Zurück in die Vergangenheit – Heute mit Kurt Weigelt

Ich möchte hier nochmal kurz die Publikation «Sozialstaat Schweiz – zu
viele Schulden, zu wenig sozial
» von 2008 aus der IHK-Schriftenreihe aufgreifen. Nicht, dass mich das übliche neoliberale «weniger Geld schafft mehr Anreize» überrascht hätte – die Platte kennen wir ja schon. Auch dass für «Sozialfälle aller Art» die Mindeslohnvorschriften aufgehoben werden sollten, überrascht kaum mehr als Forderung von wirtschaftlicher Seite. Aber dass laut Kurt Weigelt «künftig bei allen Sozialwerken der Haushalt die Berechnungseinheit einer Rente darstellen soll, wie dies heute bei der Sozialhilfe der Fall ist» – das lässt dann doch wiedermal tief blicken. Sehr tief.

Arbeitslosigkeit oder Sozialhilfebezug sind in der Regel vorübergehende «Epdisoden» – Invalidität bleibt lebenslang. Und dafür finanziell aufkommen sollen nun laut Herr Weigelts Vorstellung ersteinmal die Angehörigen – in der Regel der Partner/die Partnerin oder wenn Behinderte aufgrund ihrer Behinderung auch als Erwachsene noch bei Ihren Eltern wohnen; die Eltern.

Hat Herr Weigelt die allerleiseste Vorstellung, was die Krankheit oder Behinderung eines Familienmitgliedes für die ganze Familie bedeutet? Offenbar nicht. Er ist scheinbar der Meinung, neben der Assistenz und Pflege, die unbezahlt von Familienangehörigen geleistet wird und den ganzen emotionalen Herausforderungen wäre es völlig in Ordnung, solchen Familien auch noch die finanzielle Verantwortung für den kranken/behinderten Angehörigen aufzuerlegen.

Aber natürlich, sie bekommen ja Hilfe… wenn sie dem Amt ihre Finanzen offenlegen und «glaubhaft» machen können, dass sie sich ihren kranken oder behinderten Angehörigen «nicht leisten können».

Behinderte als Kostenfaktor und Sippenhaft für die ohnehin schon belastete Familie – sonst noch was auf Lager?

Nun, mir fällt da noch was ein: Als nicht mehr Erwerbsfähiger mit jemandem Erwerbstätigen zusammenziehen und demjenigen damit im wahrsten Sinne das Wortes finanziell «zur Last fallen» zu müssen. Demütigender geht’s wohl kaum mehr. WG oder Partnerschaft mit jemand «Gesundem» als finanziell eigenständiger Mensch? Fehlanzeige.

Mögen die Weigeltschen Vorstellungen und die ihnen innewohnende Gesinnung nie (mehr) Realität werden.