Wieviele IV-Bezüger tatsächlich eingeliedert wurden? – Dazu haben wir aktuell keine statistischen Daten.

Am 1. Juni 2013 titelte die Handelszeitung: Über 16’600 IV-Rentner fanden 2012 wieder eine Stelle. Klingt sensationell, ist aber kompletter Quatsch. Denn die «Integrierten» waren in den allerwenigstens Fällen vorher IV-Bezüger. Jean-Philippe Ruegger, Präsident der IV-Stellen-Konferenz erklärte in einem Interview mit der Zeitschrift «Sozialversicherung aktuell» (Ausgabe 12/13), dass es dabei hauptsächlich um ArbeitnehmerInnen mit gesundheitlichen Problemen ging, die mittels der Frühintervention bei der IV gemeldet wurden.

In rund 10’000 Fällen konnte dann der (oder ein) Arbeitsplatz beim bestehenden Arbeitgeber mit Hilfe der IV (so sagt es jedenfalls Herr Ruegger) erhalten werden. In den restlichen 6000 Fällen konnte (mit Hilfe der IV, sagt Herr Ruegger) ein Arbeitsplatz bei einem neuen Arbeitgeber gefunden werden. Wieviele der Arbeitsplätze auch ohne (essentielle) Unterstützung der IV gefunden/erhalten worden wären (oder sind) sagt Herr Ruegger nicht.

Ebenfalls nicht besonders präzise äussert sich Ruegger auf die Fragen nach der Integration von IV-Bezügern:
«Was die 6. IV-Revision anbelangt, also die Wiedereingliederung von Personen, die bereits eine Rente beziehen, ist es jetzt noch zu früh. Es sind bestimmt einzelne Fälle dabei, aber noch nicht in bedeutender Zahl.»

Handelt es sich um ein paar hundert oder eine Hand voll?
«Es ist nicht möglich, das zu beziffern, weil wir aktuell keine statistischen Daten dazu haben. Die Wiedereingliederung von Personen, die bereits eine IV-Rente beziehen ist eine langfristige Arbeit. Es ist nicht wie bei der Frühintervention, die 3, 4, 5 oder 6 Monate dauert. Um Rentenbezüger wieder in ein Unternehmen einzugliedern, braucht es 1, 2, vielleicht sogar 3 Jahre. Je länger eine Person eine Rente bezogen hat, umso länger muss die Eingliederung vorbereitet werden.»

Ehrlicherweise müsste Herr Ruegger auch noch anfügen, dass es bei der von der Schlussbestimmung der IV-Revision 6a betroffenen IV-Bezüger mit PÄUSBONOG eher nicht um die Eingliederung geht. Sondern, wie Dieter Widmer (IV-Stelle Bern) in erstaunlicher Offenheit in der Radiosendung Doppelpunkt vom 15. November 2011 sagte: «Bei diesen Beschwerdebildern denkt man nicht in erster Linie daran, dass das Leute sind, die man eingliedern möchte (…) Jetzt hat man eine neue gesetzliche Grundlage geschaffen, um IV-Renten, die vor diesem Zeitpunkt gesprochen wurden aufzuheben.»

Bei der IVSK hat man zudem nicht nur «keine statistischen Daten» über die effektive Integration von bestehenden IV-Bezügern, wer nachfragt, kriegt auch folgendes zu lesen: «Wir verstehen Ihre Fragen und das Ziel Ihres Beitrages, aber leider müssen wir Sie enttäuschen. Die jährliche Erhebung, die wir bei unseren Mitgliedern durchführen, beschränkt sich auf die Totalzahl der Menschen mit Behinderung, die im ersten Arbeitsmarkt platziert werden konnten. Weitere Segmentierungen nach IV-Rentner, Teilzeitstellen, psychischen Krankheiten etc. wurden bei der Erhebung nicht nachgefragt.»

Oder auf deutsch: Wir erheben nur die Daten, die uns zum Ruhm gereichen und dann unter protzigen Headlines à la «Über 16’600 IV-Rentner fanden 2012 wieder eine Stelle» in den Medien präsentiert werden. Die schmutzigen Details lassen wir lieber unter den Tisch fallen.

3 Gedanken zu „Wieviele IV-Bezüger tatsächlich eingeliedert wurden? – Dazu haben wir aktuell keine statistischen Daten.

  1. Mich ärgert das sehr. Ich bin mir sicher, dass sehr viele Menschen das falsch verstehen, auch Gebildete (vielleicht sogar ein paar von unseren MilizparlamentarierInnen in Bern?). Wie soll ein ernsthafter Diskurs in einem demokratischen System stattfinden, wenn die Tatsachen verschleiert kommuniziert werden?

  2. es würde mich schwer wundern wenn jene menschen die im zuge der iv revision 6a die rente verlieren, die man so wie mich nicht eingliedern kann, in keiner statistik aufgeführt werden. so hat man es ja mit den ausgesteuerten auch gemacht. und wie heisst es so schön papier nimmt alles an. oder – man schönt die statistik und führt sie als eingegliedert!

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