«Nutzniesser dieses Urteils sind die Privatversicherer»

Anwalt Max Sidler im Tagi-Interview: «Die Privatversicherer betreiben seit Jahren ein Kesseltreiben gegen chronisch kranke Leute mit dem einzigen Ziel, ihre Profite zu maximieren. Dabei schrecken sie in ihren Kampagnen gegen Schleudertraumapatienten nicht zurück, diese mit Versicherungsbetrügern gleichzusetzen. Dies ständig mit dem falschen Hinweis, die Prämien würden wegen solcher «Simulanten» ansteigen.»

(…)«Leute, die unter chronischen Schmerzen leiden, denen keine fassbare organische Erkrankung zugrunde liegt, landen über kurz oder lang bei der Fürsorge. Sie können wegen ihrer Beschwerden nicht arbeiten und sich den Lebensunterhalt nicht verdienen. Wenn die IV ihre Leistungen verweigert, bedeutet das wiederum, dass es auch keine Pensionskassenrenten gibt. Die Nutzniesser dieses Urteils sind die Privatversicherer, die bei gleichen Prämien wesentlich weniger Leistungen ausrichten müssen.»

Auch der Artikel in Soziale Medizin weist auf die Nutzniesser dieses Urteils hin: «Indem das Bundesgericht den Zusammenhang zwischen Unfall und Schleudertrauma in Zweifel zieht, beeinflusst es aber auch die Ansprüche an Unfall- und Haftpflichtversicherer. Diese werden nun erst recht argumentieren, sie müssten für ein Schleudertrauma nicht aufkommen. (…) Da Schleudertraumata meistens auf Autounfälle zurück zuführen sind, führt eine restriktivere Gerichtspraxis zu einer Entlastung der Autohaftpflichtversicherer und einer Umverteilung der Folgekosten des motorisierten Privatverkehrs. Denn die Autohaftpflichtversicherung wird aus den Prämien der Autofahrer finanziert, während für die Sozialhilfe, die Erwerbsunfähige ohne eigene Mittel und anderen Versicherungsanspruch auffangen muss, von den Steuerzahlern der betreffenden Wohngemeinde getragen wird.»

Und Caroline Bono im Tagesanzeiger-Interview: «Man könnte mit der oben genannten Kombination nachweisen, wer an den Folgen eines Schleudertraumas leidet und wer nicht. Überlegen Sie selber, weshalb weder die Haftpflicht-, noch die Unfallversicherer noch die IV diese Untersuchungen durchführen. Dabei wäre die Lösung einfach. Die IV unterstützt Unfallopfer von Anfang an in der Beweissicherung gegen den Haftpflichtversicherer und führt die im Gesetz vorgesehenen Regressprozesse gegen diese. Sie werden aber in der Praxis kaum geführt, es ist einfacher und bequemer, diese schwer betroffenen Menschen als Simulanten hinzustellen

Soviel zum Thema «Wer profitiert, wenn die IV spart».

Ein Gedanke zu „«Nutzniesser dieses Urteils sind die Privatversicherer»

  1. Hierzu kann ich eigentlich nur meinen Kommentar, den ich heute im Tagesanzeiger bringen wollte und der nicht veröffentlicht wurde (es ist immer der gleiche Journalist von Newsnetz, der alle meine Kommentare ausblendet) übertragen:

    Genug der Lobistenvertretung! Durch die Wahl des Bundesrates durch das Volk wird jeder einzelne Parlamentarier „aufgemuntert“, in erster Linie dem Volke und nicht irgend welchen Lobisten zu dienen. Doch dabei kann es nicht bleiben. Nach den teils skandalösen Urteilen von Bundesgericht und Bundesverwaltungsgericht in vergangener Zeit, ist auch die Volkswahl unserer höchsten Richter anzustreben. (Und um keine falschen Illusionen aufkommen zu lassen: Bezüglich Bundesgericht denke ich insbesondere an die Urteile der sozialrechtlichen Kammer, die seit Jahren in erster Linie Versicherungen, Sozialversicherungen und Krankenkassen schützen!) Wenn Politiker, Juristen und Oekonomen Aerzte spielen, kann dabei nicht viel gescheites herauskommen.

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