SVP Parteipogramm: Schlagt sie tot (in echt jetzt)

Originalzitat aus dem SVP-Parteiprogramm 2011-2015, Abschnitt Invalidenversicherung: «Es müssen pro Jahr mindestens 4‘000 Rentner reduziert werden.»

Die Vorraussage von wahrscheinlich zum Parteiprogramm der SVP war dann offenbar gar nicht so verkehrt…

14 Gedanken zu „SVP Parteipogramm: Schlagt sie tot (in echt jetzt)

  1. Ja, das wäre eine Möglichkeit.

    Ausschaffen wäre noch eine andere. Nur: Wir bringt man Rentner dazu, Ausländer zu sein und dann noch kriminell zu werden…?

  2. Vielleicht will man will die Invalieden aus der Invalidenversicherung schmeissen und zum Sozialfall machen, damit man auf die Verwandten los kann?

    Die Verwandtenunterstützungspflicht gemäss Art. 328 und 329 ZGB betrifft Verwandte in auf- und absteigender (gerader) Linie (Grosseltern, Eltern, Kinder) und (zur Zeit noch) (in günstigen Verhältnissen lebende) Geschwister.

    Verwandtenunterstützungspflicht / Sozialhilfegesetz
    http://www.sozialhilfe.zh.ch/internet/ds/sa/handbuch/de/gesetz/wirtschaftliche_hilfe/verwandtenunterstuetzung.html

    Gruss
    Kopfkrank

  3. Bin ich eigentlich die einzige, die sich nicht (in erster Linie) an der 4000 stört (die Streichung von insgesamt 16’000 IV-Renten in den nächsten Jahren wird sowieso mittels der IV-Revision 6a übernächste Woche im Nationalrat beschlossen werden), sondern am Ausdruck «IV-Rentner reduzieren»?
    Man streicht Renten und reduziert damit die Anzahl der bestehenden Renten, aber «es müssen soundsoviele IV-Rentner reduziert werden…?»

  4. Nein, Du bist nicht die einzige. Ich wollte grad schreiben: „‚Rentner reduzieren?'“ Was soll denn das heissen?! Das ist doch gar kein deutscher Satz. Man kann die Zahl von Rentnern reduzieren. Aber die Rentner selber? Macht man sie dann einen Kopf kürzer. Oder beweist die SVP-Leitung plötzlich humanistische Bildung und nimmt das Wort reduzieren in seinem ursprünglichen Wortsinn (lat. „reducere“ = zurückführen>). Aber wohin will sie die Rentner zurückführen?“

  5. „Reduzieren“ kann man übrigens nicht nur Zahlen, sondern auch Kochgut. Wird hier erklärt. Man kocht zum Beispiel eine Sauce so lange, bis sie fast keine Flüssigkeit mehr enthält. Vielleicht meint die SVP, man könne das auch mit Rentnern machen. Allerdings würde ein solches Vorgehen wahrscheinlich juristisch den Tatbestand der Folter oder gar der vorsätzlichen Tötung erfüllen.

  6. Wenn die Realität die Satire überholt, wird es meistens ziemlich ungemütlich… jetzt also für die zu reduzierenden Rentner. Da fehlen mir die Worte.

  7. @Kopfkrank
    Das kann einem ja richtig Angst machen. Wieso kommen bei mir immer die dunklen Zeiten in den Sinn, wenn ich mehr und mehr von der SVP solche Töne höre? Wenigstens wurde das Wort „Ausrotten“ noch nicht verwendet.

  8. Thema „dunklere Zeiten“ , SVP und Parteiprogramm @Geri Brunner

    Die ‚Schlüer‘-Parteidoktrin der SVP strebt nach „«Strategie 51 Prozent», also die Mehrheit in der Schweiz zu erreichen. Die restlichen 49% sind dann keine Schweizer mehr, da der Slogan „Schweizer wählen SVP“ die Position des Restes der Wähler klar macht.
    http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Nur-noch-eine-Partei-steht-fuer-diese-Werte/story/16485553

    Die SVP ist in Wirklichkeit keine Partei, sondern ein gesellschaftlicher Kurzschluss, der über die Wirkung von Angst ausgelöst wird, sich so seit einigen Jahren eine simple ‚hormongesteuerte‘ Angstverhinderungsstrategie zur „Partei“ kondensieren konnte.

