#Aufschrei – erklärt in 28 Tweets [1]

Im letzten Artikel ging es um persönliche Gedankengänge, die #Aufschrei bei mir ausgelöst hat. Das Phänomen als solches ist allerdings einigen älteren Herren Herren im besten Alter aus der Schweizer Medienbranche offenbar komplett unverständlich. Ich habe deshalb aus der (angeblichen) «Twitterkakophonie» 28 einzelne Stimmen herausgefiltert, anhand derer ich das Phänomen zu erklären versuche. Ich hoffe, es möge etwas zum Verständnis beitragen.

Die Vorgeschichte zum #Aufschrei dürfte mittlerweile allgemein bekannt sein: Stern/Himmelreich/Brüderle/Dirndl. Weniger bekannt sein dürfte folgendes Twitter-Statement der Stern-Journalistin Himmelreich:

Anders ist es jedenfalls nicht zu erklären, dass diese Frage in den sogenannt etablierten Medien immer und wieder durchgekaut wurde. Oder doch ist es schon: So mancher Journalist konnte einfach nicht verstehen, dass sich tatsächlich eine junge Frau erdreistete, zu entscheiden, was SIE für relevant hält.

Kurz zuvor hatte zudem auch die Journalistin Annett Meiritz einen Artikel über die Frauenfeindlichkeit der Piraten im Spiegel veröffentlicht.

Das Klima war also bereit für den Hashtag #Aufschrei. Er entstand aus einem Gespräch zwischen @marthadear und @vonhorst:

Stellvertretend für viele viele viele Tweets die darauf folgten:

https://twitter.com/miinaaa/status/294751659664490496

https://twitter.com/CalandaSonne/status/294807527512735744

Ein immer weiter anschwellender Strom von #Aufschrei-Tweets füllte die Twitter-Timelines. Gleichzeitig wurden auch immer mehr Blogbeiträge geschrieben, in denen viele weitere Erlebnisse geschildert, aber auch #Aufschrei selbst als Phänomen reflektiert und in den Blogkommentaren ausführlich diskutiert wurde. Wer wirklich wissen will, worum’s geht, wird nicht darum herumkommen, sich die Zeit zu nehmen, sich in die Blogeinträge einzulesen. Eine kurze Zusammenfassung gibt es nicht und würde der Wucht & Vielfältigkeit der Gedanken und Emotionen niemals gerecht. Anke Gröner hat eine Auflistung empfehlenswerter Blogeinträge zusammengetragen.

Bereits in der Anfangsphase von #Aufschrei hat Antje Schrupp etwas getwittert, was sich im Verlauf der nächsten Stunden und Tage immer mehr bewahrheitet hat und den Kern von #Aufschrei zielgenau trifft:

Mem bei wikipedia / Troll bei wikipedia

Oder anders gesagt (auch Antje Schrupp): Zurück in den Sack kriegt Ihr das jetzt nicht mehr. Weil nämlich diejenigen, die sowas für eine Lappalie halten, nicht mehr die maßgeblichen Meinungsmacher sind. Sondern Relikte aus vergangenen Zeiten.

#Aufschrei – erklärt in 28 Tweets [2]
#Aufschrei – erklärt in 28 Tweets [3]

#Aufschrei – erklärt in 28 Tweets [2]

Doch warum konnte #Aufschrei so eine Sprengkraft entfalten? Ich denke, es liegt daran, dass vielen Frauen Folgendes erstmals richtig bewusst wurde:

Das ist normal in unserem Alltag und wir nehmen das hin, oft ohne was zu sagen!? #Aufschrei! Jetzt aber erst recht.
Und Männer erhielten erstmals eine erschreckende Einsicht in die Realität vieler Frauen:

Das hat Diskussionen ausgelöst. Im Internet, aber nicht nur dort:

Das Wir-sitzen-doch alle-im-selben-Boot-Gefühl, das sich im Laufe der Diskussion entwickelt hat, war ein sehr schönes, sehr Positives. Es ging im Kern nie um «Frauen gegen Männer»:

Sebastian: «Irgendwie hab ich seit Beginn der Diskussion immer wieder das Bedürfnis, den Frauen in meiner Umgebung zu sagen, dass «wir» gar nicht alle so eingeschränkt/blöd/ahnungslos sind. Das faszinierende ist aber: Die wissen das!

