Das Dilemma bei der Darstellung und Offenlegung psychischer Krankheit

Die Bebilderung von Zeitungsartikeln oder Fernsehberichten zum Thema «psychische Krankheit» ist nicht ganz einfach. Um die Andersartigkeit von Menschen mit einer psychischen Erkrankung zu betonen, werden manchmal Szenebilder aus Psychothrillern oder gruselige Behandlungsmethoden aus der frühen Psychiatriegeschichte zur Illustration benutzt. Bei Medienberichten über Betroffene müssen diese zu ihrem Schutz meist anonymisiert werden. Ein Pseudonym und eine Abbildung oder ein Interview bei dem das Gesicht nicht erkennbar ist, hebt aber die Stigmatisierung durch die Krankheit noch deutlicher hervor. Ein ähnliches Dilemma erleben Arbeitnehmende mit psychischen Erkrankungen. Erzählen sie dem Arbeitgeber offen von ihrer Erkrankung, müssen sie fürchten, dass sie entlassen bzw. gar nicht erst eingestellt werden.

Im Oktober erschien in der NZZ ein Interview mit dem Harvard-Forscher Steven Hyman. Er spricht darin über psychiatrische Diagnostik und Behandlungsmethoden und plädiert für mehr Ehrlichkeit über die Grenzen der Psychiatrie. Es geht dabei explizit um den aktuellen Stand der Forschung und nicht um die Geschichte der Psychiatrie. Trotzdem illustrierte die NZZ den Artikel mit einer Fotografie aus den 1950er Jahren, welche eine Psychiatriepatientin in einer Zwangsjacke zeigt. Eine Methode, die heute in Schweizer Psychiatrien i.d.R. nicht mehr gebräuchlich ist.

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Die Sendung 10vor10 ermöglichte vor zwei Monaten mit einer vierteiligen Serie Einblicke in den heutigen Alltag der psychiatrischen Universitätsklinik Zürich (PUK). 10vor10 zeigte gleich zum Einstieg eine Zwangseinweisung – jeder vierte Patient kommt unfreiwillig ins «Burghölzli» – berichtete aber auch über Therapieformen wie Musik-, Bewegungs- oder Hundetherapie, sowie die oft nicht einfache Arbeit der Behandelnden.

Zwar werden auch die Hintergrundgeschichten der gezeigten PatientInnen erzählt, als Menschen bleiben sie allerdings unscharf – und das im direkten Wortsinn: Aus verständlichen Gründen werden ihre Gesichter unkenntlich gemacht, ihre Namen nicht genannt und ihre Stimmen teilweise verzerrt. Folgende zwei Szenenbilder zeigen die frappanten visuellen Unterschiede in der Darstellung zwischen PatientInnen und Betreuenden.
Anonyme PatientInnen:

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Pflegefachperson mit Bild und Name und natürlich – Beruf:

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10vor10 im Burghölzli: Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4

Es ist klar, dass man jemanden in einer Ausnahmesituation wie einer Zwangseinweisung oder mit akuten Symptomen einer Psychose nicht erkennbar am Fernsehen zeigt. Es ist auch nachvollziehbar, dass beispielsweise eine portraitierte schwer depressive Patientin, die vor ihrer Erkrankung selbst in einem Pflegeberuf gearbeitet hat, nicht erkannt werden möchte. Gleichzeitig führt die Anonymisierung dazu, dass der Zuschauer, die Zuschauerin nicht den Menschen, sondern vor allem die Krankheit sieht und zudem das Gefühl vermittelt bekommt, dass eine psychische Erkrankung versteckt werden muss. Handelte es sich um eine Doku-Serie über Krebs- Herz- oder Lungenpatienten, würden diese vermutlich ganz selbstverständlich mit Gesicht und Namen gezeigt.