    Die Partei bietet Lösungen an, welche derart simplifiziert werden, dass sie verängstigten Menschen in deren triebgesteuertem ‚Kleinhirn‘ als gangbarer Weg erscheinen. Damit umgeht die „Partei“ das komplexe Denken des Grosshirns, die notwendige intellektuelle Aufarbeitung von komplexen Zusammenhängen wird durch einfache an das Gefühl gerichtete Slogans und Bildmotive erfolgreich verhindert.Hierdurch wird auch der Faden zur humanistischen und demokratischen Tradition der Schweiz aufgegeben.

    Wenn der Kapitalismus hustet, steigen die Anforderungen an die intellektuellen Fähigkeiten, aber im letzten Zustand der Umverteilung befindet sich ein Grossteil der Bevölkerung nicht mehr in der Lage sich umfassend zu orientieren. Die Gesellschaft beginnt intellektuell und moralisch zu ermüden, was strukturelle Gewalt begünstigt, eine entsprechend ausgerichtete ‚desillusionierte‘ Jugendkultur entsteht.

    Wem es gelingt diese Jugend für ’neue Wege‘ zu begeistern (auch wenn diese Wege nur mit moralisch verwerflichen Mitteln erreichbar wären, um so ‚die Alten‘ zu stürzen), der ist im Vorteil.

    Zur Frage nach den dunklen Zeiten: Gemeint ist vermutlich die finstere Zeit nach der Weimarer Republik in Deutschland, Parallelen in der Entwicklung sind durchaus vorhanden.

    Anzeichen dafür sind aus ganz Europa zu vernehmen. Wenn man die historischen Ausgaben der ‚jüdischen Rundschau‘ zwischen 1920 und 1938 studiert, kommt man jedenfalls zu erstaunlichen Rekognitionen. http://www.compactmemory.de/index_p.aspx?ID_0=30

    Die „Angstparteien“ sind kein Schweizer Problem, sie verbreiten sich analog zu einem verlustig gehenden Vertrauen in Politik und Ökonomen, die in den Wirtschaftsphasen zunehmender weltweiter wirtschaftlicher Ungleichgewichte, erbärmlich versagt. Vor solchen Zeiten warnte bereits der berühmte englische Ökonom Keynes vor dem letzten Weltkrieg vergeblich. Er warnte vor der Gier der Reichen, sich an wirtschaftlich niedergegangenen Gesellschaften auch noch zu bereichern und die Umverteilung zu sehr auf die Spitze zu treiben.

    Es gibt die These, dass sich Geschichte nie wiederholt. Wenn man allerdings in historisch weiteren Dimensionen forscht, ist Wiederholung immer wieder vorgekommen, zumindest auf der Ebene der strukturellen Gewalt. So zum Beispiel gab es in Europa immer wieder Progrome gegen Juden, Fahrende, Behinderte und den Armen, während wirtschaftlichen Krisenzeiten, von der Verfolgung Homosexueller ganz zu schweigen.

    Ein besonderes guter Indikator für Kurzschluss ist der Umgang mit Minderheiten, das Auftreten eines Bogenhustens des Wirtschaftslibertärismus, die Krise des Geldes (respektive das Vertrauen in die Währung).

    Die Frage ist lediglich, auf welche Seite die strukturelle Gewalt kippt, wie gegen die zu bekämpfenden Minderheiten argumentiert wird und welchen Nutzen deren Verfolgung den Politikern bringt welche die absolutistische Autorität anstreben.

    Minderheiten sind zu Krisenzeiten Hebel zur Erreichung der Macht, da sich Ängste über sie besonders gut auslösen lassen. Infolge der Angst vor Tod und Not, ist der Umgang mit Behinderten besonders gut geeignet, die Linke als Unterstützer von ‚unwertem Leben‘ erscheinen zu lassen, die Linke als Balast für die Gesellschaft zu kennzeichnen (das gleiche gilt übrigens auch für deren Abneigung gegenüber Waffen, die eine immaginäre Sicherheit vorspiegeln, ein Mittel gegen Angst zu Krisenzeiten darstellen).

    Auf dem Höhepunkt des Kurzschlusses, welcher oftmals Jahre andauert, herrscht kompromissloser Sozialdarwinismus, die Demokratie hört auf zu existieren, weil der Gesellschaftsvertrag und die Rechtssicherheit aufgelöst wird.

