Ein depressiver Zombie soll für Pro Infirmis die Marke stärken und die Kasse klingeln lassen

Wo und in welcher Form das folgende Sujet einst genau zum Einsatz kam, konnte ich nicht in Erfahrung bringen, da man bei der Pro Infirmis – mal wieder  – nicht geneigt ist, sich mit mir zu unterhalten (mehr dazu weiter unten):

PI_scheininvalidDie Abbildung stammt aus dem Buch «Invalidenversicherung und Behinderte unter Druck» (2005) und war als Antwort auf die Scheininvalidenkampagne der SVP offenbar einige Zeit im Umlauf. Die Darstellung signalisiert deutlich, von welcher Art eine Behinderung zu sein hatte, um von der Pro Infirmis vor zehn Jahren als unterstützungsbedürftig geadelt zu werden. Man wollte schliesslich auch den Gönnern und Spenderinnen implizit vermitteln, dass bei Pro Infirmis nur Behinderte mit Echtheitszertifikat in den Genuss der edlen Gaben kämen. Und nicht etwa die mit den komischen unsichtbaren Krankheiten.

Psychische Erkrankungen kommen langsam im Mainstream an

Seither hat sich einiges getan. Eine SVP-Exponentin hat öffentlich über ihr Burnout gesprochen, die Suizide verschiedener prominenter Personen im In- und Ausland haben das Thema psychische Erkrankungen immer wieder in den Fokus öffentlicher Diskussionen gerückt und der Anfang Jahr veröffentlichte OECD-Länderbericht Schweiz zum Thema psychische Gesundheit und Beschäftigung erfuhr so grosse mediale Aufmerksamkeit, wie noch keine andere Studie zum Thema in der Schweiz je zuvor.

Man könnte also sagen, das Thema «psychische Erkrankungen» ist dabei, im sogenannten Mainstream anzukommen. Ein aus Sicht der Pro Infirmis offenbar idealer Zeitpunkt, um ihre diesjährige Kampagne dem Thema Depression zu widmen – schliesslich setzt man sich mit einem diesbezüglichen «Engagement» nun nicht mehr in die Nesseln, sondern entspricht damit dem Zeitgeist. Wenn der Mediensprecher der Pro Infirmis dann im Interview zum Kampagnenstart zum Besten gibt: «Eine psychische Behinderung ist unsichtbar, daher werden die Leiden dieser Patienten oft nicht ernst genommen.» und «Zudem hat die ganze politisierte Diskussion um so genannte «Scheininvalide» psychisch Beeinträchtigte in ein schräges Licht gerückt.» und man sich zu diesen Aussagen nochmal das eingangs angeführte Sujet von Pro Infirmis Erinnerung ruft, macht sich allerdings eine leichte innere Dissonanz breit.

Pro Infirmis als Advokat der psychisch Kranken?

Die Dissonanz wird auch nicht gerade kleiner, wenn man in der entsprechenden Medienmitteilung über die Zeile «Pro Infirmis ist Kompetenzzentrum für Fragen rund um Behinderung» stolpert. Wo genau, fragt man sich, liegt die Kompetenz der Pro Infirmis im Bereich «psychische Erkrankungen»? Vielleicht in den gerade mal acht Links, welche auf der Webseite der Pro Infirmis unter dem Stichwort «Psychische Behinderung» gelistet sind (und wovon im übrigen drei auf Artikel von mir/meinen Blog verweisen)?
Ich kann mich auch nicht erinnern, wann mir die Pro Infirmis jemals öffentlich als engagierter Advokat der Belange von Menschen mit psychischen Erkrankungen aufgefallen wäre. Auch an der kürzlichen Päusbonog-Tagung an der das Gutachten Henningsen vorgestellt und diskutiert wurde, glänzte die Pro Infirmis vor allem mit einem: Mit Abwesenheit (Während von der Procap gleich mehrere VerterterInnen teilnahmen). «Engagement» also erst dann, wenn man sich damit unbeschadet beliebt machen kann?

