«Dann steht es bös um die Männlichkeit»

Ein lesenswertes Interview mit Rosmarie Zapfl, ehemalige CVP-Nationalrätin und Präsidentin der Frauendachorganisation Alliance F in der WOZ, vornehmlich zur Waffeninitiative:

«Ich spreche viel mit jungen Männern, die sich massiv dagegen wehren, das Sturmgewehr abzugeben. Das Gewehr ist für sie ein Statussymbol. Stellen Sie sich vor: eine Tötungswaffe als Statussymbol. Wenn der alleinige Wert eines Mannes ist, ein Gewehr zu Hause zu haben, dann steht es bös um unsere Männlichkeit. Ich hoffe und erwarte, dass unsere Männer auch andere Werte haben.»

aber auch darüber, wie sie (als Frau, geboren 1939) politisiert wurde:

«Ich wurde als Mädchen geboren. Darum. Ich hatte in der Schule nicht die gleichen Rechte wie die Buben. Ich durfte nicht ins Englisch, nicht in die Algebra. Meine Schwestern und ich gehörten zu den wenigen im Dorf, die eine Lehre machten.(…)

Mit 21 Jahren heiratete ich einen Mann aus Österreich. Für ihn war es unglaublich, dass Frauen hier nicht ihre eigenen Rechte haben. Dann kamen die Kinder, und ich musste feststellen, dass ich als Schweizerin Ausländerkinder bekomme. Als wir unsere eigene Firma gründeten, liess ich mir meine zweite Säule ausbezahlen. Der Briefträger brachte das Geld zur Haustür und durfte es mir nicht aushändigen, wenn mein Mann nicht zuhause ist.

Und als Stadträtin in Dübendorf wurde ich angefragt, Verwaltungsrats-präsidentin einer neu zu gründenden kleinen Firma eines Bekannten zu werden. Als ich aufs Notariat kam, wurde ich gefragt, wo mein Mann sei, er müsse schliesslich unterschreiben. Dabei war ich Stadträtin in Dübendorf, habe x Formulare unterschrieben. Alle diese Erfahrungen haben mich politisiert.»

Mir scheint, diese Mentalität steckt noch tief drin in vielen Schweizer Köpfen. Und nicht nur in denjenigen der Männer.

2 Gedanken zu „«Dann steht es bös um die Männlichkeit»

  1. Ich finde, die nominell weibliche Abstimmungsüberlegenheit hätte die längst überfällige Gewaltumkehr jederzeit in ihren Händen.
    Die traurige Wahrheit ist, dass auch die mehrheitlich abstimmende Weiblichkeit auf gewalttätige Machoismen steht, bzw. in der Regel zu bequem ist, sich dagegen ins Zeug zu legen.

    Beispiel gefällig? Siehe unmögliche Folgen seit dem 5. IV-Revisionsbschiss 2007 – ebenfalls mit „gottgefälliger“, weiblicher Mehrheitsunterstützung, nota bene
    ;-)
    http://www.zslschweiz.ch/themen/detail.php?tid=3

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