«Goldener Fallschirm» für zukünftige ehemalige IV-Bezüger

Neulich an der HSG am Institut für Empirische Wirtschaftsforschung:
M. B.: Hm, wir bräuchten mal wieder ein bisschen Geld – und etwas zu tun – aber die Wirtschaft hat zur Zeit nicht soviel Geld übrig, wir sollten es vielleicht beim Staat…
A: Beim Staat? Aber, aber… wir sind doch immer gegen den Staat…?
M. B.: Assi, Sie müssen noch viel lernen… der Staat ist nur dann schlecht, wenn er Geld den Falschen gibt, nämlich denjenigen, die nichts dafür tun – bei uns hingegen, den Leistungsträgern der Gesellschaft, ist das etwas ganz anderes: wir dürfen uns da ungeniert bedienen, natürlich nennen wir es nicht so.
Assi:…???
M. B.: Nach der Publikation von zwei Büchern zu den «falschen Anreizen in der Invalidenversicherung bzw. den Ergänzungsleistungen» kenne ich mich mit diesen «Anreizen» bestens aus und weiss, wie man aus diesem System (vorausgesetzt man steht auf der richtigen Seite, Leistungsträger, Sie verstehen) Kapital und Ruhm wissenschaftliche Anerkennung schlagen kann.
Assi: Aha, Kapital und wissenschaftliche Anerkennung  – klingt gut, aber wie…?
M. B.: Ganz einfach, die Invalidenversicherung sucht mittels sogenannten Pilotprojekten händeringend nach neuen Lösungen, um die IV-Bezüger wieder in den Arbeitsmarkt hinzumassieren.
Assi: Hineinmassieren? Das klingt irgendwie schmierig…
M. B.: Genau, mit Schmiergeldern, das ist eine grossartige Idee…
Assi: Hä?
M. B.: Nun, wie wir in unseren Büchern ja auch feststellen, geht es den IV und EL-Bezügern nur ums Geld – wir bieten ihnen im Rahmen eines wissenschaftlich begleiteten und von der IV finanzierten «Pilotprojektes» einfach Geld, damit sie auf die IV verzichten!
Assi: Und Sie meinen, das funktioniert…?
M. B.: Das ist egal, die «begleitende Studie» dazu schreiben wir so oder so. Finanziert von der IV.

Selbstverständlich ist der obige Dialog frei erfunden, das Projekt jedoch gibt es tatsächlich: Das BSV stellt im Rahmen des Pilotprojektes «Startkapital» in den Kantonen St. Gallen und Waadt insgesamt bis rund 9 000 000 Franken für eingliederungswillige IV-Bezüger zu Verfügung. Das im Einzelfall ausbezahlte Startkapital richtet sich nach der prozentualen Reduktion der jeweiligen Rente, sowie der zugeteilten Beobachtungsgruppe und liegt zwischen 9000.- und 72’000.- (bei Reduktion von 100%  auf 0% Invalidität).

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Schweizerischen Institut für Empirische Wirtschaftsforschung (SEW) der Universität St. Gallen (HSG). Dessen Leiterin Monika Bütler hat folgende zwei Bücher verfasst (und bei Avenir Suisse herausgegeben):

«Die IV – eine Krankengeschichte – Wie falsche Anreize, viele Akteure und hohe Ansprüche aus der Invalidenversicherung einen Patienten gemacht haben»

sowie:
«Ergänzungsleistungen – Eine Analyse der Fehlanreize in der Erwerbsphase, bei der Pensionierung und im hohen Alter».

Mehr zum Projekt «Startkapital» direkt beim BSV.