    Die begonnene Radikalisierung verläuft zuerst analog der Radikalisierung des Wirtschaftliberalismus hin zum Neoliberalismus. Da der Nationalismus vor allem eine Reaktion gegen den entgleisten Kapitalismus wiederspieglet, kommt es nach der ‚Finanzkrise‘ zuersten irrationaler Lösungen und Taten, besonders gegenüber Minderheiten.

    Im weiteren Verlauf wird sich die Radikalisierung derart fortsetzen, dass immer radikalere Lösungen gefordert werden und sich die Gräben in der Gesellschaft derart öffnen, dass Menschenverfolgungen exekutiert werden die anderer Meinung sind.

    Es erfolgt eine Polarisierung in der Politik, zuoberst ergreift ein Führer die Macht, zu unterst erfolgt Säuberung, bis hin zu eugenistischer Medizin. Es muss nicht unbedingt Faschismus sein, welcher Menschen radikalisiert, es können auch religiöse oder neue, der Technologie einer Gesellschaft entsprechende Motive entstehen, mit denen die Autokratie schliesslich gerechtfertigt wird.

    Spezifisch in der Schweiz ist es gut möglich, dass hierzu das ‚Bankgeheimnis‘ derart mystifiziert wird, dass schliesslich jede Massnahme zu dessen Erhalt oberste Priorität eingeräumt wird. Die Angst vor dem Zerfall der ‚Finanzgesellschaft‘ könnte der Schlüssel zum unumkehrbaren gesellschaftlichen Kurzschluss hierzulande werden, indem die SVP eine Art nationalistischen sozialdarwinistischen Reduit-Bankenstaat postuliert.

    Dies hat die Rechte im Übrigen bereits im letzten Jahrhundert als Weg angestrebt, und bis zum Ende des Nationalsozialismus durchgehalten. Im Rückblick glaubt die SVP nun in mystifizierender Verklärung, die Schweiz würde wiederholt davon profitieren. Um dies umzusetzen, müssen dann natürlich die moralisch verwerflichen Profite mit Nazigold und dergleichen, gerechtfertigt werden. Hierzu benötigt es allerdings eine eindeutig sozialdarwinistisch organisierte Kultur «Strategie 51 Prozent», welche die Eugenik verteidigt.

    Der Übergang zum Unrechtsregime liegt in der Luft, besonders, wenn vermehrt die neuen Führer gestürzter arabischer Regime von der Schweiz die Vermögen ihrer Vorgänger fordern.Hier besitzt die SVP grosse Hebel, das Pendel endgültig zu ihren Gunsten herumzureissen.

    Meine Analyse der Situation ist hoffentlich falsch Herr Geri Brunner, ansonsten treten wir in ein tatsächlich finsteres Zeitalter ein, mit noch verheerenderen Folgen für die Behinderten.

  9. Vielen Dank für die ausführliche und spannende Darlegung – ich denke, es ist wirklich wichtig, sich diese Zusammenhänge und Analogien zu früheren Zeiten immer wieder vor Augen zu führen (auch wenn einem dabei zuweilen das nackte Gruseln überkommt).
    Ein kleiner Wunsch aber trotzdem: Geht es das nächste Mal vielleicht ein, zwei Zeilen kürzer? ;-) Der Kommentar sollte nicht unbedingt 30 mal länger sein, als der ursprüngliche Artikel… ;-)

    siehe auch Blogregeln, Punkt 4. https://ivinfo.wordpress.com/blogregeln/

  10. @ Mia
    Wenn in 30 mal länger als der ursprüngliche Artikel das ausgesprochen wird, was viel im Hinterkopf auch denken, dann find‘ ich es gut, dass die Blogregel 4 verletzt wurde.

  11. ich sag ja, ich finde den Kommentar gut und wichtig – aber in der Regel bin ich froh, wenn man versucht, sich einigermassen kurz zu fassen…(keine Regel ohne Ausnahme ;-)

  12. @Mia & Titus, ich habe mich tatsächlich ausführlich zum Artikel geäussert und mich nicht kurz fassen können. Werde die Blogregel mehr zu beachten versuchen. Trotzdem noch ein Hinweis in dieser Sache: Mit Kurzfassungen arbeitet vor allem die SVP sehr erfolgreich. Wie eben aus meiner Antwort hervorgeht; es wird dabei vor allem das Kleinhirn und nicht das Grosshirn angesprochen ;)

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