Schweizer Biotechnologiefirma Genoma wirbt für Pränataltest. Mit Bild eines Mädchens mit Down Syndrom. Das Foto stammt aus dem Blog der Mutter.

Ob man Fotos der eigenen Kinder ins Internet stellen darf, ist unter Eltern immer wieder ein kontrovers diskutiertes Thema. Der Socialmedia-Experte Philippe Wampfler plädiert unter der Berufung auf das Recht des Kindes am eigenen Bild für eine sehr strikte Linie und rät: Keine Bilder von Kindern im Internet öffentlich verfügbar zu machen.

Denn selbst wenn die Eltern die Fotos in bester Absicht veröffentlichen; was im Internet (heute oder in 20 Jahren) mit den Bildern geschieht, entzieht sich jeglicher Kontrolle. Nochmal speziell stellt sich die Frage bei Eltern, die auf Facebook (z.B. Luna liebt das Leben) oder in Blogs ganz selbstverständlich über das Leben mit ihrem behinderten Kind berichten und damit natürlich auch viel zum besseren Verständnis vom Leben mit einer Behinderung beitragen. Da Bilder eingängiger sind als Texte, werden auch häufig Bilder der Kinder gezeigt. Einige Eltern zeigen Bilder, auf denen die Kinder nicht erkennbar sind, untenstehend ein Beispiel von Mareice Kaiser (Mutter zweier Töchter mit und ohne Behinderung) vom Kaiserinnenreich:

kidsBildquelle: instagram.com/mareicares

Eine kanadische Mutter, die über ihr Familienleben bloggt, schreibt: «I never refer to my children by name, and rarely post pictures of them. But once was all it took.»

Sie veröffentlichte ein (leider sehr hochaufgelöstes) Foto ihrer Tochter, die das Down Syndrom hat. Das Foto wurde gestohlen, landete auf einer dubiosen Free-Image-Seite und wurde schliesslich von der Schweizer Biotechnnologiefirma «Genoma» für ein mehrere Meter hohes Banner verwendet, das letzte Woche im Rahmen eines medizinischen Kongresses in Madrid zu sehen war. Es wirbt für den von der Firma entwickelten Pränataltest «Tranquility» mittels dem Chromosomenstörungen festgestellt werden können. Dem hätte die Mutter, hätte sie es gewusst – (wie wahrscheinlich jede Mutter eines Kindes mit Down Syndrom) natürlich nie zugestimmt.

Bild 5Foto via soheresus.com

Gestern sagte das Schweizer Stimmvolk Ja zur Verfassungsänderung, welche die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) ermöglicht. Die Behindertenorganisationen haben aber bereits das Referendum gegen das Fortpflanzungsmedizingesetz (FMedG) angekündigt, das ihrer Meinung nach zu weit geht. Hauptsächlich wegen des dadurch (theoretisch) bei allen künstlichen Befruchtungen möglichen Chromosomen-Screenings. So als Schweizer Technologiefirma sollte man dann das mit der Sensibilität für’s Thema vielleicht nochmal ein bisschen üben bis zur entsprechenden Abstimmung.

Frederic Amar, der CEO der Genoma gibt sich in der auf der Firmen-Webseite veröffentlichten Stellungnahme zum obigen Banner schon mal Mühe. Noch überzeugender wär’s allerdings, wenn man sich der entsprechende Familie gegenüber nun auch (freiwillig) finanziell grosszügig zeigen würde. Und so als ganz generelle Idee: Warum nicht eine Foundation gründen, die Eltern von behinderten Kindern unterstützt  – um zu zeigen, dass man es ernst meint, mit «We love Children, all of them»?

Und zu guter Letzt den involvierten Grafiker auch mal in Verständnis vom Zusammenspiel zwischen Bild- und Textaussage schulen lassen. Aber wenn sich die Ethik des Grafikers auf dem Niveau «Gratisbilder von dubiosen Websiten ohne Model Release und Urheberangabe downladen» bewegt, sollte man die Zusammenarbeit wahrscheinlich besser gleich ganz bleiben lassen. Ansonsten könnte an ja noch auf die Idee kommen, solche Praktiken entsprächen generell der Firmenethik.