Natürlich wissen wir das! Aber wir möchten einfach mal aufzeigen dürfen, welche negativen Erfahrungen wir machen. Es tut gut, das mal zum Thema machen zu dürfen, worüber wir sonst meist schweigen:

Anika: 99% der männlichen bevölkerung wären trotz aller sicherheitsmaßnahmen zu jedem zeitpunkt imstande, mit mir zu machen, was auch immer sie wollten. einfach aus rein biologischen, körperlichen gründen. dass bisher kein mann in meinem leben davon gebrauch gemacht hat, da spielt viel glück mit. und das bewusstsein darüber ist immer da. das risiko. die furcht. (…) jeder mann, der auf der straße im dunkeln hinter mir läuft, ist für mich zunächst einmal eine bedrohung. ein potentieller übeltäter – so leid es mir oft um die vielen, wahrscheinlich sehr sympathischen, kerle tut. aber ich kann nicht mehr zählen, wie viele fake-anrufe ich schon führte. mit dem bodybuilder-freund, den ich vom training abholte – nur um mögliche angreifer abzuschrecken. deshalb bin ich mittlerweile auch jedem mann (im stillen) dankbar dafür, wenn er die straßenseite wechselt, statt weiter im dunkeln hinter mir zu laufen. denn dann habe ich ihn nicht mehr im nacken – kann ihn sehen und bin nicht mehr so ausgeliefert und angreifbar.

mequito: Mir macht #aufschrei ja gute Laune. Ich glaube, es wurde der richtige Ton getroffen. Die tausenden Beispiele, mal dramatisch, mal traurig, mal krass, aber immer bäh. Wie eine unendliche Playlist der Arschlocherei. Es gefällt mir, wie wuchtig das Thema im Mainstream aufgeschlagen ist und die Meinung ist ja durchaus einhellig, die Kritiker haben sich schnell deklassiert. Ich finde das super, ich finde das zivilisatorisch total super.

#Aufschrei – erklärt in 28 Tweets [1]
#Aufschrei – erklärt in 28 Tweets [3]

#Aufschrei – erklärt in 28 Tweets [3]

#Aufschrei hat geschafft, was keine noch so teure und ausgeklügelte Kampagne gegen Sexismus je hätte schaffen können: Eine enorme Sensibilisierung. Weil ganz viele Menschen (Männer und Frauen) welche die Diskussionen auf Twitter verfolgt haben, bemerkt haben: Es sind ja die Frauen in meiner Timeline, Frauen, die ich teilweise persönlich kenne, denen das passiert. Nicht «Irgendwer, von dem man in der Zeitung liest». Ihnen wurde bewusst: In meinem Umfeld passiert das auch. Viele haben darauf  – oft erstmals überhaupt – in ihrem Umfeld darüber gesprochen. Männer UND Frauen. Miteinander. Ich finde das ganz grossartig.

Ich glaube, gerade Vertreter der etablierten Medien haben einen ganz entscheidenden Punkt nicht verstanden. Sie sind sich gewohnt, Themen «zu setzen» sie «aufzubereiten», «einzuordnen» dem Publikum vorzusetzen, was sie für richtig/wichtig/angebracht halten. In gewisser Weise auch das Weltbild der LeserInnen zu formen. Das hat hier nicht funktioniert. Das Thema ist im Internet explodiert und entscheidend von den Betroffenen selbst geformt worden. Das ist radikal neu. Ohne den einordnenden Chefredakteur, der bestimmt, welchen Wert das Thema hat.

Die Vertreter der etablierten Medien spüren wohl den Verlust der Deutungshoheit, thematisieren ihn aber nicht, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Darum reden sie das Thema klein. Arbeiten sich daran ab, ob Brüderle nun dies… oder die Journalistin Himmelreich das… und bemerken nicht, wie sehr sie den Kern von #Aufschrei damit verkennen.

