Ideen für die Zukunft der IV

Im letzten Blogartikel habe ich IV-Chef Ritler als Buchhalter ohne Visionen bezeichnet. Aber meckern ist ja immer einfach. Deshalb würde ich mich sehr freuen, wenn meine geschätzte Leserschaft in den Kommentaren unter diesem Artikel ihre Ideen zur IV mitteilt.

Hier mal einige Ideen (Liste natürlich total unvollständig) meinerseits:

  • Das ominöse und diskriminierende Konstrukt der Foerster-Kriterien soll durch eine Invaliditätsbemessung ersetzt werden, welche sich an den Richtlinien der ICF (International Classification of Functioning, Disability and Health) orientiert; das heisst; bei Schmerzpatienten und psychisch Erkrankten würde dann nicht nach dem «alles oder nichts-Prinzip» entschieden, sondern es würden wohl vermehrt Teilarbeitsfähigkeiten resultieren.
  • Damit Schmerzpatienten/psychisch Erkrankte angemessen eingegliedert werden können, braucht es eine spezifische Forschung: Welche Interventionen bei diesen Erkrankungen tatsächlich eingliederungswirksam sind; welches Setting bei welcher Erkrankung ect. Zudem sollten spezialisierte Programme für diese Personengruppe – bspw. in Zusammenarbeit mit psychiatrischen Kliniken – entwickelt werden.
  • Keine reinen «Schreibtischärzte» bei der IV: Ärzte, die beim RAD arbeiten oder für die IV Gutachten verfassen, müssen mindestens einen Tag in der Woche in der Praxis arbeiten (Im Spital, Gruppenpraxis, ect).
  • And for the record: Erworbene Behinderungen/Erkrankungen haben nur in ganz seltenen Fällen einen Einfluss auf die Intelligenz. Es wäre also schön, wenn man die Betroffenen von Seiten der IV auch so behandelt würden: Als normalintelligente, erwachsene Menschen.
  • Dazu gehört auch, dass man von der Idee wegkommt, erkrankte/behinderte Menschen wären durch ihre Erkrankung/Behinderung zu dummen, kleinen Faultieren mutiert, denen man mittels «Arbeitstrainings» nun wieder die zwinglianische Arbeitsmoral beibringen müsste. Viel gescheiter wäre es, Betroffene dabei zu unterstützen, wie sie lernen können, Erkrankung und (Teilzeit-)Berufsleben unter einen Hut zu bringen. Darin besteht die wirkliche Herausforderung bei einer Eingliederung. Die Erkrankung dabei verleugnen zu müssen (da sie mit genügend Anstrengung angeblich «eliminierbar» sei) führt nirgends hin: Ausser noch tiefer in die Krankheit.
  • IV-Stellen und BSV sollen mit guten Beispiel vorangehen und vermehrt Menschen mit (unterschiedlichen!) Behinderungen/Erkrankungen einstellen.
  • Bei der Neuentwicklung/Umgestaltung von IV-Bereichen, die Behinderte direkt betreffen, sollten Betroffene in beratender Funktion einbezogen werden. Es ist nämlich nicht das selbe, ob ein NICHT-Behinderter Angestellter einer Behinderten-Organisation die «Interessen» der Behinderten vertritt oder jemand, der z.B. selbst im Rollstuhl sitzt oder eine chronische Erkrankung hat.
  • Die falschen Anzreizsysteme welche die Invalidenversicherung dazu verführen, Kosten auf andere Kostenträger (Gemeinden, Kantone, andere Versicherungen) abzuwälzen (und dadurch das Leben der Betroffenen zusätzlich verkomplizieren und die Kosten für die Gesellschaft teilweise sogar insgesamt erhöhen) sollen wo immer möglich eliminiert werden.
  • Eine externe Stelle (sicher nicht die IV selbst, das sehen wir anhand der BSV-Studien, wie falsch das dann kommuniziert wird), sollte mal die Kundenzufriedenheit der IV-Kunden untersuchen. Da könnte man dann wohl einiges draus lernen. Wenn man denn wollen würde.
  • Systemische Vision:
    IV-Renten, Ergänzungsleistungen und Erwerbseinkommen müssen endlich gleich besteuert werden, ansonsten führt das zu diversen Absurditäten.

So und nun bin ich gespannt auf Ihre/Eure Ideen, bitte möglichst kurz, prägnant und einigermassen realistisch formulieren («IV-Renten für alle!» ist beispielsweise kein zukunftsträchtiger Ansatz ;-)