Wer hat’s erfunden?

René Staubli hat für den Tagesanzeiger einen weiteren Artikel über die IV geschrieben. Er trägt den passenden Titel: «Das ist doch pervers» und berichtet über Elsbeth Isler, die unter schweren chronischen Rückenschmerzen leidet und von der IV (mit freundlicher Unterstützung des ABI Basel und dem in dessen Auftrag eingeflogenen Orthopäden Johannes Bekic aus Wien) als zu 80% arbeitsfähig eingestuft wird.

Richtig «pervers» sind auch einmal mehr gewisse Kommentare. Da gibt es offenbar immer noch Leute, die schlicht und einfach nicht verstanden haben, was seit einigen Jahren in unserem Land passiert. Die denken, dass wenn ihnen selbst etwas zustossen würde (was natürlich nie passieren wird, da sie so hochwohlanständige und rechtschaffende Menschen sind), aber falls eben doch, wären sie doch immerhin versichert, und die Versicherung, die würde dann in ihren Fall natürlich – weil sie ja schliesslich ihr ganzes Leben lang Beiträge bezahlt und immer rechtschaffend und auch Schweizer Pass seit Geburt und so – also die Versicherung, die würde bei ihnen dann doch sicher erkennen, dass sie natürlich wirklich krank wären. Und die Ärzte der Versicherungen, die würde doch auch – denn es sind doch Ärzte immerhin, und die würden doch nicht… und wenn alle Stricke reissen, so würden dann doch zumindest die Gerichte… Die Gerichte in unserem Land, die würden dann doch aber dafür sorgen, dass der rechtschaffende Bürger zu seinem Recht kommt im Falle eines Falles – oder? Denn in unserer perfekten Schweiz, da hat alles seine Ordnung. Die Versicherungen versichern, die Versicherungsärzte sind unabhängig und die Richter ebenfalls. Und wer durch die Maschen fällt, der muss selbst schuld sein. Und auf jeden Fall ein Simulant.

Nicht nur das Kräuterbonbon, auch die Selbstgerechtigkeit wurde offensichtlich in der Schweiz erfunden.

7 Gedanken zu „Wer hat’s erfunden?

  1. Zumindest spricht sich ein grosser Teil der Kommentare gegen die IV aus und auch Brinkmann erhält sein Fett ab. Ich hoffe es bleibt so, wenn es dann um das Referendum gegen die IV-Revision 6b geht.
    P.S.: Es wird gemunkelt, dass Burkhalter die Schauze vom EDI voll hat und nach den nächsten Bundesratswahlen evtl. einen Departementswechsel ins Auge fasst. Späte Einsicht !

  2. Na toll, Burkhalters Nachfolger wird dann wahrscheinlich ein SVP-ler… Wichtiger wäre ja aber eigentlich, dass sich die Mehrheiten im Parlament etwas ändern. Wunschdenken…

  3. „Anwälte kritisieren den Fall einer IV-Bezügerin, die trotz schweren Gebrechen gesundgeschrieben wurde, als üblich. Die Zürcher IV-Stelle weist die Vorwürfe zurück und kündet eine intensivere Betreuung an.“

    Sowas nehme ich nicht mehr hin. Ich will keine Zurückweisungen von Vorwürfen inkl. halbherzige Verbesserungsabsichten. Ich will Fehlereingeständisse und materielle Entschädigung. Ich hab Fantasie, geschätzte Dorfgemeinschaft, diese IV-Politik ist nicht hinnehmbar und ich erwarte von Burkhalter dass er bleibt wo er ist, sollte er bestätigt werden.

  4. Wir können auch über den „Normalfall“ diskutieren – selbstverständlich mit gutem Anwalt (Sonst geht nämlich gar nichts): Der ist genauso stossend: Jahrelanges Warten mit sozialem Abstieg in die Sozialhilfe: Bange Frage: „Darf ich meine Wohnung behalten“? – Zum Schluss „glücklicher Ausgang“: Die IV und die Pensionskasse bezahlen und zurück bleibt ein gesundheitlich eindeutig geschwächter Behinderter. Aber 7 Jahre Ungewissheit sind schon nötig……. fragt sich bloss für was. – Böse Zungen behaupten, damit der Versicherte….. na lassen wir das: Wir wollen nicht undankbar werden!

  5. Noch eine Ergänzung zu oben: Der ABI -Internist Christoph Simonett wird beim Institut gerne als Fall führender Arzt eingesetzt. Dieser Arzt war früher als RAD-Arzt bei der SVA-IV Zürich tätig. Gemäss meiner Recherchen findet zwischen IV und diesem Arzt offenbar eine Kommunikation statt die aus der publizierten SVA IV-Akte (medizinische Fragestellung an die Gutachter) nicht hervorgeht. Falls Sie ein fertiges Gutachten besitzen, so finden Sie die medizinische Fragestellung dann in der Einleitung. Die SVA-IV Zürich erlaubt bisher keinen vollständigen Einblick in die Gutachterfragen und es kommt vor dass die IV sie bei der Fragestellung glatt belügt (am Telefon). Dies trifft vor allem bei komplexen (Teil)-Diagnosen wie „somatoforme Schmerzstörung“ zu. In diesem Fall werden ihnen vermutlich auch Eingliederungsmassnahmen/Berufsberatung und IIZ bis mindestens zur Rentenabklärung verweigert durch totschweigen oder folgender Auskunft: ohne Begründung: „Weitere medizinische Abklärungen notwendig“.

  6. Dr. Rüdiger Brinkmann vom ZVMB, Bern, hat vor ca. einem Monat die Zulassung erhalten. Dies bestätigte mir heute die IV-Regionalstelle Bern. Die IV Bern machte weitere Gutachteraufträge von der Zulassungsbewilligung abhängig, worauf Brinkmann die notwendigen Papiere einreichte. Wie ich erfahren musste, hätte Brinkmann die Zulassung längst erhalten, denn bei Aerzten aus Deutschland ist dies eine reine Formsache (also keine zusätzliche Prüfung notwendig).

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