Der sinnlose Wettbewerb

Lektüre zum Sonntag: «Der sinnlose Wettbewerb» Im Gesundheitsbereich, in Bildung und Wissenschaft werden jede Menge künstliche Wettbewerbe inszeniert. Höchste Zeit zur Umkehr. Ein Plädoyer im Magazin von Volkswirtschaftsprofessor Mathias Binswanger.

Auszug: «Sowohl in Wissenschaft, Bildung als auch im Gesundheitswesen entstehen qualitativ gute Arbeit und Höchstleistungen dadurch, dass man fähigen Menschen die Chance gibt, sich in einer möglichst freien Umgebung zu entfalten. Deshalb ist es kontraproduktiv, Wissenschaftler, Professoren, Lehrer oder Ärzte unter den Generalverdacht der Leistungsverweigerung zu stellen und in jedem ein potenziell schwarzes Schaf zu vermuten, aus dem man eine gute Leistung mit einem Zuckerbrot herauskitzeln oder mit der Peitsche herausprügeln muss. Auf diese Weise verdrängt man erstens die intrinsische Motivation der eigentlich motivierten Menschen, wodurch echte Höchstleistungen mehr und mehr ausbleiben. Zweitens holt man aus unmotivierten oder wenig fähigen Menschen selbst mit noch so grossen Zuckerbroten und drohenden Peitschen keine Höchstleistungen heraus. Nicht Kontrolle, sondern Vertrauen sollte die Basis sein, denn nur so kann eine Atmosphäre entstehen, in der hohe Leistungen möglich sind.»

Hört hört… gilt das nur für Ärzte und Wissenschaftler und je weiter man heruntersteigt in der sozialen Hierarchie, desto «unmotivierter» werden die Menschen, oder wie sind die ganzen Zwangsmassnahmen beim RAV, der IV und dem Sozialamt zu verstehen?

Die allerwenigsten Menschen (ob nun Arzt oder Gleisarbeiter) laufen unter Bevormundung zu Höchstleistungen auf. Je mehr (unsinnige) Vorgaben, die in die falsche Richtung zielen, desto eher versuchen die Menschen, nicht das an sich «Beste» zu tun, sondern das Beste aus einem unsinnigen System herauszuholen, das müsste man grundlegend ändern. Ein weiterer Auszug aus dem Artikel:

«(…)Nicht der Wissenschaftler ist effizient, der möglichst viele Artikel publiziert, sondern derjenige, der einen wesentlichen Beitrag zur Erkenntnis beziehungsweise zum Fortschritt liefert. Und nicht der Arzt ist effizient, der möglichst viele Vorsorgeuntersuchungen macht, sondern jener, der korrekte Diagnosen stellt und dann alles unternimmt, um Patienten rasch zu heilen.»

Im Moment aber verhält sich die Welt eher nach folgendem historischen Vorbild: «Während der Kolonialzeit hatten die Franzosen im vietnamesischen Hanoi mit einer Rattenplage zu kämpfen. Als Anreiz bezahlten sie den Einheimischen für jeden abgelieferten Rattenpelz eine Prämie. Das perverse Resultat davon: Die Leute begannen, Ratten zu züchten.»