Sonntagslinks – Arbeit als Sinn oder sinnvolle Arbeit?

Im letzten Beobachter sind drei lesenswerte Artikel zum Thema Arbeitsintegration erschienen:

«Arbeiten um jeden Preis»  zeigt u.a. auf, in welchem schwierigen Spannungsfeld sich Integrationsfirmen bewegen; Wirtschaftlich sollen sie sein, aber nicht das örtliche Gewerbe konkurrenzieren, die Klienten sollen gefordert sein, aber nicht überfordert und sich ausserdem nicht «zu wohl fühlen» und «zu erfolgreich» sollten die Integrationsfirmen auch nicht sein, denn: «Letztlich leben Sozialunternehmer wie Martinelli und die staatlichen Sozialarbeiter vom Geschäft mit Arbeitslosigkeit. Martinelli weiss das. Vor kurzem war er zusammen mit Vertretern anderer Sozialfirmen und weiteren Akteuren zur Sozialkonferenz der Stadt Biel eingeladen: «In einer Diskussionsrunde sagte ich: ‹Wenn unsere Mitarbeiter und die Klienten der Sozial behörden alle Arbeit fänden, wären wir auf einmal alle arbeitslos.› Da war es für einen Moment still.»

Und bezüglich der Messbarkeit von Integrationserfolgen ist folgende Aussage von Harald Sohns, Sprecher des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV) ziemlich aufschlussreich: «Wenn die IV gemäss ihrem Auftrag jemanden erfolgreich eingegliedert hat, heisst das nicht zwingend, dass diese Person eine Stelle im ersten Arbeitsmarkt gefunden hat».

«Druck bringt überhaupt nichts» sagt Hannes Lindenmeyer, Experte für Arbeitsintegration und Organisationsberater im Interview.

«Eine Firma, aber nur zum Üben»: In Praxisfirmen handeln Arbeitslose mit fiktiven Waren 
und führen so penibel Buch, als wäre alles echt. 
Rund 20 Millionen Franken gibt der Bund dafür jährlich aus.

«Macht das wirklich Sinn? »Fragt man sich da. Als direkte Gegenüberstellung zur komplett sinnbefreiten Arbeit ein empfehlenswerter Artikel aus der Zeit:

Wollen die auch arbeiten? Über die Generation Y der heute um die 30-jährigen: Von den Unternehmen erwartet die Generation Y, dass sie umdenken und sich auf ihre Ansprüche einstellen. Selbstbestimmt und flexibel wollen sie arbeiten, das fand die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC heraus. Autoritäten zweifeln sie erst einmal an, es sei denn, der Chef beeindruckt sie. Kollegialität und persönliche Entwicklung rangieren bei ihnen ganz oben, und erst am Schluss von insgesamt 19 Kategorien stehen bei ihnen – laut einer Studie des Berliner Instituts trendence – Status und Prestige.

Y wird im Englischen ausgesprochen wie why, das englische Wort für warum. Und tatsächlich hinterfragen die »Millennials« so ziemlich alles: Muss das Unternehmen der Umwelt schaden? Ist das, was der Chef sagt, immer richtig und gut für alle? Und: Warum sollten Familie und Karriere nicht vereinbar sein?

Die Generation Y will durchaus arbeiten, aber nach ihren Bedingungen; der Job muss Spass und Sinn machen, dann sind sie auch bereit, überdurchschnittliches zu leisten, ihr Motto lautet: «Wenn ich mich wohlfühle, profitiert davon die Firma».