Der Blick legt nach

Gestern vermeldete der Blick, dass die Boxerin Aniya Seki aufgrund ihrer Bulimie eine IV-Rente «kassiere» und die Kommentatoren durften sich entrüsten. Heute legt der Blick nochmal nach und befragt Passanten, ob sie Sekis IV-Rentenbezug für korrekt halten. Und wer sein Gesicht nicht in die Kamera halten mag, der darf dafür auf Blick.ch anonym darüber abstimmen, ob er eine IV-Rente aufgrund von Bulimie ganz generell für gerechtfertigt hält oder nicht.

Bildquelle: Blick.ch

Was kommt als nächstes beim Blick? Bilder von Krebspatienten mit «I like»- Buttons drunter, wo man darüber abstimmen kann, ob deren Behandlung von der Krankenkasse bezahlt werden soll oder nicht? Ja, wir leben (zum Glück) in einer Demokratie – aber es gibt gute Gründe, warum über gewisse Dinge nicht demokratisch entschieden werden soll.

Und es würde dem einen oder anderen (insbesondere den Verantwortlichen bei gewissen Online-Medien) gut anstehen, sich nicht nur über die ppphhhöööse cybermobbende Jugend zu entrüsten, sondern sich mal zu überlegen, wie es denn mit der eigenen Vorbildfunktion diesbezüglich aussieht.

4 Gedanken zu „Der Blick legt nach

  1. Ja typisch Tratschblatt das langsam zu einem Sprachrohr der bürgerlichen Abzockerparteien die darin einen Grund mehr sehen Ihre Sparzwänge weiter vorantreiben zu müssen

  2. Ich halte den Blick nicht fuer besonders politisch. Die wollen erstmal eins – Auflagen loswerden. Dazu sind ihnen alle Dinge recht, die schon im Mittelalter Spass machten – mit Dingen auf Leute werfen, mit dem Finger zeigen, verhoehnen, masslos uebertreiben, Voyeurismus zelebrieren, Vorverurteilungen, alle Art von Denkaufwand sparenden Vorurteilen und natuerlich das Hineintreten und Auspeitschen ohnehin Benachteiligter. Das ist ausserdem nicht neu, sondern guter alter Boulevard. Deswegen gilt die Bildzeitung in Deutschland und bei uns der Blick auch als echtes No Go, als Zeitung, die man grundsaetzlich nicht kaufen sollte, da sie Werte vertreten, die als auesserst problematisch anzusehen sind. Ich denke nicht, dass es sich auf politische Richtungen reduziert, was der Blick in unserer Gesellschaft darstellt.

  3. Es gibt eben nur eines, sobald die Rente sistiert wird, sich OHNE VERZOEGERUNG beim Sozialamt melden, damit man nicht vollends in ein finanzielles Loch fällt. Uebrigens, so ganz aussichtslos sind Beschwerden gegen Verfügungen der IV nicht. In Basel Stadt zum Beispiel wurden im Jahre 2010 235 Beschwerden durch Sozialversicherungsgericht und Bundesverwaltungsgericht erledigt. Davon 103 zu Gunsten der Rentner. Nur beim Bundesgericht unterlagen von 26 Beschwerden 19 Rentner. Das Verhältnis obsiegen/unterliegen hat sich an und für sich zu den vorgehenden Jahren nicht gross verschoben. Die unteren Gerichtsinstanzen sind scheinbar auch nicht darauf erpicht, dass zuletzt das Sozialamt für den Behinderten aufkommen muss. Anders sieht es leider bekanntlich beim Bundesgericht aus. Eine neuere gesamtschweizerische Statistik habe ich leider (noch) nicht gefunden.

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