Die erste Talkshow im deutschen Fernsehen, die #Aufschrei aufgriff, war Jauch. Und selten wirkte Fernsehen dermassen gestrig. Die Twitter-Community verfolgte die Sendung natürlich und als Jauch bei der Vorstellung der Initatiorin des #Aufschrei-Hashtags Anne Wizorek (Twittername @marthadear) anmerkte, dass das Publikum sie (im Gegensatz zu den anderen Gästen) wohl nicht kenne, wurde kommentiert:

Auch Jauch fokussierte immer wieder auf Brüderle und die Twitterer fragten sich im Verlauf der Sendung alle das selbe:

Wem vorher nicht klar war, dass mit #Aufschrei etwas ganz Besonderes passierte, dem wurde es spätestens dann klar, als Männer den Auftritt von Alice Schwarzer lobten:

Und auch die jüngeren Frauen, die mit Alice Schwarzers Radikalität der letzten Jahre oft ihre liebe Mühe hatten:

Auf einmal wirkte nämlich Alice Schwarzer mit ihrer Aussage «Ich halte Männer auch für Menschen!» so viel zeitgemässer, als die Journalistin Wibke Bruhns, welche eigentlich angetreten war, um – ja was eigentlich? den Sexismus? die Männer? zu verteidigen und dabei zu Analogien aus dem Tierreich griff:

Offenbar haben sich die Vorstellungen davon, was Sexismus ist, im Lauf der Zeit verändert:

Auch wenn die #Aufschrei-Community bei Voten von Wibke Bruhns am liebsten kollektiv in die Tischkante gebissen hätte, zeigt sich meines Erachtens die Qualität und der gegenseitige Respekt mit der diese Debatte im Internet geführt wird, auch daran, dass Antje Schrupp als eine der prägenden Stimmen bei #Aufschrei nach der Jauch-Sendung einen ausführlichen Beitrag dazu verfasst hat, wie das gesellschaftliche Klima damals war, als Wibke Bruhns 1971 erste Nachrichtensprecherin im westdeutschen Fernsehen geworden ist und wie das ihre Einstellung wahrscheinlich geprägt hat. Und darum geht es hier: Wir wollen einander verstehen, nicht die Fronten weiter verhärten.

Das unterscheidet die Debatte im Internet so fundamental von der Art mit welcher das Thema in den traditionellen Medien grösstenteils «inszeniert» wird: Für Talksendungen im Fernsehen werden die Personen mit grössmöglichem Konkfliktpotential ausgesucht (Beispiel: Der Pickup-Artist bei ZDFlogin) und im Printbereich klopfen sich wohl diverse Chefredakteure gegenseitig auf die Schulter für die unheimlich clevere Idee, diverse junge Journalistinnen darüber schreiben zu lassen, dass das mit diesem Sexismus doch alles nur hysterisches Getue sei. (Getreu nach dem alten Motto: «Lasst die Weiber sich doch gegeneinander die Augen auskratzen – wir schauen zu und amüsieren uns»).

Aber so funktioniert das nicht mehr. Das hat Anne Wizorek mit ihrem Auftritt bei Jauch deutlich signalisiert: Sie blieb stets ruhig, gelassen und sachlich, vertrat ihre Sache aber klar und entschieden. Wir möchten nicht gegen die Männer kämpfen, sondern gemeinsam mit ihnen. Für beiderseitigen Respekt. Denn auch Männer gegenüber gibt es Sexismus. Das möchten wir genau so wenig! Aber dazu müssen wir uns gegenseitig zuhören und nicht anbrüllen. Dass das kein Traum einer kleinen exklusiven Twitter-Filter-Bubble ist, zeigen folgende Tweets:

Natürlich bleibt aber auch Anne Wizorek – wie allen Frauen, die sich öffentlich gegen Seximus engagieren –  folgendes nicht erspart:

aber im Grossen und Ganzen ändert sich offenbar etwas:

Und dass sich was ändert ist gut so: Sehr gut sogar. Für beide Geschlechter.

#Aufschrei – erklärt in 28 Tweets [1]
#Aufschrei – erklärt in 28 Tweets [2]

Einige Gedanken zu #Aufschrei

Letzten Freitag tauchten die ersten #Aufschrei-Tweets in meiner Twitter-Timeline auf, in denen Frauen ihre Erfahrungen mit Sexismus in verschiedenen Formen und Ausprägungen bis hin zu eindeutigen sexuellen Übergriffen schilderten. Der #Aufschrei-Hashtag hatte für mich etwas unangenehm «Lautes» an sich. Mein erster Gedanke war: Hoffentlich hört das bald wieder auf. Und: Zum Glück hab ich selbst nie sowas Schlimmes erlebt. (Zwei typische Abwehrreaktionen – wie mir aber erst später bewusst wurde).