Der Club als Kulisse für den Launch der PI-Kampagne

Aber nun gut, kommen wir zur eigentlichen Kampagne bzw. ersteinmal zur Clubsendung, welche als Kulisse diente, um den Clip erstmals vorzustellen (So musste nicht mal teure Werbezeit beim Fernsehen gebucht werden, sondern der Clip wurde quasi als «native ad» in die Sendung eingebettet. Was seid ihr Werber doch clever!).

Im am 2. Dezember 2014 ausgestrahlten Club «Psychisch krank, fürs Leben gestempelt» diskutierten Simon Hofer und Vivianne Vinzens (beide selbst betroffen), Constantine Bobst (Präsidentin Vereinigung der Angehörigen psychisch Kranker), Niklas Baer (Leiter psychiatrische Rehabilitation der Psychiatrie Baselland) und Undine Lang (Klinikdirektorin Psychiatrische Universitätsklinik Basel). Den beiden Betroffenen Simon Hofer und Vivianne Vinzens ist es dabei hoch anzurechnen, dass sie bereit waren, über dieses persönliches Thema so offen im Fernsehen zu reden. Auch wenn es für Aussenstehende schlussendlich nie wirklich nachvollziehbar sein wird, was es bedeutet, psychisch krank zu sein, wurde dadurch doch zumindest ein tiefergehender Einblick ermöglicht. Das sehr wohlwollende Eingehen der Moderatorin und der weiteren DiskussionsteilnehmerInnen auf die Betroffenen vermittelte zwar zwischenzeitlich ein bisschen das Gefühl, einer öffentlichen Therapiesitzung beizuwohnen, aber das ist bei einem solch persönlichen Thema wohl kaum vermeidbar.

Etwas irritierend empfand ich allerdings das Einblenden der Arbeiten des als Werber tätigten Simon Hofer. Ich verstehe das Anliegen, als Betroffener auch zeigen zu wollen, dass jemand mehr ist, als eben nur «betroffen». Dass man auch «was kann». Nur wird genau dadurch, dass dieses «Können» so hervorgehoben wird, der Unterschied zu den «Nichtbetroffenen» umso deutlicher betont. Wenn jemand in einem bestimmten Bereich arbeitet (egal ob psychisch krank oder nicht) gehe ich selbstredend davon aus, dass derjenige sein Handwerk auch beherrscht. Hätte die Moderatorin zur anwesenden Psychiaterin Undine Lang oder dem Psychologen Niklas Baer gesagt (ich übertreibe das zur Verdeutlichung jetzt mal absichtlich): «Sie haben ja ein ganz aussergewöhnliches fachliches Talent, diese Studie von Ihnen (Studie wird eingeblendet) finde ich wirklich sehr gelungen, wollen Sie uns mal was darüber erzählen?» hätte man das möglicherweise ein bisschen seltsam gefunden.

Der Clip

Während der Sendung wurde wie erwähnt auch der Pro Infirmis-Clip gezeigt.

Meine spontane Reaktion darauf:

Zugegeben, das ist keine besonders differenzierte Kritik. Aber auch einige Tage und Durchsichten des Clips später stelle ich mir dieselbe Frage: Was will mir der Clip eigentlich sagen? Depressive sind gefühllose Zombies? Und auf den ersten Blick an ihrem Zombiekostüm erkennbar? Und so einem soll ich dann auch noch näherkommen? (Ähm, nein danke, eigentlich lieber nicht). Ich fand die Darstellung von Menschen mit Behinderung in Form von nachmodellierten Schaufensterpuppen beim letztjährigen Clip von Pro Infirmis schon äusserst problematisch. Immerhin bestand damals noch ein klar erkennbarer Unterschied zwischen dem (lebendigen) menschlichen Vorbild und der nachmodellierten (stummen) Puppe. Dieser Unterschied verschmilzt hier und nimmt dem Protagonisten jegliche Menschlichkeit, macht ihn zu einem Gegenstand. Selbst in der schlimmsten Depression ist jemand aber immer noch ein Mensch und kein seelenloses Ding, auch wenn er sich selbst vielleicht so fühlen mag. Und auch wenn Zuwendung von akut Depressiven nicht (oder nicht so wie im gesunden Zustand) empfunden werden kann, ist sie essentiell wichtig.
Der Clip vermittelt an Angehörige aber die Botschaft: Der Depressive spürt ja eh nichts, also kann man sich die Zuwendung auch gleich sparen. Er zeigt keine Handlungsmöglichkeiten für Betroffene oder Angehörige. Und untergräbt mit der Szene auf der Brücke auch noch die von der Suizidprävention hochgehaltene Leitlinie, dass man keine konkreten Suizidorte bzw. -möglichkeiten zeigen soll.

