Sue Marsh: Diary of a Benefit Scrounger

Hatte ich eben noch gesagt «Mögen die Weigeltschen Vorstellungen nie Wirklichkeit werden»? Nun, in Grossbritannien entsprechen die kürzlich von Schatzkanzler George Osborne vorgestellten massiven Ausgabenkürzungen im sozialen Bereich für Menschen mit Behinderungen (unter vielen anderen Massnahmen) exakt den Weigeltschen Vorgaben: Verfügen Behinderte über einen verdienenden Ehepartner, fallen ihre Zuschüsse in Zukunft komplett weg.

«Vorbereitet» wurden die massiven Ausgabenkürzungen genau wie bei uns, indem mit kräftiger Mithilfe der Boulevardmedien – beispielsweise der Sun – eine regelrechte Hatz auf Sozialschmarotzer («If you know a benefits cheat then report them, in confidence, to our dedicated email or phone line») lanciert wurde.

Was bei uns die Scheininvaliden/Sozialschmarotzer, das sind in Grossbritannien die sogenannten «Benefit Scroungers» und genau so nennt die an einer seltenen und sehr schweren Form von Morbus Crohn erkrankte Britin Sue Marsh ihren Blog: «Diary of a Benefit Scrounger».

In ihrem gestrigen Eintrag erzählt sie humorvoll und gleichzeitig berührend vom ersten Date mit ihrem zukünftigen Ehemann, der unbedingt – trotz ihrer vielen Nahrungsunverträglichkeiten – für sie kochen wollte: «I arrived at 8, nervous and fluttery as you can only be on a first date, just in time to see him tipping bisto granules into his stew. I tried to stop him but it was too late. The granules have wheat in them and I’d already found out that I couldn’t tolerate it. Mortified with embarrassment, I explained to Dave, but far from being cross, he just started fishing meat out of the stew and oh-so-painstakingly scraping off all the gravy! I decided there and then that this one was a keeper.»

Und Dave blieb – bis heute. Sue beschreibt die Höhen und Tiefen, die eine Beziehung mit jemandem mit sich bringt, der schwer krank ist und ihr Beitrag schliesst mit den Worten: «His life has been turned upside down by my illness, his dreams crushed by my illness, his career stunted by my illness.
When he took his wedding vows, he took the words more seriously than most „For better and for worse, for richer and for poorer in sickness and in health, til death us do part.»

Und dann kommen irgendwelche Kasperlis und finden es völlig in Ordnung, wenn der Staat das Zusammenleben mit einem kranken/behinderten Menschen auch noch massiv finanziell bestraft. Wer ist hier eigentlich krank?

2 Gedanken zu „Sue Marsh: Diary of a Benefit Scrounger

  1. Wir waren schon mal in diesem Blog an dieser Stelle der Argumentation: diese „Kasperlis“ – Politiker, Funktionäre – tun das absichtlich, sie wissen was sie tun, sie sind da böswillig und mutwillig am Werk, keineswegs ist das ignorant oder nur fahrlässig. Sie haben das eindeutig im Auge – und setzen somit eindeutige Zeichen. Invalide sind eine Gruppe, denen man misstraut, Renten kürzt, Existenzen klein schnipselt, bevormundet, bis hin zum Tatbestand der Nötigung („verwerflich“ ist dazu ja ein Element). Keinem würde es derzeit einfallen, derart mit Alten umzugehen, die eine Altersrente beziehen. Aber das wird schon noch kommen.

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