«Barrierefreies Bauen = Diktatur der Minderheiten»

Das «PME Magazine» aus der Romandie ist eine Publikation des Axel Springer Verlages, laut Eigenwerbung «das führende Magazin für Personen, die von einer Wirtschafts-Publikation eine ausgeprägte Praxisrelevanz fordern und hohe Erwartungen an Qualitätsjournalismus stellen. Gut recherchierte Reportagen und praktikable Lösungsvorschläge ermöglichen Unternehmern und „Machern“, der Konkurrenz eine Nasenlänge voraus zu sein. Eine unverzichtbare Informationsquelle für Entscheidungsträger und solche, die es werden wollen. Seriös, kompetent, nah an der Unternehmenspraxis.»

Im Editorial des PME Magazine vom 1. Juli 2010 war dann zum Einsatz von Behindertenverbänden für einen (mehr oder minder) barrierefreien Neubau des EPFL Learning Centers Folgendes zu lesen: «

(…)Diese Baustelle zeigt, dass bestimmte Lobby-Gruppen eine riesige Verhinderungsmacht besitzen, eine Macht, die diese sich dank der (zu) zahlreichen Beschwerdewege, die das Gesetz bietet, anmassen. Im Fall der EPFL gehen Behindertenverbände noch einen Schritt weiter und fordern eine buchstabengetreue Anwendung des Behindertengleichstellungsgesetzes.

Diese Verbände setzen sich zu Recht für die Interessen ihrer Mitglieder ein. Das Gesetz lässt dies zu, aber einmal mehr handelt es sich um eine Diktatur der Minderheiten, welche die Kosten solcher Beschwerden vergessen. Und sie vergessen sie umso eher, als dass sie sie nicht direkt zu tragen haben. Die Gemeinschaft bezahlt mit Steuergeldern. Was endgültig bestätigt, dass die öffentliche Hand in der Schweiz so viel Geld hat, dass es den Leuten egal ist, wenn man dieses verschleudert.» (via agile)

Nur mal so, wir reden hier von einem 110-Millionen-Franken Projekt – getragen durch den Bund und private Investoren. Im Rahmen eines solchen Budgets dürfte eine barrierfreie Bauweise (wenn man sie den von Anfang miteinplanen würde) kaum ins Gewicht fallen. Und: verehrter Schreiber von PME: Ja, wo kämen wir denn da hin, wenn jeder auf die Einhaltung der geltenden Gesetze bestehen würde…?

Bleibt anzumerken, dass im Parlament damals um praktisch jede Zeile ebendieses Behindertengleichstellungsgesetzes (das seinen Namen eigentlich gar nicht verdient) gerungen und gehändelt wurde und dass schlussendlich nur eine sehr «zahnlose» Version überhaupt in Kraft trat.

Ausserdem sind es doch die immer wirtschaftsnahen Kreise, die nie müde werden, das Integration-statt-Rente Mantra zu wiederholen? Denken die, alle Menschen mit Behinderung arbeiten in einer geschützten Werkstätte und von «denen» verirrt sich sowieso keiner je in eine Hochschule?

Ich warte noch auf den Architekten, der fähig ist, Design UND barrierefreis Bauen elegant miteinander zu verbinden. Das wäre doch mal wirkliches «Können».