Twitter als Verteilkanal

Was die Verbreitung dieses an Negativität und Hoffnungslosigkeit nicht zu überbietenden Films für Betroffenen Gutes Bewirken bewirken soll, ist mir schleierhaft. Aber darum geht’s ja auch gar nicht. Es geht einmal mehr darum, Betroffene als hilflose und bedauernswerte Wesen Dinge darzustellen, denen die Pro Infirmis (und ihre SpenderInnen) in edler Absicht zur Hilfe eilen. Schlicht: Es geht um eine möglichst hohe Verbreitungsrate, um die Marke «Pro Infirmis» zu stärken. Dazu benutzte sie am Tag der Veröffentlichung in ziemlich aggressiver Weise Twitter, indem sie in unzähligen Tweets Zeitungen, Organisationen (auch viele ausländische), Einzelpersonen, u.s.w. zum Teilen aufforderte:

Bild 3

Solche Aufforderungen entsprechen nicht der Twitter-Etikette (man teilt etwas, weil man es gut findet, und nicht, weil man dazu aufgefordert wird – Stichwort «earned media»). Vom Blick am Abend erhielt die Pro Infirmis deshalb eine kleine Nachhilfestunde in Höflichkeit:

PI_BaA

Bei einer Behindertenorganisationen lässt man das Betteln gerademal noch so durchgehen, ist ja für einen guten Zweck. Allerdings bin ich mit meiner Kritik dazu nicht alleine:

Mehrere Betroffene fragten sich auch:

Und befanden, als sie keine Antwort bekamen: «Wir sind wohl nicht wichtig»

Das besonders perfide an der offensichtlichen Arroganz und Ignoranz der Pro Infirmis ist die Tatsache, dass sie umgekehrt ganz gezielt diejenigen Betroffenen zum Teilen des Clips aufforderte, von welchen sie sich die grösstmögliche Wirkung als sogenannte Influencer versprachen. Beispielsweise über die durch die Initiierung der Aktion #notjustsad bekannt gewordene @isayshotgun

Hat in diesem Fall hier nur mässig geklappt, denn wie gesagt: Twitterer lassen sich nicht gern vorschreiben, welche Inhalte sie zu teilen haben. Aber das Beispiel sagt einiges über die Einstellung der Pro Infirmis, die Betroffenen hauptsächlich als «nützliche Idioten» für ihre Zwecke benutzen zu wollen, aus.

Konversation mit der PI – nach wie vor: Zero points

Da ich die Frage nach dem (fehlenden) Einbezug der Pro Mente Sana durchaus spannend fand, fragte ich per Mail beim Mediensprecher der Pro Infirmis nach:

Sehr geehrter Herr X.

Mit Erstaunen habe ich zur Kenntnis genommen, dass die neue Kampagne von Pro Infirmis zum Thema Depressionen offenbar(?) nicht in Zusammenarbeit mit der Pro Mente Sana entstanden ist.
Können Sie mir erklären, weshalb nicht?

Freundliche Grüsse

Die Antwort:

Sehr geehrte Frau Baumann

Nachdem Sie sich ja am 2. Dezember sehr gehaltvoll und abschliessend über den erfolgreichen neuen Kampagnen-Film von Pro Infirmis geäussert haben

„Marie Baumann @ivinfo: was für ein beschissener Clip von Pro Infirmis“

sehe ich mich nicht veranlasst, mich mit Ihnen weiter darüber zu unterhalten.

