17’000 Simulanten

Die Schaffhauser Nachrichten haben ja bekannterweise bezüglich IV-Berichterstattung einen sehr ausgeprägten Rechtsdrall (wahrscheinlich funktionieren aus diesem Grund Verlinkungen zu den Artikeln in den SN jeweils nach kurzer Zeit nicht mehr…), aber die Berichterstattung zur aktuellen IV-Revision enthält mal wieder ein ganz besonderes Zückerlein: «(…) laufen IV-Bezüger mit schwer nachweisbaren Beeinträchtigungen künftig verstärkt Gefahr, ihre Rente zu verlieren. Das Ziel: Simulanten sollen keine IV-Rente mehr erhalten. Insgesamt sollen so 16 000 bis 17 000 Menschen wieder in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden.»

Wir haben auch fast nicht gemerkt, dass die 16 000 bis 17 000 Einzugliedernden in einem Atemzug mit Simulanten genannt werden. Der sich daraus ergebende Sinnzusammenhang ist auch bestimmt reiner Zufall – Nicht wahr, Herr Bundeshausredakteur? Die Überschrift des Artikels lautet übrigens: «Mit Zuckerbrot und Peitsche.»

Wilkommen im Zirkus.

6 Gedanken zu „17’000 Simulanten

  1. „Simulanten sollen keine IV-Rente mehr erhalten.“

    Das ist eine absolute Frechheit. Michael Brunner glaubt also das ein grosser Teil der IV-Rentner nur Krank Spielen, und in wahrheit aber total gesund sind.

  2. Auch die Darstellung bezüglich Kostenwahrheit ist bei den Schaffhauser Nachrichten sehr tendenziös geschrieben. Die Schaffhauser Nachrichten lassenschon seit Jahren keine Gelegenheit aus, auf Behinderte einzuschlagen. Bundeshausredaktor Michael Brunner und Chefredaktor Norbert Neininger ist ohnehin ein sehr seltsames Gespann, deren politische Einstellungen nicht ganz klar sind. Man lese nur einmal die seltsamen Berichterstattungen der Schaffhauser Nachrichten nach den rechtsradikalen Aufmärschen vor fünf Jahren in Schaffhausen (Neininger war dazumal gerade zum Verwaltungsratspräsident der Meier + Cie AG avanciert). Die Schaffhauser Nachrichten haben übrigens mit der TAMEDIA (/News-Netz) – deren Berichterstattungen über Behinderte ebenfalls oft sehr tendenziös sind – engere geschäftliche Kooperationen. Wen wunderts?

  3. Mir fehlen die Worte. Was kommt als nächstens? Etwa Zwangsarbeitslager, speziell für IV-Bezüger mit schwer nachweisbaren Beeinträchtigung?
    Das ist für alle Betroffenen bereits psychische Folter!

  4. @ Geri,
    Ja, Zwangsarbeit ist heute auch beschossen worden:
    Art. 18a Arbeitsversuch
    1 Die Invalidenversicherung kann einer versicherten Person versuchsweise einen Arbeitsplatz für längstens 180 Tage zuweisen, um die tatsächliche Leistungsfähigkeit der versicherten Person im Arbeitsmarkt abzuklären.
    2 Während des Arbeitsversuchs hat die versicherte Person Anspruch auf ein Taggeld; Rentenbezügerinnen und -bezügern wird die Rente weiter ausbezahlt.
    3 Während des Arbeitsversuchs entsteht kein Arbeitsverhältnis nach dem Obligationenrecht (…)

    Heisst; der Arbeitgeber bekommt für 180 Tage eine Gratis-Arbeitskraft, da die IV Taggeld oder Rente weiter bezahlt.
    Und Verweigerung seitens der Betroffenen dieser «Arbeitsplatzzuweisung durch die IV» dürfte dann wohl als Verletzung der Mitwirkungspflicht gelten… was wiederrum Kürzung oder gar Streichung der Rente/des Taggeldes zur Folge haben kann.

    • Bemerkenswert ist dabei doch auch folgendes: Wenn nun jemand aufgrund der Behinderung mit der Arbeit überfordert ist, können ihm das die Beamten oder der Arbeitgeber als Kooperationsverweigerung auslegen und seine Rente kürzen. Er steht also unter einem hohen Leistungsdruck. Wenn er aber diesem Leistungsdruck tatsächlich gerecht wird, kann man ihn für arbeitstauglich erklären und aus der IV kippen. Einen Job hat er dann immer noch nicht, weil das Unternehmen ja keinerlei Verpflichtung eingeht. Er hat dann einfach ein halbes Jahr lang gratis gearbeitet, seinen Gesundheits-Zustand weiter verschlechtert und darf zum Dank noch zur Sozialhilfe. Die IV aber profitiert so oder so: Sie kann den Leuten die Rente kürzen oder aber sogar ganz streichen und sie als integriert verbuchen.

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