The Spoon Theory

Die an Lupus erkrankte Christine Miserandino – deren Website bezeichnen-derweise heisst www.butyoudontlooksick.com – erfand die «Spoon Theory» spontan in einem Diner, um ihrer Freundin eine anschauliche Antwort auf deren Frage zu geben, was es eigentlich wirklich heisst, mit einer chronischen Erkrankung zu leben.

Sie drückte ihrer Freundin eine handvoll herumliegender Löffel in die Hand und sagte: «Here you go, you have Lupus» Die Freundin guckte ein bisschen irritiert.

«I explained that the difference in being sick and being healthy is having to make choices or to consciously think about things when the rest of the world doesn’t have to. The healthy have the luxury of a life without choices, a gift most people take for granted.»

Die meisten Menschen beginnen den Tag mit einer einer unbegrenzten Anzahl von Möglichkeiten und genügend Energie, das zu tun, was immer sie möchten.

«I asked her to count her spoons. She asked why, and I explained that when you are healthy you expect to have a never-ending supply of “spoons”. But when you have to now plan your day, you need to know exactly how many “spoons” you are starting with. It doesn’t guarantee that you might not lose some along the way, but at least it helps to know where you are starting. She counted out 12 spoons. She laughed and said she wanted more. I said no, and I knew right away that this little game would work, when she looked disappointed, and we hadn’t even started yet. I’ve wanted more “spoons” for years and haven’t found a way yet to get more, why should she?»

Und so lässt Christine ihre Freundin ihren üblichen Tagesablauf durchgehen, jede Tätigkeit (Aufstehen, Waschen, Anziehen, Essen zubereiten ect.) kostet einen Löffel: «I think she was starting to understand when she theoretically didn’t even get to work, and she was left with 6 spoons. I then explained to her that she needed to choose the rest of her day wisely, since when your “spoons” are gone, they are gone. Sometimes you can borrow against tomorrow’s “spoons”, but just think how hard tomorrow will be with less “spoons”. I also needed to explain that a person who is sick always lives with the looming thought that tomorrow may be the day that a cold comes, or an infection, or any number of things that could be very dangerous. So you do not want to run low on “spoons”, because you never know when you truly will need them.»

Den ganzen Artikel über die Spoon Theory lesen bei: butyoudontlooksick.com

Ich wünschte mir, all jene, die davon ausgehen, dass Menschen mit gewissen chronischen Erkrankungen «mit Willenskraft» ganz «normal» arbeiten könnten, würden diesen grossartigen Artikel lesen und dann nochmal drüber nachdenken, wieviele «Löffel» Menschen mit chronischen Erkrankungen für die Verrichtung alltäglicher Dinge benötigen, über die Gesunde nicht einmal nachdenken müssen. Und die Betroffenen bekommen, so sehr sie sich das auch wünschen, nicht «mehr Löffel» pro Tag.

3 Gedanken zu „The Spoon Theory

  1. Danke, Mia! Interessanter Beitrag. Die Frage, die mich als Betroffene einer chronischen Krankheit immer wieder beschäftigt, lässt sich so gut artikulieren: Kann ich selber überhaupt abschätzen, wie viele Löffel ich habe? Und wenn ich es kann: Wie vermeide ich Situationen (gerade bei der Arbeit), in denen ich zu viele Löffel brauche. Knifflig.

  2. Situationen bei der Arbeit zu vermeiden, die zuviel Löffel benötigen, ist das ganz grosse Tabu. Das ist das, was bei dem ganzen Eingliederungsklimbim immer unter den Tisch fällt, damit will sich nämlich kein Arbeitgeber befassen. Das Thema gehört sozusagen in den Giftschrank. Man will Kranke/Behinderte im Prinzip nur dann eingliedern, wenn sie so tun, als ob sie gar nicht krank wären. Eigentlich wollte ich daraus einen Artikel machen, aber weils grad so gut passt, zitiere ich das hier schon mal im Vorraus, es ist aus einer Stellenanzeige einer Eingliederungseinrichtung(!): «Wir suchen Mitarbeitende mit einer IV-Rente, welche sich in einem wirtschaftsnahen Umfeld bewegen möchten und gerne über ihre Leistungsgrenzen hinauswachsen»

    Abartig, oder?

  3. Pervers. Das erinnert mich an das, was mir eine Bekannte erzählte, die bei der IV zu einem Vorabklärungs-Gespräch war. Am Schluss fragte man sie: „Und wo sehen Sie sicheruflich in zwei Jahren, Frau Z.?“ Sie sei total verblüfft gewesen. Das habe sich angehört wie bei einer Laufbahn-Beratung. Als erwarte man von ihr, dass sie Pläne für eine Traumkarriere mache. Dabei gab es ja nicht einmal verlässlich Prognosen über den Verlauf ihrer Krankheit.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.