See me – I’m a person not a label

Plakate aus der mehrjährigen Schottischen Kampagne «see me» gegen Stigmatisierung, Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Great.

Davon ist die Schweiz noch Lichtjahre entfernt. Hierzulande hat man noch nicht begriffen, dass Arbeitsintegration nicht ohne soziale Integration funktioniert. Solange Menschen mit psychischen Erkrankungen von einem Grossteil der Schweizer Bevölkerung ausgegrenzt, stigmatisiert und nicht als Mitarbeiter oder Arbeitskollegen akzeptiert werden, braucht man sich auch nicht wundern, wenn die Betroffenen aus der Arbeitswelt herausfallen.

Bundesrat Burkhalter stoppt diffamierende Plakatkampagne der IV

Das Bundesamt für Sozialversicherung (BSV) stoppt die umstrittene Plakat-kampagne mit Sprüchen wie «Behinderte sind dauernd krank». Bundesrat Didier Burkhalter hat beschlossen, auf die geplante Weiterführung im Frühling 2010 zu verzichten.

Aufgrund massiver Prosteste von verschiedenen Behindertenorganisationen wird die Kampagne per Ende November beendet. Mit der Kampagne sollte eine Diskussion um die Reintegration von Behinderten angeregt werden. Laut Sprecher des BSV «wurde dieses Ziel leider nicht erreicht». Rund 800’000 Franken hat die ganze Kampagne gekostet.

Artikel im Tagesanzeiger

Übrigens: Grossartige Radiosendung von DRS 2 vom 18. Novenber 2009 zur kontraproduktiven Wirkung dieser Plakatkampagne aus wahrnehmungs-psychologischer Sicht.

Nachtrag: Am 08.11.2009 war im 20 Minuten noch folgendes zu lesen: Der verantwortliche IV-Chef Alard du Bois-Reymond meint: «Ich würde es nochmal gleich machen.» Und Kaspar Loeb, CEO der verantwortlichen Werbeagentur Saatchi&Saatchi, ist «sehr zufrieden» mit der Wirkung der Kampagne: «Zum ersten Mal findet über diese Vorurteile eine richtige Debatte statt.»

1. Gut, ist Alard du Bois-Reymond nicht mehr lange IV-Chef (er kann ja die Kampagne an seinem neuen Arbeitsort – dem Bundesamt für Migration – nahtlos weiterführen).

2. Kaspar Loeb, CEO der verantwortlichen Werbeagentur Saatchi&Saatchi soll doch mal kurz aufzeigen, wo genau diese «richtige Debatte über die Vorurteile» stattgefunden hat. Burkhalters Departementssprecher Jean-Marc Crevoisier jedenfalls sagte gestern, eine Diskussion um die Reintegration von Behinderten hätte nicht stattgefunden und das Ziel der Kampagne wurde nicht erreicht. Leider werden Werber nicht für den Erfolg ihrer Kampagnen bezahlt. Sondern dafür, was sie naturgemäss als Werber am besten können; nämlich falsche Versprechungen zu machen.