Herr Ugugu bereitet mir schlaflose Nächte

Für diejenigen, die Herrn Ugugu nicht kennen, Herr Ugugu vom Journalistenschredder hat mir das Versprechen abgenommen, mir im Rahmen der Blogaktion «Es hat sich Ausgeschaft!» (sic!) etwas gescheites einfallen zu lassen. Das war vor 2 Wochen. Seither schlafe ich unruhig und träume von Herrn Ugugu, der all die Schafe, die im Auftrag der SVP in einer Behindertenwerkstätte schwarz angemalt wurden, in aufwändiger Handwäsche wieder weiss wäscht. Ab und zu ist eins drunter, dass trotz intensivem shamponieren schwarz bleibt.

Und Herr Ugugu erwartet nun, dass unsereiner Ideen präsentiert, wie man Herr und Frau Schweizer davon überzeugen kann, die ausländischen schwarzen Schafe im eigenen Land zu behalten.

Haben Sie, liebe Leserin, lieber Leser, schon mal versucht, mit politisch eher uninteressierten, aber tendenziell eher SVP-wählenden Menschen über die Ausschaffungsinitiative zu reden? Haben Sie versucht, Ihr Gegenüber von Ihrer Sichtweise zu überzeugen, oder haben Sie zugehört, was er oder sie zu sagen hat? Haben Sie genau zugehört?
Sie werden viele Dinge hören, die mit der Ausschaffungsinitiative nicht unbedingt etwas tun haben: von den «lauten spanischen Nachbarn» über die «Türken, die den Spielplatz besetzen und die Schweizer Kinder verdrängen» bis hin zu «die Jugos, die sind einfach generell krimineller als wir Schweizer».

Nun können Sie das alles als irrelevant abtun und damit Ihr Gegenüber darin bestärken, dass es nur eine einzige Partei in der Schweiz gibt, die die «Ängste und Sorgen des Volkes ernst nimmt».
Das wird sich nicht nur in der kommenden Abstimmung, sondern auch in einem Jahr bei den Wahlen in einem höchst unerfreulichen Resultat niederschlagen.

Oder…..

Wir lassen uns was einfallen.

Ich gebe zu, für die kommende Abstimmung muss ich kapitulieren. Ich halte es für nicht sehr wahrscheinlich, dass sich noch grosse Änderungen herbeiführen lassen (Lasse mich aber selbstverständlich gerne vom Gegenteil überzeugen). Ich schätze all die klugen Blog-Artikel und engagierten Youtube-Auftritte gegen die Ausschaffungsinitiative – aber die Meinungen werden nicht kurz vor der Abstimmung gemacht, sondern wurden seit der Lancierung der Unterschriften-sammlung kontinuierlich gehegt und gepflegt angestachelt.

Das Abstimmungsresultat wird – egal wie es ausfällt – vor allem eins sein: ein Meilenstein im perfekt durchorchestrierten SVP-Wahlkampf. Auch bei einer Ablehnung der Initiative wird die SVP garantiert irgend eine Strategie fix und fertig in der Schublade liegen haben. In der Basler Blocher Zeitung wird bestimmt eine neue Rubrik eingeführt, in der jeder einzelne Fall von Ausländerkriminalität in epischer Breite dokumentiert wird (nach dem altbekannten Motto: «Das haben wir den Linken zu verdanken»). Oder sowas in der Art. Denen fällt schon was ein.

Das Thema «Ausländer» wird bis zu den Wahlen im Herbst 2011 ausgeschlachtet, egal wie diese Abstimmung ausgehen wird.

Und es wäre gut, darauf nicht erst knapp vor den Wahlen zu reagieren. Sondern jetzt damit zu beginnen. Und was hilft gegen eine Partei, deren «Basis» über ein eher tiefes Bildunsgniveau verfügt (das sage nicht ich, das sagt der Tages-anzeiger)? Ich würde mal sagen: Bildung und Aufklärung: Nur wer über wenig Bildung verfügt, kann leicht belogen und manipuliert werden. Immer wieder Antworten auf die Fragen: Warum ist das so? Wie kamen die Ausländer in die Schweiz? Wer hat sie geholt? Warum? Wie hat die Schweiz von den Ausländern profitiert (und tut es immer noch)? Welchen Umgang pflegte die Schweiz in den letzten Jahrzehnten mit den ausländischen Arbeitskräften? Warum gibt es Integrationsprobleme?

Als Anfang empfehle ich den NZZ-Artikel «Vom Weg der Kosovo-Albaner in die Schweiz».