Doch der Strom an #aufschrei-Tweets wurde immer breiter, immer lauter, dutzende (mittlerweile wohl hunderte) Blogartikel wurden zum Thema geschrieben und vertwittert. Ein Blog-Artikel der in dieser «ersten Phase» besonders viel Resonanz hervorrief, war «Das Schreien der Lämmer» von Frau Meike. Der Artikel greift sehr differenziert unterschiedliche Aspekte der Thematik auf. Besonders der Teil, der auf die Eigenverantwortung der Frauen (Undifferenzierte Kurzform: «Wehrt euch halt!») verwies, erfuhr sowohl viel Zustimmung wie viel Kritik.

Ich selbst dachte zu dem Zeitpunkt auch: Ja, genau stimmt, man kann sich schliesslich wehren! Was soll denn diese Opferhaltung?! Doch je mehr ich von all den Erfahrungen der Frauen las, desto lebendiger wurden eigene Erinnerungen. Zum Beispiel der Englischlehrer damals, der aus seiner Vorliebe für sexistische Witze (die natürlich nur einseitig auf Kosten der Mädchen gingen) kein Hehl machte. Haben wir uns damals gewehrt? Natürlich nicht. Was wäre denn die Folge gewesen? Möglicherweise, dass wir uns noch mehr Witze über total humorlose Emanzen hätten anhören müssen…? Oder anderweitige Zurücksetzungen?

Und schon war es nicht mehr ganz so einfach mit: «Man kann sich ja schliesslich wehren!» Denn oft hat Sexismus gar nicht soviel damit zu tun, was der Name vermuten lässt. Sondern mit Machtausübung. Mit Darstellung von Überlegenheit: Es ist ok, dass ein Mann vor einer gemischten Klasse sexistische Witze über Frauen macht. Was vermittelt mir das als Mädchen? Eben das: Es ist ok. Und ich habe das auch ok zu finden. Ansonsten könnten mir daraus ernsthafte Nachteile erwachsen.

Ich möchte hier anmerken, dass die meisten meiner Lehrer, Trainer, Musiklehrer, Dozenten, Chefs, Kollegen ect. sich meist absolut korrekt, freundlich und respektvoll verhalten haben bzw. das immer noch tun. Es stellt also für viele Männer offensichtlich überhaupt kein Problem dar, Frauen respektvoll zu behandeln. Von daher wirken die Reaktionen auf #Aufschrei von gewissen – vornehmlich älteren – Herren schon reichlich skurril. Wenn man Broder (nein, sowas verlinke ich nicht) oder seinen Kollegen im Geiste im Cicero (das auch nicht) liest, könnte man meinen, man höre das Geheule eines kleinen Jungen, dem man im Begriffe ist, das Lieblingsspielzeug wegzunehmen. Man spürt förmlich: Macht abgeben tut weh. Aber Männer, die Frauen nicht auf Augenhöhe begegnen, sind einfach nicht mehr zeitgemäss.

Ich glaube, genau das zeigt #Aufschrei deutlich. Vielen Frauen wurde in den letzten Tagen erst richtig bewusst, dass Sexismus (und leider nicht selten auch sexuelle Übergriffe) zu einem Frauenleben bisher einfach ganz selbstverständlich dazugehört haben. So selbstverständlich, dass wir es als «normal» empfinden, dass wir gar nicht darüber sprechen, weil es halt «so ist». Das ist das, was mich – und ich glaube auch viele andere Frauen (und auch einige Männer) die an der #Aufschrei-Diskussion teilgenommen haben, ebenfalls – wirklich erschreckt hat.

Im Artikel «Mein später Aufschrei» beschreibt die Bloggerin DrMutti, wie wir Frauen uns oft selbst belügen; lesen oder hören wir von Erfahrungen anderer Frauen, versuchen wir uns zu distanzieren, in dem wir denken «die hätte sich ja wehren können» oder «so schlimm war’s ja wohl nicht». Wir verharmlosen, weil wir das mit unseren eigenen Erlebnissen auch tun. Auch in meiner Erinnerung sind noch weitere Erlebnisse aufgetaucht, als nur die des ja an sich «harmlosen» (sic!) Englischlehrers. Es waren aber nicht die Erlebnisse an sich, die mich beschäftigt haben die letzten Tage, es war diese Selbstverständlichkeit mit der diese zu meinem (und vielen anderen) Frauenleben dazugehören. Situationen, die es so (häufig) in einem männlichen Leben schlichtweg nicht gibt.