Mit besten Grüssen

Für ihre kommunikativen Leistungen erhält die PI nach wie vor zero points.

Behindertenorganisationen sollten für Behinderte da sein. Nicht umgekehrt.

Und die Frage bleibt: Warum musste die kleine Pro Mente Sana (2 Mio Bundesgelder/Jahr), welche sich seit 36 Jahren um Belange psychisch kranker Menschen kümmert, mehrere Jahre händeringend nach Geldern für eine breit angelegte Präventionskampagne suchen und just als die Kampagne mit Hängen und Würgen endlich finanziert werden kann, schüttelt die grösste Behindertenorgansation der Schweiz (45 Mio Bundesgelder/Jahr), der die Belange psychisch Kranker noch vor zehn Jahren am Allerwertesten vorbei gingen (Was für die Päusbonogs offenbar nach wie vor gilt) eine eigene protzige Kampagne aus dem Ärmel?

Vielleicht einfach schlicht deswegen, weil psychisch Kranke von der Pro Infirmis als interessanter Markt erkannt wurden? Immerhin sind von den 230’00 IV-Bezügern in der Schweiz über 100’000 psychisch krank. Aber was nützt es den hiesigen psychisch Kranken wenn Pro Infirmis im Ausland bekannt ist und ihre Werbeagentur Jung von Matt mit dem Spot zahlreiche Werberpreise einheimst?

Ich habe ja nicht gerade mit überschwenglicher Begeisterung auf die im Oktober von der Pro Mente Sana lancierte Kampagne «Wie geht’s dir» reagiert, deshalb möchte ich jetzt ein bisschen Lob nachholen: Im Vergleich zur Kampagne der Pro Infirmis wirkt sie sympathisch, menschlich und positiv und bietet auf der zugehörigen Webseite auch wichtige Zusatzinformationen für Betroffenen und Angehörige an.
Und vor allem stehen dabei die Betroffenen und nicht das Ego der ausführenden Organisation(en) im Vordergrund.

Es stünde der Pro Infirmis wirklich gut an, mit dem eigenen Ego (sprich: der eigenen «Marke») etwas mehr Zurückhaltung zu üben. Denn was ich schon zur letzten Kampagne der PI schrieb, gilt auch nach wie vor: Behindertenorganisationen sollten für Behinderte da sein. Nicht umgekehrt.

Dazu wäre ist vielleicht ganz dienlich, wenn die Verantwortlichen bei der Pro Infirmis ein bisschen weniger mit den Werbern der ausführenden Werbeagentur Jung von Matt auf Preisverleihungs-Parties sich selbst feiern würden, das versaut nämlich ganz offensichtlich den Charakter. Da man sich seitens der Pro Infirmis so gerne damit brüstet, dass die Auszeichnungen, die man für die PI-Clips erhalte, eindeutig deren Qualität bestätigen, als Abschluss eine kleine Anekdote dazu, mit welchen«Leistungen» sich Jung von Matt sonst noch solche Auszeichnungen des Art Directors Club Deutschland «verdienen». (Und ja, man kann das Beispiel als durchaus bezeichnend für die Branche betrachten).

Supplement: Eine Anekdote aus Werberkreisen

Notiert vom Satire-Magazin Titanic (2012), aber keine Satire, sondern tatsächlich wahr:

Bild-Agentur Jung von Matt!
Da blättern wir neulich aus lauter Langeweile im aktuellen Jahrbuch des Art Directors Club Deutschland (ADC), und wen müssen wir da wiedersehen? Den Brief der »Wir sind Helden«-Sängerin Judith Holofernes, in dem sie Euch eine Absage als Bild-Testimonial erteilt und recht verständlich erörtert, warum sie Eure Kampagne besonders perfide findet – den Ihr dann allerdings, hihi, hoho, kurz darauf einfach trotzdem und in Faksimile als Bild-Anzeige brachtet. Holofernes verzichtete damals auf eine Klage, um der Sache nicht noch mehr Aufmerksamkeit zu bescheren. Der ADC verzichtete allerdings nicht darauf, diese kreative Top-Leistung mit einem Bronzenagel auszuzeichnen. Großer Applaus für zwei Kreativdirektoren, einen Art-Direktor und zwei Texter!
Eins täte uns aber schon interessieren: Wie macht man so was zu fünft? Einer kopiert den Brief, und vier holen sich schon mal einen runter?
Ihr seid Helden!

