Du kannst nicht depressiv/Autist sein…

Zwei Leseempfehlungen:

Benjamin Falk: Du kannst kein Autist sein …

Du kannst kein Autist sein, du schaffst es ja zu studieren.
Du siehst, dass ich es schaffe zu studieren. Vielleicht siehst du sogar meine relativ guten Noten.
Was du nicht siehst sind die Wochenenden, die ich durcharbeiten muss. Um die Vorlesungen nachzuholen, die ich verpasst habe, weil ich zu überfordert war. Wie ich abends ins Bett falle, nachdem ich mir einen gesamten Tag lang nicht habe anmerken lassen, wie sehr meine Kommilitonen mich gestresst haben. Du siehst auch nicht, wie ich nach einer Woche solcher Tage aufgelöst unter meinem Schreibtisch liege.

Du kannst kein Autist sein, du hast eine Beziehung.
Du siehst, dass ich eine Beziehung habe. Was du nicht siehst ist wie viel Arbeit ich darin investiere, die Beziehung nicht an den Problemen scheitern zu lassen, die mein Autismus mit sich bringt. Du siehst nicht, wie lange ich im Nachhinein darüber nachdenken muss, was ich in einer Situation gesagt habe und wie die Antwort darauf gemeint sein könnte. Du siehst nicht wie anstrengend es für meinen Partner ist, dass ich nicht immer in der Lage zu körperlicher Nähe bin. Du siehst auch nicht, dass ich nicht immer in der Lage bin zu kommunizieren wie ich sollte und auch gerne würde.

Weitere  Themen des Artikels: Du kannst kein Autist sein, du hast Freunde/Du kannst kein Autist sein, du bloggst/podcastest ja./Du kannst kein Autist sein, du leidest ja gar nicht.
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 Kati Kürsch: Der gute Depressive™

In der 12. Klasse verbrachten meine damals aktuelle depressive Episode und ich einige Zeit in einer Klinik. Leider konnten wir diesen kleinen Urlaub nicht in die Sommerferien legen, sondern sind einfach mitten im Schuljahr für ein paar Wochen von der Bildfläche verschwunden. Als ich wieder halbwegs stabilisiert war, stand ein Gespräch mit dem Kollegstufenbetreuer an. Ich erzählte, was mit mir los war und wie ich mir den restlichen Weg bis zum Abitur so vorgestellt habe. Er warf irgendwann ein: “Also Katarina, ich kann nicht so wirklich glauben, dass du depressiv sein sollst. Dafür redest du zu offen.”
(…)

Der gute Depressive™ leidet nämlich. Er schlurft weinend durch die Gegend, sofern er noch schlurfen kann, und murmelt händeringend: “Ach! Ach!”
(…)

Was der gute Depressive™ nicht tut: Versuchen sein Leben so gut wie nur irgendwie möglich weiterzuführen, auch wenn es eigentlich nicht geht und er an seine Grenzen stößt.
(…)

Ich bin demnach keine gute Depressive™. Wenn ich mal überlege, wie viele schwere depressiven Episoden inkl. Suizidgefährdung ich in den letzten sieben Jahren hatte (drei) und was ich in der Zwischenzeit irgendwie auf die Reihe bekommen habe (Abitur, Bachelor, fürs Masterstudium in eine neue Stadt gezogen, eine Katze zugelegt), dann kann ich doch gar nicht depressiv sein. Ich kann doch nicht krank sein.

Wobei. Doch, kann ich. Ich kann gleichzeitig mehrere psychische Erkrankungen haben, die mich in meiner Lebensführung so einschränken, dass sie wirklich einen Krankheitswert haben, aber ich muss mich nicht zwangsläufig als krank und leidend sehen. Das hilft mir nämlich nicht. Es bringt mich nicht weiter.
(…)

Im Laufe der Zeit lernt man, wie man mit einer chronischen Erkrankung umgehen kann und wie man sich trotzdem möglichst viel Lebensqualität erhält. Man lernt auch, mit den Labels umzugehen. Wie man das macht, ist aber sehr individuell, und ich würde mich sehr, sehr davor hüten, anderen Menschen vorzuschreiben, wie sie sich zu identifizieren haben.

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