Wie einem als Mädchen von früh an eingetrichtert wird, sich so zu verhalten, dass einem «nichts passiert». Und wie man es so verinnerlicht, dass man selbst denkt, wenn anderen was passiert: «Wäre sie halt nicht nachts alleine nach Hause gegangen» oder «Hätte sie halt nicht soviel getrunken». Man gibt sich damit der Illusion hin, man könnte sich vor Übergriffen schützen, indem man sich nur «richtig verhält». Aber wenn man sich selbst gleichzeitig auch sagt: Ich habe in der und der Situation eigentlich «Glück gehabt», dass mir nichts «passiert» ist. Wenn also die eigene Unbeschadetheit in gewissen Kontexten gar als «Glück» empfunden wird und nicht als Selbstverständlichkeit, dann ist das doch ganz schön verquer.

Nach einigen Tagen Beschäftigung mit dem Thema stehe ich mittlerweile auch dem «Man muss sich halt wehren» kritisch gegenüber. Denn genau da geht es auch um Schuld: «Bist ja selbst schuld, wenn du dich nicht wehrst!» Natürlich ist es gut und wichtig und richtig sich zu wehren. Wenn man es in der Situation denn kann. Aber eigentlich will ich in möglichst wenige Situationen kommen, in denen ich mich (allein aus dem Grund weil ich eine Frau bin) überhaupt wehren muss. Weil es einfach selbstverständlich sein sollte, dass Mann mir als Frau auf Augenhöhe begegnet. Und wenn dem nicht so ist, und jemand – vielleicht auch unabsichtlich – meine Grenzen überschreitet und ich dann sage, dass ich das nicht möchte, dann soll das akzeptiert werden. Ich möchte mich wehren dürfen, (wenn es denn nötig ist) ohne hören zu müssen, ich wäre verklemmt, frustriert oder sonstwie spassbefreit.

Ich möchte, dass meine Sichtweise einer Situation nicht kleingeredet oder lächerlich gemacht wird, weil ich ja eine Frau bin. Wenn ein Mann mit einer Ablehnung (darum geht es ja meist) nicht umgehen kann, ist das nicht meine Schuld. Ich glaube, dass viele Frauen endgültig genug haben von diesen Schuldzuweisungen. Und das dies ein Teil der treibenden Kraft hinter #Aufschrei ist. Dass diese bislang verdrehte Schuldzuweisung endlich mal zurecht gerückt wird. Nicht die Frau, deren Grenzen überschritten werden, ist schuld, sondern derjenige, der die Grenzen überschreitet. Immer. Egal wie kurz der Rock war (Um mal die Urheberin des #Aufschrei-Hashtags Anne Wizorek zu zitieren: «Wir sind doch nicht eben erst von den Bäumen gestiegen»).

Die Männer, die Grenzen von Frauen überschreiten, tun es nicht, weil sie eben Männer sind und «nicht anders können» (all die anderen Männer tun’s ja auch nicht) sie tun es, auch nicht, «weil die Frauen nicht deutlich genug Grenzen setzen» (wir sind, wie gesagt, sozialisierte Wesen und die meisten von uns können auch Gesichtsausdrücke und Körperhaltungen sehr genau lesen). Diejenigen Männer, die Grenzen überschreiten, tun es, weil ihnen ihr Gegenüber schlichtweg egal ist.

Mir ist bewusst, dass man «Sexismus» nicht mit «körperlichen Übergriffen» gleichsetzen kann und das alles im Artikel nicht genau getrennt wird, aber im Prinzip geht es immer um die selbe Haltung, die Sexismus bzw. Übergriffen zugrunde liegt: Fehlender Respekt, fehlende Augenhöhe, fehlende Empathie, Machtdemonstration. Und das alles macht – als kleiner Hinweis an diejenigen Männer, die ihr (angebliches) Recht auf Äusserungen zweideutiger Schlüpfrigkeiten so vehement verteidigen – einen Mann nicht etwa männlich, sondern sehr sehr unattraktiv.