oder Schule eingeliefert werden.»

    Vielleicht ist das mit dem Pedibus doch nicht eine so schlechte Idee…

    Wie auch immer: Meinetwegen kann man sämtliche Autos aus den Quartieren verbannen. Das gäbe mehr Fläche fürs Spielen und reduziert die Gefahr an der Quelle. Fragt sich nur noch, ob die Eltern dann bereit sind, selber einige Schritte zum etwas abgelegenen Auto zu laufen…

  2. Der Punkt ist wohl, dass die Ängste der Eltern die entscheidene Rolle spielen – auch Kinder die raus dürfen, aber ständig übers Handy «überwacht» werden, haben nicht mehr die selbe Freiheit, wie Kinder vor 20, 30, 40 Jahren…

  3. So lange wie Handys noch keine Augen haben, wissen sich die Kinder schon zu helfen… ;-) Lange wird es allerdings nicht mehr dauern… (ich empfehle dann, jeweils ein Hintergrund-Poster mitzunehmen :-) ).

  4. Es gibt doch diese Kinderhandys mit extra eingebautem Ortungssystem für die Eltern.. .(Wie konnten wir nur überleben? – damals…)

  5. Reglementierte Freizeitaktivitäten wie Kletterhallen sind eben kein freies „austoben“, sondern lukratives Business. Freies, unbetreutes Spiel im öffentlichen Raum fehlt. Damit ist aber leider nichts zu verdienen.
    Der Hinweis, dass es auch schlanke Stadtkinder gebe, und daher der mangelnde Freiraum nicht Ursache von Übergewicht sein könne, ist etwa ebenso geistreich, wie der Hinweis, dass es auch hochbetagte Raucher ohne Lungekrebs gibt. Wie kann man ein offensichtlich gesellschaftliches Problem, wie das zunehmende Übergewicht bei Kindern, mit der Bemerkung „selber schuld“, oder in diesem Falle wohl eher „Eltern schuld“ abzutun und zu Diäten & Chemiefrass zu raten?

  6. @ Katharina Spange
    Genau darum plädiere ich ja dafür, die Autos aus den Quartieren zu verbannen, um so eben wieder Raum fürs Austoben zu schaffen. Zone 30-Quartiere sind zwar ein netter Ansatz, aber schaffen für Autofahrer solange keine übersichtlichere Situation, wie jederzeit hinter links oder rechts parkierten Autos ein Kind hervorrennen kann.

    Und wenn die Bereitschaft seitens Gesellschaft für autofreie Quartiere nicht da ist, bleibt nur die Möglichkeit des Wegzugs aufs Land oder eben – wie sie das nennen – «reglementierte Freizeitaktivitäten».

  7. Dann sind wir uns ja einig – autofreie Quartiere mit Spielplatz sind für Kinder fast schon paradiesisch. Der Gewinn an Meine Nichten wachsen in so einem Stadt-Quartier auf und verbringen ihr Leben auf „Strasse“ (Fussweg zwischen Häusern&Gärten) und Spielplatz mit duzenden von Spielgefährten.

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