Indem man über psychiatrische Patienten zwar berichtet, sie aber nicht so zeigt, wie man andere Patienten zeigen würde, wird ihre Stigmatisierung noch verstärkt. Trotzdem soll und muss man sie schützen. Denn eine bekannte (auch überstandene) psychische Erkrankung ist oft ein schwerwiegendes Hindernis bei der Stellensuche. Die IV-Stelle Zürich hat diese Problematik vor zwei Jahren in einem Kurz-Clip treffend auf den Punkt gebracht:

Bestätigt wird dieses Dilemma auch durch Untersuchungen des Psychologen Niklas Baer von der Fachstelle Psychiatrische Rehabilitation der Psychiatrie Baselland. Die meisten Arbeitgeber wären froh, wenn sie bei Auffälligkeiten (z.B. wiederholten Kurzabsenzen, Leistungsschwierigkeiten u.s.w.) vom betreffenden Mitarbeiter – oder dem behandelnden Arzt – darüber informiert würden, dass sich dahinter eine psychische Problematik verbirgt. Denn nur so können sie ihre erkrankten Mitarbeitenden adäquat unterstützen (beispielsweise mit einer vorübergehenden Anpassung der Arbeitszeit und/oder der Aufgaben).

Zugleich sagen aber fast 60% der Arbeitgeber/Führungskräfte, dass sie Stellenbewerber mit psychischen Problemen gar nicht erst einstellen würden.

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Ganze Präsentation «Umgang mit psychisch auffälligen Mitarbeitenden – Probleme und Lösungsansätze» von Niklas Baer. (Ergänzung 6. Mai 2017: Studie, aus der die Zahlen stammen.)

Die Lage der Betroffenen ist verzwickt. So lange es irgendwie möglich ist, setzen die meisten alles daran, ihre Krankheit zu verstecken. Ganz speziell dann, wenn sie trotz und mit psychischer Erkrankung beruflich erfolgreich sind. Aus diesem Grund gibt es – anders als bei Menschen mit Körperbehinderungen – auch kaum Medienberichte à la «Erfolgreiche Unternehmerin trotz Schizophrenie». Das heisst auch, dass junge Menschen, die neu erkranken, keine öffentlichen Vorbilder haben, die ihnen vorleben, dass trotz einer psychischen Erkrankung vielfältige Lebenswege möglich sind.

Vor einem Jahr rief Agile ParlamentarierInnen mit unsichtbaren Behinderungen dazu auf, «ihre eigene Betroffenheit als Menschen mit Behinderungen offen zu legen. Dies mit Blick auf eine stärkere Vertretung der Bürgerinnen und Bürger mit Behinderungen im neu gewählten Parlament.» Die Angesprochenen sollten sich doch bitte bei Agile melden.

Agile hätte auch gleich schreiben können: Bitte melden Sie sich bei uns, damit wir Sie für unsere Zwecke benutzen können. So wie man das eben so macht im Behindertenbereich, wo Betroffene vor allem als Postergirls und -boys benutzt werden, die «dem höheren Zweck dienen» sollen. Ob sich jemand outet, ist aber eine sehr persönliche Entscheidung, die sorgfältig überlegt und geplant sein will. Und die sich in der heutigen Zeit, wo man alles googeln kann, nie mehr rückgängig machen lässt. Eine Behindertenorganisation, die zu einem Outing als Mittel zu ihrem Zweck auffordert, hat etwas ganz Grundlegendes bei der Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen nicht verstanden.

Bloss weil jemand eine Behinderung/chronische Krankheit hat, verpflichtet ihn oder sie überhaupt gar nichts dazu, dies offenzulegen (und damit reale persönliche Nachteile zu riskieren), weil das «der Sache der vereinigten Behinderten» dienen würde. Ein Outing ist zuallererst einmal die Sache der betroffenen Person. Für sie muss es stimmen. Wenn sie damit anderen Betroffenen hilft, ist das grossartig. Aber verlangen kann und darf man das von niemandem.

