Ey, hast du Problem oder was? [2. Teil]

Nicht nur in Basel, auch beim Bund findet man die Vorgaben durch das Behindertengleichstellungsgesetz, BehiG (gültig seit 2004)  irgendwie… sagen wir mal irrelevant. Insbesondere den Artikel 22:

Art. 22 Anpassungsfristen für den öffentlichen Verkehr

1 Bestehende Bauten und Anlagen sowie Fahrzeuge für den öffentlichen Verkehr müssen spätestens nach 20 Jahren nach dem Inkrafttreten dieses Gesetzes behindertengerecht sein.

Der Bundesrat will nämlich die Anpassungsfrist für Bauten, Anlagen und Fahrzeuge des öV an die Bedürfnisse von behinderten Personen um 15 Jahre bis 2038 verlängern. Damit soll die öV-Finanzhilfe aus dem Zahlungsrahmen des BehiG von 15 auf 5 Millionen Franken pro Jahr gekürzt werden. Also es geht um 10 Mio pro Jahr weniger für behinderten-gerechte Umbauten – weil diese 10 Mio sind ein Problem, ja? Aber 1,3 Mia (Milliarden, nicht Millionen!) Einsparungen pro Jahr auf Kosten der IV-Bezüger (IV-Revision 6a: 500 Mio jährlich, IV-Revision 6b: 800 Mio jährlich) das geht klar, ja?

Aber sonst geht’s euch allen gut in Bern? Keine Probleme mit Zahlen und Logik und so? Weil der Herr Ritler, der sagte kürzlich im Interview mit dem Tagi folgendes: «Selbst Querschnittgelähmte haben nicht von vornherein Anspruch auf eine Rente. Ein medizinisches Grundproblem ist kein Freipass für eine Rentenleistung. Ich könnte meine Arbeit auch als Querschnittgelähmter machen. Ich bekäme aber allenfalls einen Beitrag an den Rollstuhl.»

Na wenn da Frau Sandoz mal nichts dagegen hat, Herr Ritler… ein IV-Chef im Rollstuhl, das wäre doch nur «falsch verstandene Gleichberechtigung»… Aber abgesehen davon, ist die Schweiz ja totaaaal behindertenfreundlich und barrierefrei. Herr Ritler könnte das mal im Selbstversuch austesten und eine Woche lang seine Arbeit «genau wie sonst» machen, einfach im Rollstuhl sitzend. Er dürfte sich noch wundern… Das wäre dann vielleicht mal ein erhellendes Erlebnis. Er dürfte dann auch gerne BR Leuthard vom UVEK von seinen Erfahrungen erzählen, denn das UVEK bereitet gerade die Vernehmlassung vor, die die oben erwähnte Sparmassnahme beinhaltet.