Folter & Trauma

Im Sommer 2010 publizierte das BSV eine Studie darüber, weshalb die Neuberentungsquote bei Migranten aus der Türkei und Ex-Jugoslawien deutlich höher liegt als bei Schweizern.

Neben vielen anderen Gründen (wie geringere berufliche Qualifikationen, Tätigkeit in körperlich anstrengenden Bereichen, ect.) wurden im Fazit der Studie auch «häufigere belastende biografische Faktoren» genannt. Was da so nüchtern formuliert daherkommt, heisst gerade bei Migranten aus der Türkei und Ex-Jugoslawien oft: Folter – 70 Prozent der emigrierten, verfolgten Kurden wurden in der Türkei misshandelt.

Der Arzt Heinrich Kläui vom Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer des Schweizerischen Roten Kreuzes in Wabern erklärt im Gespräch mit der Berner Zeitung vom 19. Januar 2011, dass bei Folter heute bewusst immer öfter die sogenannte «weisse Folter» angewandt wird, das heisst Foltermethoden, die wenig bis keine sichtbaren Spuren hinterlassen und darauf abzielen die Psyche eines Menschen nachhaltig zu schädigen, beispielsweise durch elektrische Schläge, Nahrungsentzug, Isolationshaft, simuliertes Ertrinken, bekannt als «Waterboarding», erzwungene Positionen in engen Behältern, Vergewaltigungen.

Das schweizerische Rote Kreuz hat eine ausführliche Informationsschrift für Hausärztinnen und Hausärzte und Fachpersonen aus dem Gesundheits- und Sozialwesen zur Thematik «Folter und Trauma: Folgen und therapeutische
Möglichkeiten» herausgegeben. (43 Seiten, als PDF downloadbar)

Anlehnend an diese Publikation haben Heinrich Kläui und Conrad Frey im schweizerischen Medizin-Forum einem Fachartikel zum Thema «Folter- und Kriegsopfer in der hausärztlichen Praxis» veröffentlicht, indem sie die wesentlichen Punkte kompakt auf 4 Seiten zusammenfassen (Artikel als PDF).