Let’s talk about… money

Die Zürcher EVP-Nationalrätin Maja Ingold kritisiert in einem Artikel die aktuelle Stopp-Aids-Kampagne des BAG und schliesst mit folgendem Abschnitt:

«Die Budgets der Aids-Prävention leben von der Vergangenheit der ehemals tödlichen Krankheit. Heute sterben mehr Menschen durch Suizid. Für Suizidprävention besteht nicht einmal eine gesetzliche Grundlage. Hier ist politischer Handlungsbedarf. Die Mittelverteilung muss einer Neubeurteilung unterzogen werden und dem Bedarf an Prävention von gesamtgesellschaftlicher Relevanz angepasst werden.»

Dass ich die bisher schärfste öffentliche Infragestellung der aktuellen Mittelverteilung im Behinderten- bzw. Gesundheitsbereich mal ausgerechnet von einer EVP-Nationalrätin auf jesus.ch lesen würde, hätte ich mir jetzt nicht unbedingt träumen lassen… aber vielleicht kann man es ja als überdeutliches Zeichen dafür sehen, dass da tatsächlich so einiges im Argen liegt.

Ich wollte ja schon lange mal die Frage stellen, ob mir jemand erklären kann, weshalb die Elternvereinigung Insieme, welche (nach eigenen Angaben) 50’000 Betroffene (inkl. Kinder und Menschen im AHV-Alter) mit einer geistigen Behinderung «vertritt» aktuell pro Jahr 11 Millionen Franken BSV-Gelder* bekommt, während die Pro Mente Sana vom BSV nur 2 Millionen Franken bekommt, obwohl über 100’000 Menschen in der Schweiz eine IV-Rente aus psychischen Gründen beziehen (Zu den 100’000 kommen dann noch alle jene mit psychischen Erkrankungen dazu, die keine IV-Rente beziehen, sowie Kinder und Personen im AHV-Alter).

Ausserdem:

Und wir haben als eines der reichsten Länder der Welt – bislang – kein Geld für ein breit aufgestelltes und national koordiniertes Präventions/Sensibilisierungs/Forschungsprogramm im Bereich psychische Krankheiten?

Really?

Wir sollten wirklich ganz dringend mal über eine Mittelverteilung reden, die der aktuellen «gesamtgesellschaftlichen Relevanz» entspricht.

Braucht man bei der Pro Mente Sana (und den anderen Akteuren im Bereich psychische Gesundheit) dafür nochmal einen Wecker, oder kriegt ihr das auch so hin?

. . . . . . . . . . . .
* In den Vergleich wurden nur die beiden grössten deutschsprachigen Organisationen im jeweiligen Bereich einbezogen, aber am deutlichen Missverhältnis ändert der Einbezug der anderssprachigen Organisationen nicht viel. Auflistung aller Organisationen und deren Beiträge: Art.74 IVG und Art.101 AHVG: IV/AHV-Beiträge pro Jahr an Organisationen der privaten Behindertenhilfe für die Periode 2011-2014 

Nachtrag: Eine aktuelle und detaillierte Auflistung der Aktivitäten der einzelnen Kantone im Bereich psychische Gesundheit gibt’s beim Netzwerk Psychische Gesundheit Schweiz inkl. jeweilige Stellenprozente und Budget. Die Spannweite reicht von Kantonen, die weder Aktivitäten noch Budgets dafür haben (u.a. TI, SH, OW, NW, GL, BL) bis 800’000 Budget im Kanton Zürich u.a. für Suizidprävention und eine geplante Kampagne. Interessse an einer nationalen Kooperation hätten 18 Kantone.

Ergänzung 8.6.2014: NR Maja Ingold hat im Parlament die Interpellation «Mitteleinsatz des BAG für Prävention» eingereicht.
Auszug: Offensichtlich ist die Bevölkerung wenig betroffen von der HIV-Gefahr, hingegen sehr beunruhigt durch Burnout und Depression, die für den Grossteil von Suiziden mit- wenn nicht hauptverantwortlich sind. Wie antwortet der Bundesrat auf diese tiefe Besorgnis von zunehmenden psychischen Krankheiten? Wie steuert der Bundesrat seine Präventionsbemühungen gemäss neuem allfälligem Bedarf?