Die ProtagonistInnen des kürzlich in verschiedenen Schweizer (Alternativ)Kinos gezeigten Films «GLEICH UND ANDERS – Wenn die Psyche uns fordert» haben sich zur Offenheit entschlossen. Sie erzählen ihre Geschichten. Sie zeigen ihr Gesicht. Sie haben Namen und Stimmen. Berufe, Beziehungen und Hobbies. Und sie geben einen direkten Einblick in die Herausforderungen, die sich ihnen rund um das Thema Arbeit stellen. Sie äussern sich sehr persönlich und authentisch zu ihren Abstürzen und Erfolgen, zu ihren unterschiedlichen Erfahrungen mit Arbeitgebern, Ärzten und Sozialinstitutionen. Auf der Seite zum Film kann man sich diverse Clips ansehen. Beispielsweise die Portraits der einzelnen ProtagontistInnen.

Der einzige Wermutstropfen ist, dass sich den Film vermutlich vor allem ein sowieso schon mit der Thematik vertrautes Publikum angesehen hat. Ein bisschen mehr nicht stigmatisierende Präsenz von Betroffenen in den Mainstream-Medien wäre wünschenswert. Aber wie oben ausgeführt: Es ist kompliziert.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Vor einigen Tagen sendete 10vor10 anlässlich des IV-Sparwahns bei der SGK-N einen Beitrag über die schwierige Wiedereingliederung von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Untenstehend ein Filmstill aus dem Beitrag:

Das Still «zeigt» M.R. welcher kurz vor der Matura an Schizophrenie erkrankt ist, trotzdem später eine KV-Lehre absolviert und erst nach langer Suche eine 50%-Stelle im «normalen» Arbeitsmarkt gefunden hat.
Was dieses Bild auch zeigt: Was Stigmatisierung bedeutet.
Psychisch kranke Menschen möchten ihr Gesicht nicht zeigen. Sie bleiben lieber anonym. Das ist verständlich, da sie –  leider nicht zu Unrecht – befürchten müssten, im beruflichen und/oder persönlichen Umfeld mit Vorurteilen und anderen Schwierigkeiten konfrontiert zu werden, würden sie sich öffentlich «outen».

Das Problem an der ganzen Sache ist; dadurch entsteht ein sich selbst aufrechterhaltender Teufelskreis. Solange Menschen mit einer psychischen Erkrankung in den Medien entweder nur als gefährlich oder als unscharfer Umriss dargestellt werden, bleibt die Stigmatisierung aufrechterhalten. Denn die Menschen dahinter bleiben verborgen.

Und politisch ist eine «anonyme Masse» sehr viel einfacher zu diskriminieren, als Menschen mit Namen, Gesicht und Stimme.

Manchmal denke ich, manchen psychisch soweit «gesunden» Menschen macht der Gedanke an Gemeinsamkeit/Ähnlichkeit mit psychisch Kranken viel mehr Angst als die Unterschiede zu ihnen. Diese Unterschiede sind nämlich in vielen Bereichen oftmals gar nicht so gross.

Auch psychisch kranke Menschen möchten sich – soweit es ihre Krankheit zulässt –  einbringen, ihre Talente entfalten, sich nützlich fühlen. Es ist wesentlich einfacher, diese Tatsachen zu verleugnen*, und die Betroffenen als komplett anders als man selbst – nämlich als faul und unwillig darzustellen (womit Politiker und andere Akteure die immer weiter verschärfte IV-Gesetzgebung rechtfertigen) als einzugestehen, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der offenbar (noch) eine so grosse Stigmatisierung von psychisch Kranken besteht, dass es Betroffenen nicht mal möglich ist, sich ganz selbstverständlich in der Öffentlichkeit zu äussern.

Wenn das nicht möglich ist – wie soll dann erst Integration funktionieren?

Video-Beitrag 10vor10

Siehe auch Blogeintrag: Wen würden Sie einstellen?

*Festzustellen, dass psychisch kranke Menschen vielleicht gar nicht so anders sind als man selbst, bedeutet eben auch anzuerkennen, dass man selbst vielleicht auch psychisch erkranken könnte – und dadurch vorübergehend oder dauerhaft das verlieren könnte, worauf man so unglaublich stolz ist: Mit dem eigenen Willen «alles» erreichen zu können. Also sagt man lieber, «die» sind ganz anders als ich. Ich bin rechtschaffen, pflichtbewusst, arbeitsam. «Die» nicht.