6 Gedanken zu „Ein depressiver Zombie soll für Pro Infirmis die Marke stärken und die Kasse klingeln lassen

  1. Pingback: Pro Infirmis und das Spiel mit dem werbewirksamen Stigma | Das Miteinander lernen

  2. Puhhhh, was für ein gehaltvoller Artikel.

    Vorneweg: Der Ton im Artikel gegenüber der PI geht mir einen ordentlichen Zacken zu weit.

    Ich habe als Betroffene selber sowohl schon Dienstleistungen der PI und von PMS in Anspruch genommen. Und ich war in beiden Fällen dankbar. Die beiden Institutionen bieten sehr unterschiedliche Hilfen an für Menschen mit psychischen Erkrankungen.

    Ich hatte so zBsp. mal eine PI Mitarbeiterin daheim bei mir, als ich das Haus nicht verlassen konnte und ich weiss von vielen Menschen, die sich in finanziellen Belangen von der PI begleiten lassen und dort echte Hilfe erhalten bei der Administration. Sowohl Hausbesuche als auch administrative Begleitung sind Dinge, die wertvoll sind und halt auch Zeit brauchen.

    PMS aber ist eigentlich in fachlicher Hinsicht DIE Stiftung wenns um psychische Gesundheit geht. Derzeit gibt es einige Projekte, wie zBsp. das Schulprojekt http://www.promentesana.ch/page.php?pages_id=610&language=de , oder die Peerausbildungen, die wirklich tiefgreifende Veränderungen in der Gesellschaft bewirken wollen. Projekte, die auch etwas nachhaltiger wirken, als ein kurzer Einspieler. Behaupte ich jetzt mal.

    Nun zum Zombiefilm: Ich glaube die Message dieses Films soll sein: Depressionen sind im Fall ECHT eine schlimme Erkrankung. Diese Message kommt aus meiner Sicht gut rüber. Aber es gibt auch einen Kollateral-Kommunikationsschaden: ZBsp. wird dem Unwissenden implizit mitgeteilt, dass jede Depression so aussieht (bei weitem nicht). Und die Situation im Film sieht derart gravierend aus, dass er wohl auch die Angst schürt, einem Menschen mit so einer Erkrankung nahe treten zu wollen.

    Da ist die PMS „Wir-reden-drüber-Kampagne“ natürlich anders gelagert. In dem Sinne, dass sie enttabuisieren will. Gefühle, das eigene Befinden, aber auch psychische Erkrankungen ganz explizit.

    Ich finde es auch extrem schade, dass man bei solchen Kampagnen nicht zusammen arbeitet. EXTREM SCHADE. Ich meine, man hätte da viel Kraft und finanzielle Energie besser bündeln können. Noch immer dünkt mich, dass die Kampagne von PMS zwar bei vielen Fachpersonen bekannt ist, aber den breiten Durchbruch in der Bevölkerung nicht schafft. Schadeschade.

    Ich finde das mit den 2 Millionen vs. 36 Millionen auch……schwer verständlich. Wie gesagt, es ist schwierig möglich die eine Institution gegen die andere abzuwägen, beide bieten wertvolle Arbeit und die Leistungen sind ganz anders gelagert (PI hat zBsp. Niederlassungen in vielen Regionen). Aber PMS hat es definitiv verdient mehr als nur eine Randerscheinung zu sein. Das muss sich auch in der finanziellen Wertschätzung wiederspiegeln.

