Zwei Filmtipps

Unter Wasser atmen – Das zweite Leben des Dr. Nils Jent

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Als junger Mann verliert Nils Jent bei einem schweren Motorradunfall beinahe sein Leben. Ein medizinisches Wunder, dass er überhaupt überlebt. Als er aufwacht, ist er vollständig gelähmt, blind und sprechunfähig. Seine Intelligenz ist das einzige was unversehrt geblieben ist. Nur mit Hilfe seiner Augenlider kann er Kontakt zur Umwelt aufnehmen. Unermüdlich kämpft sich Nils gegen innere und äussere Widerstände ins Leben zurück.

Dank seines Willens und der bedingungslosen Unterstützung und Liebe seiner Eltern rücken Nils‘ Ziele langsam näher. Er holt die Matura nach, studiert, erlangt den Doktortitel. Doktor Nils Jent lehrt heute im Bereich Diversity Management an der Universität St. Gallen.

Ein grosses Anliegen ist dem frischgebackenen Professor und Direktor der angewandten Forschung am Center for Disability and Integration der Universität St. Gallen, wie Menschen mit einer Behinderung zum Nutzen aller in die Arbeitsprozesse und in die Gesellschaft einbezogen werden können. → Film angucken
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Goethe, Faust und Julia

„Den perfekten Menschen, den gibt es nicht“, rezitiert Julia auf der Bühne. Sie spielt Gott in Goethes Faust. Julia ist mit Down-Syndrom geboren und macht eine zweijährige Lehre als Schauspielpraktikerin. Geht das? Es geht. Und wie.

Der Film zeigt die zweijährige Ausbildungszeit von Julia Häusermann zur Schauspielpraktikerin. Am Theater HORA in Zürich lernt sie Rollen zu interpretieren und alles, was es sonst noch braucht, um eine gute Schauspielerin zu werden. Tanzen ist ihre grosse Leidenschaft. Die Kamera begleitet Julia auf ihrem manchmal mühsamen aber meist lustvollen Weg, der plötzlich eine unerwartete Wende nimmt.

Bevor ihre zweijährige Ausbildung fertig ist, wird Julia nämlich schon zum Profi. Weil unverhofft ein berühmter Choreograph aus Frankreich auftaucht. Noch vor dem Lehrabschluss ist Julia mit dem ganzen Ensemble des Theaters HORA auf Europatournee. Film angucken

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Beide Portraits sind sehr beindruckend und berührend. Wenn man beide Filme direkt nacheinander anschaut, fallen einem trotz aller Unterschiede auch viele Parallelen zwischen der jungen Schauspielerin Julia Häusermann mit Downsyndrom und dem blinden und körperbehinderten Uniprofessor Dr. Nils Jent auf. Allem voran: Eine unterstützende Umgebung (Eltern, Familie, Freunde, Ausbildner, Dozenten, Kollegen, Doktorvater ect.) spielt eine enorm wichtige Rolle, damit auch Menschen mit (schweren) Behinderungen ihre beruflichen Träume verwirklichen können.

Die grössten Hindernisse liegen oftmals nicht darin, dass die Betroffenen aufgrund der Behinderung etwas nicht erreichen könnten, sondern dass man es ihnen gar nicht erst zutraut bzw. die Umgebung nicht bereit ist, sich auf – vielleicht auch mal unorthodoxe – Lösungen einzulassen. Es überhaupt erst zu versuchen und den Menschen Chancen zu geben, ist leider oft schon zuviel verlangt. Das ist schade. Denn dass auch Menschen, die nicht nach dem 0815-Prinzip funktionieren, etwas erreichen und der Gesellschaft etwas geben können zeigen die beiden Beispiele eindrücklich.

Ein Gedanke zu „Zwei Filmtipps

  1. Danke für die Linktips. Ich habe in letzter Zeit Glück. Kaum denke ich mir: „Diesen Film würde ich gerne mal schauen“ kommt er 3 Tage später im SRF. Den Film mit Julia Häusermann habe ich bereits gesehen. Für mich ein wichtiger Beitrag zum Thema Würde und Gleichberechtigung. Wir alle haben Fähigkeiten die wir gerne ausleben. Gesunde, Kranke, und auch Menschen mit einer geistigen Behinderung.

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