Schritt für Schritt – aus dem Rollstuhl an den Cybathlon [Filmtipp]

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Philipp Wipfli und Studierende der ETH Zürich

[Text: srf] Als Querschnittgelähmter aufrecht gehen. Was unmöglich erscheint, ist das Ziel von Philipp Wipfli und Werner Witschi. Die beiden Paraplegiker wollen am Cybathlon teilnehmen, dem weltweit ersten Wettkampf, an dem sich Menschen mit körperlichen Behinderungen dank robotischer Hilfsmittel messen können.

Die Teilnahme möglich machen, soll ein sogenanntes Exoskelett: Ein Roboteranzug, gebaut von Studenten der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH). Mit Hilfe der Maschinenbeine sollen die Familienväter aus ihren Rollstühlen aufstehen und den anspruchsvollen Parcours meistern können.

Die Roboter-Mensch-Olympiade ist ein Pionierprojekt der ETH Zürich. Der Erfinder des Cybathlon, der Professor für sensomotorische Systeme Robert Riener, will damit andere Wissenschaftler anspornen, Hilfsmittel für Betroffene zu entwickeln, sie zu verbessern und alltagstauglich zu machen. Im Gegensatz zu den Paralympics richten sich die Wettkampfdisziplinen an den täglichen Bedürfnissen der Menschen mit körperlichen Behinderungen aus.

Bis zur Teilnahme am Cybathlon im Oktober 2016 ist es ein weiter Weg. Buchstäblich Schritt für Schritt versuchen Philipp, Werner und das Studententeam alle Probleme zu lösen, die bei der Entwicklung der Roboterbeine auftauchen. Eine technologische Lösung für ein menschliches Problem wie körperliche Behinderung zu finden, wirft aber auch Fragen auf, die weit über die technische Machbarkeit hinausgehen.

Sinn und Zweck von robotischen Hilfsmitteln sind umstritten. Die Geräte sind teuer und ein Exoskelett wird für einen Querschnittgelähmten wohl nie den Rollstuhl ersetzen. Das Geld für die Forschung in diesem Bereich kommt zudem oft aus Militärkreisen. Eine Problematik, mit der sich auch Robert Riener auseinandersetzen muss.

Filmemacher Adrian Winkler konfrontiert den ETH-Professor mit den ethischen Problemen, die eine Veranstaltung wie der Cybathlon aufwirft. Der Film kreist um die Frage, ob die Wissenschaftler tatsächlich nützliche Maschinen für Menschen mit einer körperlichen Behinderung schaffen oder nur teure Prestigeobjekte mit wenig praktischem Nutzen. Vor allem begleitet der Film aber die beiden Querschnittgelähmten Philipp Wipfli und Werner Witschi bei ihrem Kampf um die Teilnahme am Cybathlon. Schritt für Schritt.

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Der Filmautor Adrian Winkler hat selbst erlebt, wie sich sein Leben nach einem Unfall drastisch verändert hat. Heute kann er mit Hilfe von orthopädischen Stützen erstaunlich gut gehen. Wie beeinflussen diese Geräte das tägliche Leben und das Selbstempfinden?

Winkler schreibt über den persönlichen Hintergrund zu seinem Film:

Naheliegenderweise interessiere ich mich sehr für technische und medizinische Forschung, die meine Einschränkung mindern oder sogar heilen könnte. Denn obwohl ich mit meiner Beeinträchtigung gut leben kann, sie bleibt lästig und ich würde sie gerne wieder loswerden. Wenn ich also von neuen Durchbrüchen in der Forschung lese, löst dies bei mir – und wohl auch den meisten meiner «Leidensgenossen» – gemischte Gefühle aus. Einerseits hoffe ich natürlich, dass schlaue Köpfe etwas gefunden haben, dass mich wieder «auf die Beine» bringt. Andererseits versuche ich gleichzeitig meine Hoffnung zu dämpfen, um mich vor einer Enttäuschung zu bewahren.

Aus diesem Grund habe ich den Hauptfokus des Filmes vor allem auf die emotionalen Auswirkungen gesetzt, die der Cybathlon auf die Protagonisten hat. Mich haben weniger die technischen und sportlichen Aspekte interessiert, dafür umso mehr die Gefühle, welche die Vorbereitung zu den ersten «Bionischen Spielen» bei den Betroffenen auslöst. Welche Hoffnungen verbinden sie mit der Teilnahme? Welche Erfolgserlebnisse und Enttäuschungen erleben sie auf dem Weg zum Cybathlon und wie verändert die Technologie ihr Leben und ihr Selbstempfinden? Schaffen es die Forscher überhaupt Geräte zu bauen, die den Betroffenen wieder auf die «Beine helfen»? Und, ist dies überhaupt nötig? (…)

Obwohl ich selbst von technischen Entwicklungen direkt profitiere, und sie mir auch herbeisehne, beobachte ich diese Entwicklung mit einiger Skepsis. Mein Interesse am Cybathlon geht deshalb auch weit über meine eigene Betroffenheit hinaus. Schliesslich geht uns die Entwicklung, die der Cybathlon öffentlich macht, alle an. Die Austragung von Bionischen Spielen und der Beginn des Cyborg-Zeitalters werfen viele ethische, philosophische und sogar juristische Fragen auf.

Ganzer Text von Adrian Winkler beim srf.