Arbeitstraining, reloaded

Ich glaub, wenn man anfängt, Textbausteine willkürlich miteinander zu kombinieren, ist man kurz vor ferienreif…

Aber ein hübsches Paar sind sie schon, die Werbung in der bereits erwähnten Broschüre der IV-Stelle Schwyz für die zeitlich befristeten(!) und den Arbeitgeber zu überhauptgarnichtsverpflichtenden sogenannten Trainingsarbeitsplätze einerseits:

Die IV-Stelle Schwyz engagiert sich für die berufliche Eingliederung von Menschen mit gesundheitlichem Handicap. Sie hat den Auftrag, die Leistungs- und Erwerbsfähigkeit von Rentenbezügern mit Hilfe von gezielten Eingliederungsmassnahmen soweit zu verbessern, dass eine Wiedereingliederung möglich wird und die Rente nicht mehr oder nur noch reduziert benötigt wird.
1. Ziel und Zweck der Trainingsarbeitsplätze
– Gewöhnung an den Arbeitsprozess im Arbeitsmarkt
– Aufbau der Arbeitsmarktfähigkeit
(…)

Und der Auszug aus der Verordnung zur IV-Revision 6a andererseits:
(…) eine Eingliederung für die Invalidenversicherung dann abgeschlossen ist, wenn die Rente herabgesetzt oder aufgehoben wird, weil sich der Invaliditätsgrad erheblich geändert hat – unabhängig davon, ob die betroffene Person nach Herabsetzung oder Aufhebung über eine Arbeitsstelle im ersten Arbeitsmarkt verfügt.

Clevere Idee eigentlich, zuerst die IV-Bezüger bis zu sechs Monate (für den Arbeitgeber kostenlos) arbeiten lassen (der IV-Bezüger ist zur Mitwirkung verpflicht) und nach «erfolgreicher» Trainingsphase hat er zwar keinen Job, aber die Rente kann ihm gestrichen werden. Und genau deshalb kritisiere ich, dass die Arbeitgeber nicht mal einen Teillohn bezahlen müssen: Eine effektive Arbeitsmarktfähigkeit ist erst dann erreicht, wenn ein Arbeitgeber auch bereit ist, etwas für die geleistete Arbeit zu bezahlen. Denn was nichts kostet, ist auch nichts wert. Es ist dann in diesem Zusammenhang schon höchst absonderlich, dass die Arbeitgeber, die immer betonen, dass es eine totaaaale Diskrimnierung der IV-Bezüger wäre, wenn man sie nur als Quotenbehinderte einstellen würde, es aber überhaupt nicht diskriminierend finden, die selben IV-Bezüger als Gratisarbeitskräfte vorübergehend zu beschäftigen (wir erinnern uns: es entsteht kein Arbeitsvertrag nach OR – abgesehen davon, dass dem IV-Bezüger alle Pflichten eines Arbeitsverältnisses nach OR auferlegt werden). Ihr seid schon lustig beim Arbeitgeberverband und der ecomnomiesuisse mit euren kruden Rechtfertigungsversuchen, warum Quoten bööööööse sind, aber Gratisarbeitsversuche suuuuper. Durchschauts auch fast keiner.

Oh und hat jemand was von zynisch gesagt? Warten wir mal die Beratung der IV-Revision 6b vom kommenden Montagnachmittag im Ständerat ab, dann können wir uns nochmal über Zynismus unterhalten. Dagegen wirkt das hier dann wahrscheinlich wie ein nettes Gutenachtgeschichtchen. Falls dem nicht so sein sollte, werde ich mich am Montagabend beschämt in eine Ecke stellen und hundertmal wiederholen: «Ich soll nicht immer so polemisches  Zeug schreiben, ich soll nicht immer so polemisches Zeug schreiben, ich soll nic…

4 Gedanken zu „Arbeitstraining, reloaded

  1. „Durchschauts auch fast keiner“. Das durchschauen nur jene nicht die noch keine einschlägigen Erfahrungen mit der Umsetzung von IV -Revisionen gemacht haben.

    Doch, doch -es werden Arbeitslager für Behinderte entstehen, weil es möglich ist sie zu solchen zu machen.

    Jeder der mit der IV länger zu tun hat der weiss, da arbeiten Bürokraten, Juristen und Ärzte zusammen um so vielen Menschen wie möglich die Rente abzusprechen -es gibt nach meiner Erfahrung keinen anderen Zweck mehr im Rentenabklärungsverfahren. Die Krankeit der Behinderten wird marginalisiert während ihnen jeder auch nur kleinste Verhaltensfehler zum Verhängnis wird. Selbst die Konstruktion, also die reine Erfindung von Verhaltensfehlern ist zur Routine bei der IV. Man kann sich dagegen nicht beschweren, entsprechende Briefe werden entweder schubladisiert oder dem Lügner (meistens MEDAS) zur einfachen Bestätigung der Lüge überreicht.

    Ich zweifle nicht im Geringsten daran dass sogar Firmen entstehen werden deren Geschäftsmodell darin besteht mit „Gratisarbeitsplätzen“ den Umschlagsplatz zur Ausgliederung Behinderter aus der IV Hand anzubieten.
    Diese Firmen oder besondere Firmenarbeitsplätze werden dazu dienen die Arbeitsfähigkeit eines Behinderten zu „beweisen“. Danach werden diese Menschen in den Arbeitsmarkt entlassen -wo sie dann höchst wahrscheinlich als Ausgesteuerter der Gesellschaft zum biligeren Balast fallen werden.

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