Deutsch für mir und dir

Willkommen im Deutschkurs für Fortgeschrittene. Heute sprechen wir über die unterschiedliche Bedeutung von «müssen» und «können» bzw. dem Unterschied zwischen den Negativformen, also «nicht müssen» und «nicht können».

«Peter hat im Lotto gewonnen, er muss deshalb nicht mehr arbeiten» Würde der Satz auch Sinn machen, würde man «müssen» mit «können» ersetzen? Probieren wir es aus: «Peter hat im Lotto gewonnen, er kann deshalb nicht mehr arbeiten»

Der Satz macht logisch nicht wirklich Sinn. Ein Lottogewinn beinträchtigt in der Regel die Arbeitsfähigkeit (also das Können) nicht. Peter kann (wenn er Lust dazu hat) auch nach seinem Lottogewinn weiterhin einer Arbeit nachgehen.

Anders sieht es bei Fritz aus: Fritz kann nach einem Autounfall nicht mehr arbeiten. Würde man hier «können» mit «müssen» ersetzen; ergäbe sich folgender Satz: Fritz muss nach einem Autounfall nicht mehr arbeiten. «Nicht müssen» impliziert aber, wie oben beschrieben: er muss nicht, aber er könnte, wenn er wollen würde. Fritz kann aber nicht, selbst wenn er wollen würde.

Und nun liebe Schüler zeige ich euch anhand eines Beispiels aus der Praxis, warum es wichtig ist, die unterschiedliche Bedeutung von «müssen» und «können» zu kennen – der K-tipp fragt in einer Onlineumfrage:

Finden Sie es richtig, dass das Bundesgericht den Schleudertrauma-Opfern keine IV-Rente mehr gewähren will?

und bietet dafür folgende zwei Antwortmöglichkeiten an:

  1. Ja. Ein Schleudertrauma ist kein Grund, nicht arbeiten zu müssen.
  2. Nein. Damit werden tausende Kranke diskriminiert.

Wir lernen hierbei, wie mit der Wortwahl eine bestimmte Gesinnung unterschwellig zum Ausdruck gebracht werden kann.

4 Gedanken zu „Deutsch für mir und dir

  1. Sauerei. Aber wenigstens haben sich die Umfrage-Teilnehmer mehrheitlich hinter die Schleudertrauma-Patienten gestellt. Das überrascht mich positiv.

  2. ich glaube, das liegt auch daran, weil der Kassensturz regelmässig über Ärger mit der IV berichtet, neulich über die junge Frau, die obwohl offensichtlich schwer krank seit 2 Jahren auf eine IV-Rente wartet – sowas nennt man wohl «Sensibilisierung» des Zielpublikums ;-)

  3. Dem „Kassensturz“ muss man in diesem Zusammenhang wirklich man ein Kränzchen winden. Es ist nicht einfach, in der heutigen Medienlandschaft solche Themen so zu präsentieren. Das machen die wirklich gut!

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