Die Unsichtbaren

Die sich selbst zugeschriebene «Fachkompetenz» der Kommentarschreiber in Onlineforen zum Thema Invalidenversicherung bezieht sich in geschätzten 95% der Fälle darauf, dass der Kommentarschreiber angeblich mindestens einen, oder besser zwei bis zehn Nachbarn hat, die

  1. aus dem Balkan/der Türkei/«irgendeinem einem südlichen Land» stammen
  2. aus (für den Kommentarschreiber) nicht nachvollziehbaren Gründen (wahrscheinlich) eine Invalidenrente beziehen (Schmerzen, psychische Probleme oder sonst irgendwas Obskures)
  3. einen (oder zwei bis zehn) Mercedes/BMW/Porsche besitzen
  4. In Schwarzarbeit eine/n eigene/n Dönerladen/Gemüsehandel/Import-Exportfirma betreiben
  5. Regelmässig beim Rasenmähen/Möbelschleppen/Polieren ihres Mercedes/BMWs/Porsches gesehen werden

Selten bis nie scheint der gemeine Kommentarschreiber Nachbarn, Kollegen oder gar Familienangehörige zu besitzen, die aus seiner Sicht (was anderes ist schliesslich nicht massgebend) gerechtfertigterweise eine Invalidenrente beziehen oder aber die trotz schwerer Erkrankung/Behinderung von der Invalidenversicherung keine Leistungen erhalten und deshalb gezwungen sind, von der Sozialhilfe zu leben.

Warum das so ist, zeigen zwei Beispiele aus der Medienberichterstattung (eines eher unfreiwillig, das zweite ganz bewusst) über die gestern im Ständerat verabschiedete IV-Revision 6a exemplarisch.

Die 10vor10-Redaktion musste sich nach längerer Suche von ihrer ursprünglichen Absicht verabschieden, in ihrem Beitrag den Menschen hinter den grauen Zahlen der geplanten Revision «ein Gesicht zu geben». Von den Betroffenen, auf welche die Revision vor allem abzielt, nämlich jene mit den unsichtbaren Erkrankungen/Behinderungen ist schlicht niemand bereit, sich öffentlich im Fernsehen zu zeigen und sich damit freiwillig zur Zielscheibe zu machen. Zum Beispiel zur Zielschreibe von Nachbarn, die genau wissen, wem eine IV-Rente gebührt und wem nicht – siehe oben…

Erst, wenn der IV-Bezüger wieder eine Arbeit hat – und er somit der Gesellschaft «nicht mehr auf der Tasche liegt» ist es für einen Betroffenen möglich, sich öffentlich zu seiner Erkrankung zu bekennen. Wer arbeitet (auch wenn die IV nach wie vor einen Teil seines Lohns bezahlt) ist gleich eine ganz andere Kategorie Mensch – und wenn der Betroffene dann noch treuherzig in die Kamera sagt, dass er eben «kein Typ zum zu Hause herumsitzen» sei, dann ist die Welt in Allschwil, Münsingen und Wallisellen vor den Fernsehgeräten doch gleich wieder in Ordnung. Denn «Die chöi ja alli schaffe, we si numä wellä…»

Auch die Journalistin Karen Schäfer von der Aargauer Zeitung (Artikel leider nicht online) hat keine IV-Bezüger gefunden, die bereit gewesen wären, mit vollem Namen in der Zeitung zu erscheinen. In erfrischend unkonventioneller Weise hat sie jedoch diese Problematik gleich zum Thema ihres Hintergrundartikels gemacht («IV-Bezüger halten IV-Rente geheim» – Untertitel: Aus Furcht vor Ächtung und Diffamierung imformieren IV-Rentner nur nächste Angehörige) und ermöglicht dem Leser einen Blick in die Welt und das Empfinden der Betroffen bei denen die Scheininvalidenkampagne der SVP und die immer rigoroseren Sparmassnahmen der Invalidenversicherung tiefe Spuren hinterlassen haben.

