Im Aargau wundert man sich

Die SVA Aargau vermeldete in ihrem Jahresbericht 2010 (veröffentlicht im Mai 2011) stolz: «Der Auditbericht (des BSV) attestiert der IV-Stelle eine grosse Leistung(…) Die Neurentenquote ist tief, wesentlich besser als der schweizerische Durchschnitt».

Die Aargauer Zeitung konkretisierte dies noch und schrieb am 19.05.11 (unter dem Titel «Der Kanton Aargau ging gegen 24 IV-Bezüger vor»):
«Die Ablehnungsquote betrug 54,6 Prozent – fünf Jahre zuvor hatte sie bei 38,7 Prozent gelegen. Die SVA zahlte 2010 IV-Renten in der Höhe von 271,3 Millionen Franken aus – rund 5 Millionen Franken weniger als im Vorjahr.»

Diese massiven Einsparungen wurden nicht nur mit der hohen Ablehungsquote und dem schonungslosen Aufdecken von IV-Betrug erreicht, sondern – dies ist wiederum in derem Jahresbericht nachzulesen – auch mit Aufhebung von bestehenden Renten (zwischen 2005 und 2010 wurden von der IV-Stelle Aargau insgesamt 2 324 Renten aufgehoben und 1 327 Renten reduziert).

So. Und nun wundert sich die Aargauer Zeitung am 30.1.2012 über die im schweizerischen Vergleich überdurchschnittlich hohe Zunahme von Sozialfällen in verschiedenen Aargauer Städten und Gemeinden. Man redet von «Wirtschaftskrise» und «Verschärfungen bei der ALV».

Es würde der Aargauer Zeitung gut anstehen, bei der Veröffentlichung des nächsten Jahresberichtes der SVA Aargau nicht wieder auf deren plumpes Ablenkungsmanöver mit den Betrügern hereinzufallen, sondern auch die restlichen Zahlen etwas genauer unter die Lupe zu nehmen und vielleicht auch mal den einen oder anderen Zusammenhang herzustellen.

Einfach verschwinden tun die Leute nämlich nicht, auch wenn das gewisse Exponenten noch so gerne behaupten. Viel eher ist es wohl so, wie die Luzerner Sozialarbeiterin Katharina Hubacher es beschreibt: «Menschen, die keine IV-Rente erhalten, kommen mit der Zeit doch zur Sozialhilfe. Es dauert bloss etwas länger»

Vielleicht begreift man das im Aargau auch noch irgendwann. Die Freude der dortigen Sozialbehörden über das Lob des BSV an die IV-Stelle Aargau für deren grosse Leistung dürfte sich jedenfalls in engen Grenzen halten…