Wer nie IV-Leistungen erhalten hat, kann auch nicht von der IV in die Sozialhilfe wechseln

Und gleich nochmal was aus der Propaganda-Ecke: Folgende SDA-Meldung wurde heute Nachmittag unbearbeitet in verschiedene Online-Medien eingespeist:

Seltener Wechsel von der IV in die Sozialhilfe

Entgegen einer landläufigen Meinung ist der Wechsel von der Sozialhilfe in die IV viel häufiger als von der IV in die Sozialhilfe. Zwischen 2008 und 2009 wechselten laut Angaben des Bundesrats zwölfmal mehr Menschen von der Sozialhilfe in die IV als umgekehrt.

Wie der Bundesrat in einer am Dienstag veröffentlichten Antwort auf eine Interpellation von Marie-Thérèse Weber-Gobet (CSP/FR) schreibt, hatten rund 4000 IV-Neurentnerinnen und -Neurentner aus dem Jahr 2009 im vorangegangenen Jahr eine Sozialhilfeleistung bezogen. Demgegenüber bezogen nur rund 300 Personen Sozialhilfe, die im vorangegangenen Jahr noch eine IV-Rente erhalten hatten.

Weitere Ergebnisse aus dem Monitoring zu den Wechseln zwischen Sozialhilfe, Invalidenversicherung und Arbeitslosenversicherung will der Bundesrat diesen Sommer veröffentlichen.

Quelle: sda

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Nur(?) 300 wechseln von der IV (direkt) in die Sozialhilfe? Das sind ja mehr Menschen, als im selben Zeitraum als IV-Betrüger entlarvt wurden. Warum schreibt denn da der Blick nicht über jeden einzelnen eine Story?

Und die 4000(!) Neurentnerinnen, warum mussten die vor ihrem IV-Bezug überhaupt Sozialhilfe beziehen? Weil die IV erstmal die Anträge abgelehnt hat oder/und jahrelang abgeklärt hat…?

Und ausserdem: Wo werden diejenigen erfasst, die vor dem Sozial-hilfebezug gar nie eine IV-Rente erhalten haben, weil sie nämlich zum Beispiel ein Krankheitsbild haben, welches die IV einfach mal ganz generell nicht als invalidisierend einstuft? Natürlich wechseln die nicht von der IV in die Sozialhilfe, denn wer nie IV bekommen hat, kann ja auch nicht von der IV in die Sozialhilfe wechseln… Die BSV-Studie «Quantifizierung der Übergänge zwischen Systemen der Sozialen Sicherheit» von 2009 hatte da mal ganz interessante Zahlen bereit: «Von 2004 – 2006 wurden 35’000 Rentengesuche abgelehnt, davon bezogen später 10’000 Personen Sozialhilfe.» Die Abweisungsquote stieg dabei von 2002 bis 2006 von 23 % auf 38 %. Heute beträgt sie rund 45 % (Bei einzelnen IV-Stellen wie dem CSI-Aargau beträgt die Ablehungsquote bei den Neurenten gar 54,6%).  Die Zahl derjenigen, die aufgrund einer Ablehung von der IV in der Sozialhilfe landen dürfte also noch deutlich gestiegen sein.

Ich bin ja mal gespannt, ob diese Zahl (von der IV-Ablehnung – nach Aufbrauchen des gesamten Vermögen, Verkaufen des Autos ect – in die Sozialhilfe) im versprochenen Monitoring auch erhoben wurde. Und auch die Zahl der von der IV Abgelehnten, welche keine Sozialhilfe erhalten, aber von Verwandten unterstützt werden (müssen) täte mich sehr interessieren.