Es ist viel von Angst die Rede in den Aussagen der Betroffenen. Angst, angefeindet zu werden, Angst, die Rente wieder zu verlieren, Angst vor der Überwachung durch IV-Detektive. Und von Verzicht ist ebenfalls die Rede: um ja nicht aufzufallen, wird beim Museumseintritt der volle Beitrag bezahlt, obwohl es für IV-Bezüger reduzierte Eintrittspreise gäbe, es wird auf Gartenarbeit oder das Verlassen der Wohnung tagsüber gleich ganz verzichtet, denn es könnte ja ein Nachbar oder IV-Detektiv zuschauen.

Und weil diese Menschen unsichtbar sind, sozusagen nicht existieren, ist es ein leichtes, sie mittels Revisionen aus der Invalidenversicherung auszuschliessen – sie wehren sich nicht, sie erheben keinen öffentlichen Einspruch, sie wenden sich nicht an Politiker. Dazu ist die Angst zu gross. Denn wer genug gesund sei, sich zu wehren – so könnte es heissen  – der sei schliesslich auch genug gesund, um zu arbeiten. Deshalb schweigen sie und bleiben unsichtbar.

10vor10 goes Boulevard

Unter dem Titel «Abt. Tubel-TV» fasst Infamy den unsäglichen 10vor10-Beitrag über einen angeblichen IV-Betrüger zusammen. Kann man nix mehr dazu sagen, als eben: Tubel TV.

Beachtenswert auch der Kommentar von lups unter dem Infamy-Beitrag (…)Als IV-Rentner, macht man sich bei empfundener Lebensfreude des Betruges verdächtigt? Ist die Frage „Hilfst du mir zügeln“ an einen IV-Rentner für diesen Existenzbedrohend? Pingpong, schwimmen gehen und Gummitwist, Tabu? Ist dem IV-Rentner empfohlen Zuhause permanente saure Gurken-„Ferien“ zu verbringen um dem Boulevard-Mob-„Journalismus“(my arse!) zu genügen (Übrigens: der verfluchte aktive IV-Rentner ist gleichermassen stigmatisiert wie der verfluchte untätige IV-Rentner, … tja)? Entscheidend für eine IV und sonstwelche Leistungen ist doch in etwa die *diagnostizierte*, von einer professionellen Drittperson beurteilte Unfähigkeit ein geregeltes Pensum absolvieren zu können (oder gehören psychiatrische Probleme grundsätzlich der Sozialhilfe zugeordnet?), das schliesst vermutlich nichts der gezeigten Tätigkeiten in diesem höchst belanglosen 10v10 Beitrag aus(…)

Jawohl ja. Allerdings sehen das Invaliden- und Unfallversicherungen in der Tat so, dass «Lachen» oder «aktive Freitzeitgestaltung» auf einem «Beweisvideo» auf Versicherungsbetrug hindeute. Wer krank/behindert ist, hat gefälligst 24 Stunden am Tag krank auszusehen und alleine zu Hause im Bett zu liegen. So eine Forderung ist natürlich einer Verbesserung der gesundheitlichen Situation alles andere als förderlich – Bewegung an der frischen Luft und Sozialkontakte hingegen schon. Aber das könnte ja ein Nachbar beobachten und der IV melden und die schicken dann einen Detektiv vorbei. Also bleiben viele Betroffene aus Angst zuhause, kapseln sich ab und werden noch kränker. Damit haben sie dann auch weiterhin Anrecht auf IV-Rente – Ansonsten könnte es ihnen ja mit der Zeit etwas besser gehen, möglicherweise soweit, dass sie sich auch eine (Teilzeit)arbeit (trotz Beschwerden) wieder zutrauen – aber eine langsame und schrittweise Genesung will man scheinbar in diesem System nicht unterstützen. Es gibt nur total krank oder gesund.