Newsnetz über MEDAS: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing

Die finanzielle Abhängigkeit der Medas von der IV ist (endlich!) Thema beim Newsnetz. Sogar der Ausdruck «Wes Brot ich ess, des Lied ich sing» fällt und der Artikel ist mit einer Grafik illustriert, die aufzeigt, zu wieviel Prozent die jeweiligen Medas finanziell von der IV abhängig sind

Quelle der Grafik ist die II. sozialrechtliche Abteilung des Bundesgerichts in Luzern, welche die Daten kürzlich für ein Verfahren zusammengetragen hat (Liebes Newsnetzt, es wäre noch interessant gewesen, für welches Verfahren).

Augenfällig ist; das grösste Begutachtungszentrum der Schweiz, das ABI Basel, hat dem Bundesgericht keine Zahlen abgeliefert. Dies mit der Begründung, man verfasse keinen Jahresbericht, habe die angefragten Auskünfte deshalb «nicht greifbar» und müsste die Zahlen zuerst «aufwendig zusammenstellen».

Keine Zahlen und keinen Jahresbericht? Are you kidding me? Hm ja, genau so stelle ich mir ein seriöses Unternehmen vor, das vom Bundesamt für Sozialversicherungen jährlich Aufträge in Millionenhöhe erhält

Wenn es aber nach dem BSV geht, fliesst das Geld vielleicht bald in nicht mehr ganz so leicht nach Basel zum ABI. BSV-Sprecher Rolf Camenzind sagt, «man wolle sicherstellen, dass die Medas künftig nur noch einen gewissen Anteil ihrer Aufträge über die IV abwickeln und damit unverhältnismässige finanzielle Abhängigkeiten verhindern». Zudem soll auch die Auftragsverteilung neu organisiert und die Medas künftig durch das Zufallsprinzip als Gutachter ausgewählt werden (Bisher wählen die kantonalen IV-Stellen die Gutachter selber aus).

Der Newsnetzartikel erwähnt am Schluss auch noch die parlamentarische Initiative «Faire Begutachtung und rechtsstaatliche Verfahren» der Berner SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen. Was nicht erwähnt wird: Die vorberatende Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrates empfielt, der Initiative keine Folge zu geben. Da darf man sich dann schon mal fragen, wer in dieser Kommission wohl alles etwas gegen eine faire Begutachtung hat. Und warum. Könnte die IV-Sanierung gefährden, hm? Lief doch so gut bis jetzt. Hat auch keiner (ausser den direkt Betroffenen) gemerkt, auf welche Weise die jeweils stolz präsentierten niedrigeren Zahlen bei den Neurenten zu Stande gekommen sind. Zumindest bis jetzt nicht.