    Ich hoffe jetzt einfach mal, dass dein Kommunikationsstil nicht zuviele Leute abschreckt sich inhaltliche und sachliche Gedanken zu machen über psychische Gesundheit, Aufklärung etc.

    Und ich nehme es zur Kenntnis, dass du dir selbst bewusst bist, dass es vielleicht auch nicht schlecht wäre, gute Kampagnen mal etwas zu loben und damit auch zu FÖRDERN. Dinge einreissen und kritisieren ist zwar auch eine Leistung, aber halt doch nur am Rande das, was Betroffene dann brauchen, damit sie ihr Leben in die Hand nehmen können.

  3. @June
    Ich werde nie verstehen, warum die zynische Instrumentalisierung von Betroffenen durch Behindertenorganisationen nie als so empörend empfunden wird, wie die Sprache/der Stil in dem ich über eben diese Instrumentalisierung schreibe.

    In Deutschland ist es möglich, in diesem Stil zu schreiben (siehe den erwähnten Brief von Judith Holofernes http://www.wirsindhelden.de/2011/02/1069/?#more-1069) und kein Mensch stört sich an der Sprache, aber die Botschaft (auch dort ging es um eine perfide Instrumentalisierung) wird klar erkannt.

  4. Diese Werbung zeigt eine Person in einem katatonischen Zustand. Ein solcher Mensch gehört dringend in fachärztliche Behandlung und ganz sicher nicht in die Hände einer Sozialarbeiterin – weder von Pro Infirmis noch von sonstwo.

    Das Letzte, was Betroffene in einer akuten Depression zudem brauchen, ist das wohlwollende Mitleid „verständnisvoller“ fremder Leute. Und Angehörige muss man über die Folgen einer Depression nicht via Werbung aufklären. (Die wissen nämlich Bescheid, glauben Sie mir.)
    Depression hat im übrigen zahlreiche verschiedene Gesichter; es gibt sehr wohl auch hyperaktive depressiv erkrankte Patienten.

    Betroffenen leistet diese Werbung deshalb einen Bärendienst. Schade um die Spendengelder. Diese wären in der Direkthilfe für Betroffene in finanzieller Not weit sinnvoller eingesetzt.

  5. @Mia: Für mich gibts einfach zwischen der Bildzeitung und der ProInfirmis noch ein paar Unterschiede, ich bin gegenüber der ProInfirmis willens differenzierter hinzuschauen und weiss aus eigener Erfahrung dass sie mehr liefert als ein paar billige Seiten gedrucktes Papier. Die Bildzeitung kann ich eindeutiger einordnen in meinem Wertesystem. Gerade diesen Vergleich finde ich darum heikel, auch wenn ich verstehe, was du in Bezug auf Instrumentalisierung mitteilen willst. Und ich bei vielen deiner Kritikpunkte einig bin mit dir.

    @Monique: Es ist natürlich eine gute Frage, wieviel Hilfe eine Organisation bietet. Ich entnehme der Kampagne nicht, dass sie vorgibt, PI könne Depressionen behandeln. Aber es wäre natürlich schon angebracht, man würde dann bei den Kampagneninfos konkrete Links finden und Infos finden, wie im Fall einer Depression umzugehen ist. Vielleicht bin ich etwas blöd, aber ich klicke mich da bei PI vergebens durch die Seiten. Finde ich auch ärgerlich :(

  6. @June: Nicht „wie viel“, sondern Hilfe wobei?
    Pro Infirmis lebt von Sozialarbeit, je mehr Fälle, desto mehr Einnahmen. In der Beratung geht es um Budgets, Versicherungen, Hilfsmittel, Entlastung usw. Beratung ist nötig, sie steht auch nicht zur Diskussion.
    Mit dem gleichen „Recht“ könnte aber auch jede Versicherung oder jede Krankenkasse und jede Coachingfirma für sich selber Reklame machen als Kompetenzzentrum für Depression, Krebs, Migräne oder woran immer ihre Kunden leiden.
    Sie tun es nicht. Das hat einen Grund.

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