«Helfen»

Als Ergänzung zu den «Frustrierten Integrationsspezialisten»:

Das «Helfer-Syndrom» betrifft Einstellungen, die sich als Abwehr einer gesteigerten Verletzbarkeit entwickelt haben. Abhängigkeit und Bedürftigkeit werden an Schützlinge delegiert; der Helfer fühlt sich nicht wohl, wenn er nicht gibt, was ja auch bedeutet, der Stärkere, der Überlegene zu sein, der eine Beziehung kontrolliert. Erlebnisse frühkindlicher Kränkung werden durch hohe Ziele in der Arbeit kompensiert; Rechthaberei, starre Ideale und angstvolle Vermeidung von «schwachen» Positionen sind die Folgen.

Wolfgang Schmidbauer (u.a. Autor von «Die hilflosen Helfer»)

Etwas poetischer ausgedrückt:

Compassion is not a relationship between the healer and the wounded. It’s a relationship between equals. Only when we know our own darkness well can we be present with the darkness of others. Compassion becomes real when we recognize our shared humanity.
― Pema Chödrön

Hans-Martin Zöllner: «Wenn der Patient macht, was wir wollen, nennen wir das Compliance»:

Wenn man für die Patienten zu wissen glaubt, wo sie am besten wohnen, wie sie am besten Beziehungen gestalten, welche Psychoedukation sie brauchen und welches Wohnheim, oder auch nicht in ein Wohnheim, bei den Eltern oder nicht bei den Eltern, hat man schon verloren. Die Patienten wissen selber eigentlich, was sie brauchen. Manchmal muss man mit ihnen ein bisschen darüber reden, dass es klar wird, und dann müssen sie es tun.

«Helfen» heisst nicht «Ich weiss, was gut für dich ist» – «Helfen» heisst, «Ich begleite dich dabei, herauszufinden, was du möchtest». Es heisst, das Gegenüber als eigene Persönlichkeit, mit eigener Geschichte, Vorstellungen und Wünschen zu respektieren, und nicht, jemanden nach dem eigenen Wunschbild zu formen.

«Helfen» heisst auch nicht, jemandem vorsorglich alle Steine aus dem Weg zu räumen. Es heisst vielmehr: Versuch’s erstmal selbst. Wenn es nicht geht, bin ich da, höre dir zu und wir versuchen gemeinsam herauszufinden, welche Unterstützung du genau brauchst und wie du sie bekommen kannst.

Peter Lienhard-Tuggener:

Im Zusammenhang mit Evaluationen von Sonderschulen und integrativen Regelschulen bin ich immer wieder erstaunt darüber, wie klar Schülerinnen und Schüler mit Beeinträchtigungen ihre Kompetenzen einschätzen können – und ausdrücken können, wie eine Lernumgebung aussehen könnte, die gut für sie ist. Bildungspolitiker, Fachpersonen und Eltern sind in dieser Frage wichtige, aber eben nicht die wichtigsten Personen.

Ein Gedanke zu „«Helfen»

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